Die Rettung des Fußballplatzes

Mann gegen Maus: TSV Hassel kämpft seit Jahren gegen Nagerplage

Ein Fußballplatz wie ein Schlachtfeld: Hier hat schon lange niemand mehr gekickt. Nach Angaben von Jens Braun, dem Vorsitzenden des TSV Hassel, hat ein Landwirt auf der Fläche eine Tiefenfräsung vorgenommen. Auf diese Weise soll die Mäusepopulation, die auf dem Sportplatz wütet, gestört werden.
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Ein Fußballplatz wie ein Schlachtfeld: Hier hat schon lange niemand mehr gekickt. Nach Angaben von Jens Braun, dem Vorsitzenden des TSV Hassel, hat ein Landwirt auf der Fläche eine Tiefenfräsung vorgenommen. Auf diese Weise soll die Mäusepopulation, die auf dem Sportplatz wütet, gestört werden.

Hassel – Hier hat schon seit einigen Jahren niemand mehr Fußball gespielt. Daran war seit 2019 auch gar nicht mehr zu denken. Denn der große Rasenplatz des Turn- und Sportvereins (TSV) Hassel wurde von einer Spezies überrannt, die zwar winzig klein ist, aber dennoch für riesige Probleme sorgt.

Der Fußballplatz, an dem ab 1974 einst viele Hassler Familien sonntags zusammen kamen, um ihre Heimmannschaft anzufeuern, liegt seit September 2019 brach. Denn zu diesem Zeitpunkt hatten Vereinsmitglieder viele kleine Löcher im Boden entdeckt, die sich von der Mitte des Platzes über die gesamte Länge der Fläche verteilten. „Wir haben uns gefragt, was das sein kann“, erinnert sich Jens Braun, Vorsitzender des TSV Hassel. Daraufhin habe man zunächst versucht, alle Löcher mit Sand aufzufüllen. Vergebens. „Nach rund zwei Wochen waren alle wieder da“, ärgert er sich. 1:0 für den Gegner.

Eine Schädlingsbekämpfungsfirma sollte das Problem lösen. „Die haben festgestellt, dass es sich dabei um Wühlmäuse und -ratten handelt“, so der 55-Jährige. Fallen mussten also aufgestellt werden. Vor einem Jahr habe es dann auch so ausgesehen, als hätte diese Taktik funktioniert. Denn „die Löcher wurden weniger“. Im Frühjahr 2020 schien es endlich geschafft zu sein und der TSV glich den Platz an.

Doch zu früh gefreut: Die Tiere, die sich vom Feld aus knapp bis zur Mitte des Sportplatzes vorgearbeitet hatten, kamen wieder. „In einem Abstand von rund zehn Zentimetern waren wieder überall Löcher. Der gesamte Platz war mit Gängen untergraben“, schildert der Vorsitzende das Problem. 2:0 für den Gegner.

Doch die Wühlmäuse haben es nicht nur auf den Sportplatz des Vereins abgesehen. Auch Landwirte kämpfen mit dieser Plage. „Besonders auf Feldern im Bereich der Marsch treiben die Mäuse ihr Unwesen“, weiß Jens Braun. Oftmals hänge die Aktivität der Tiere auch mit der Witterung vor Ort zusammen.

„Wühlmäuse fressen die Wurzeln von Unkraut. Eine optimale Pflege des Platzes ist daher ungemein wichtig, doch das ist auch sehr zeit- und kostenintensiv“, erklärt Gärtnermeister Dirk Krebs aus Hoyerhagen. Beispielsweise müsse die Fläche feucht gehalten werden, dürfe aber auch nicht zu nass werden, und der Boden müsse regelmäßig mit Nährstoffen versorgt werden.

Nach dem Rückschlag habe die Schädlingsbekämpfungsfirma zugeben müssen: „Das macht keinen Sinn mehr“, erinnert sich Braun an die Worte der Experten. Zu diesem Zeitpunkt habe die Gemeinde Hassel, die Eigentümer des Platzes ist, schon rund 3 000 Euro in die Wiederherstellung investiert. „Die Firma meinte daraufhin, dass es keine Tausende, sondern Zehntausende von Euro kosten würde, damit wir die Mäuse endlich loswerden“, erzählt der Vorsitzende.

Aber was konnte man denn nun tun, um die Wühler zu vertreiben und dem Sportplatz zu seinem alten Glanz zu verhelfen? Nach Angaben von Braun habe es etliche verrückte Ideen gegeben. „Es wurde beispielsweise vorgeschlagen, die Fläche unterirdisch mit einer ein Meter tiefen Betonmauer zu umzäunen“, erzählt er. Dirk Krebs befürchtet, dass dadurch ein „künstlicher Sumpf“ erschaffen werden könnte. Jens Braun hingegen meint, dass sich die Tiere durch monsunartigen Regen vertreiben lassen würden. „Das würde dazu führen, dass sie ertrinken“, führt er seine Gedanken aus. Dieser Idee kann auch Gartenexperte Krebs zustimmen.

„Eine Komplettsanierung ist ausgeschlossen, dafür müsste der Unterbau neu gemacht sowie neuer Mutterboden aufgeschüttet werden. Das kostet rund 150 000 Euro, und das können sich der Verein und die Gemeinde einfach nicht leisten“, führt der Vorsitzende das Dilemma aus. Auch die Kosten für die Generierung einer neuen Fläche seien utopisch hoch.

Ist das die Vorentscheidung im Kampf Mann gegen Maus? Nein. Der TSV gibt nicht auf.

Die neue Taktik: Tiefenfräsung. „Das kann man sich vorstellen wie einen Treckerpflug, der nicht umgräbt, sondern rund 40 Zentimeter tiefe Furchen in den Boden zieht“, meint Jens Braun. Damit will ein befreundeter Landwirt aus Hassel die Mäuse- und Rattenpopulation stören und hofft, die Tiere doch noch vertreiben zu können. „Zwei- bis dreimal wollen wir das jetzt noch machen“, kündigt Braun an.

Mit Blick auf die Zukunft hofft er, den Platz im März oder April dieses Jahres neu ebnen zu können. „Nachdem gewalzt ist, wollen wir erst mal vier bis sechs Wochen abwarten, ob die Mäuse zurückkommen. Denn das Risiko besteht natürlich weiterhin. Schließlich sagen die sich ja nicht ,Mensch, der Platz ist neu, da gehen wir jetzt nicht mehr rauf‘“, sagt der Vorsitzende. Wenn alles gut laufe, könne die Fläche möglicherweise Ende 2021 wieder bespielt werden.

Wie der Endstand schlussendlich aussieht und ob sich der TSV oder doch die Wühlmäuse durchsetzen, steht also noch in den Sternen. Dirk Krebs betont: „Diese Methode wird sicherlich funktionieren, jedoch muss der Platz danach ordentlich gepflegt werden.“

An einen Rückbau des in den 70er-Jahren angelegten Fußballplatzes denkt Braun überhaupt nicht. Zwar ist ihm klar, dass man gegen die Natur nicht wirklich eine Chance hat, doch Hoffnung bestehe weiterhin. „Die Wiederherstellung wäre wirklich ein Träumchen“, meint er.

Gekickt wird aktuell nur auf dem kleinen Bolzplatz in Hassel, und dort können auch nur die Jugendmannschaften spielen. Alle weiteren Heimspiele hätten in den vergangenen Jahren sowie vor der Einstellung des Spielbetriebs durch die Corona-Pandemie beim Spielgemeinschaftspartner SV Hämelhausen stattgefunden.

Zwar würden viele Hassler ihre Mannschaft auch dort als Zuschauer unterstützen, doch das sei nicht dasselbe, sagt der 51-Jährige. „Es fehlt einfach ein Stück Geselligkeit, und das ist für eine so starke Gemeinschaft, wie es sie in Hassel gibt, wirklich schade.“

Von Nala Harries

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