Ungewöhnliche Gäste halten Hoyaer vom Schlafen ab

Diese junge Waldohreule sitzt in der Krone eines Baums im Garten der Familie Bossow. - Fotos: Henning Bossow

Hoya - Von Anne Schmidtke. Familie Bossow aus Hoya hat derzeit ungewöhnliche Gäste – die Besucher sehen sehr niedlich aus, haben auffallend orange-gelbe Augen und halten ihre Gastgeber vom Schlafen ab.

„Seit Anfang Juni hören wir nachts immer drei junge Waldohreulen laut schreien“, berichtet Regina Bossow. So seien sie und ihr Mann Henning auf die Tiere aufmerksam geworden. „Das klingt nicht sehr melodisch“, beschreibt Regina Bossow den Laut, mit dem die Jungtiere nach ihren Eltern schreien und Futter verlangen. Aufgrund des markanten Geräuschs habe das Ehepaar in seinem Garten an der Von-Kronenfeldt-Straße 71 nachgeschaut und die Kleinen schließlich in einer Tanne entdeckt.

Laut Tierärztin Regina Bossow verlassen die Küken nach etwa drei Wochen das Nest. Aus ihnen werden dann sogenannte Ästlinge, also Vögel, die noch nicht richtig fliegen können, aber auch nicht mehr im Nest sein wollen. Sie klettern dann in der Baumkrone herum. „Dabei stellen sie sich sehr geschickt an“, berichtet die Veterinärin. Die Ästlinge setzen beim Klettern ihre Krallen, Schnäbel und Flügel ein. Zehn Wochen nach dem Schlüpfen können sie fliegen und eigenständig Mäuse jagen. Da sie sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht vollständig selbst versorgen können, füttern die Eltern sie bis zur etwa elften Lebenswoche. Die Hauptnahrungsquelle der Waldohreulen sind Mäuse. Sie jagen aber auch kleine Singvögel und Insekten.

„Da die Tiere, die bei uns wohnen, mal im Kirschbaum und mal in der Tanne sitzen, können sie offensichtlich bereits fliegen“, erklärt Bossow. Sie schätzt, dass die jungen Vögel im Mai geschlüpft und nun in der zehnten beziehungsweise elften Lebenswoche sind.

Ein Merkmal der Waldohreulen sind die orange-gelben Augen.

Bossow sei beeindruckt von der imposanten Erscheinung der Waldohreulen. „Das sind wunderschöne Tiere“, sagt die Veterinärin. Vor allem die Augen seien toll. Über ihre Eindrücke kann sie sich allerdings nur mit wenigen Personen austauschen. Denn obwohl Waldohreulen unter anderem in Mitteleuropa, Ostafrika und Nordamerika relativ häufig vorkommen, haben bisher wahrscheinlich nur wenige Menschen die Tiere zu Gesicht bekommen. Das liegt vor allem an der guten Tarnung der Waldohreulen, an der Tatsache, dass sie meistens in Baumkronen sitzen und an ihrer Nachtaktivität. „Tagsüber schlafen sie in der Regel“, sagt Regina Bossow. Anders als sie selbst habe ein Bekannter ein Elterntier nachts mal bei ihr im Garten fliegen sehen. „Die Eulen sind relativ klein. Sie werden keine 40 Zentimeter groß. Aber die Spannweite ihrer Flügel beträgt fast einen Meter“, informiert Regina Bossow. Sie habe in ihrer Praxis noch nie eine Waldohreule behandeln müssen. „Uns werden schon mal Wildvögel gebracht, meistens Sperber. Eine Eule war noch nie dabei.“

Daher sei sie begeistert, dass ein Waldohreulen-Paar sich ihren Garten für die Aufzucht seiner Jungen ausgesucht hat. „Am nahe gelegenen Hauptkanal finden die Tiere sicher viele Mäuse.“ Allerdings sei sie auch nicht traurig, dass die jungen Eulen sich bald auf die Suche nach einem eigenen Jagdrevier machen und ihre Gastfreundschaft nicht mehr in Anspruch nehmen. Dann können sie und ihr Mann mal wieder eine Nacht durchschlafen.

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