„Ich bekomme wieder Luft“

Toner-Emissionen machten Heike Krüger aus Hoya krank

Heike Krüger aus Hoya ist Vorstandsvorsitzende der europaweit tätigen Stiftung „nano-Control“. Die Stiftung engagiert sich seit zehn Jahren gegen Gesundheitsschädigungen durch Toner-Emissionen aus Laserdruckern. - Foto: Horst Friedrichs

Hoya - Von Horst Friedrichs. „Ich kann wieder frei atmen“, sagt Heike Krüger aus Hoya und beschreibt damit eine der wesentlichen Änderungen in ihrem Leben, seit vor fünf Jahren zuletzt über sie berichtete wurde.

Damals hatte sie einen beträchtlichen Leidensweg hinter sich, ausgelöst durch eine Vergiftung, die – ärztlich nachgewiesen – wiederum durch den Ausstoß von Feinstaub und Nanopartikeln aus Lasertonern hervorgerufen worden war.

Die Laserdrucker- und -kopierer, mit denen sie seinerzeit arbeitete, sind inzwischen durch Tintenstrahl- und andere Drucktechnik ersetzt worden. Und noch etwas hat sich seither verändert: War sie seinerzeit ehrenamtliche Beisitzerin im Bundesvorstand der europaweit tätigen Stiftung „nano-Control“, so ist sie inzwischen zu deren Vorstandsvorsitzenden aufgestiegen.

„Früher habe ich am Arbeitsplatz eine Feinstaubmaske getragen, weil ich kaum noch Luft bekam“, erinnert sich Heike Krüger. „Zusätzlich musste ich Bürofenster und -türen weit öffnen.“ Das ist inzwischen Vergangenheit. „Seit die Laserdrucker weg sind“, sagt sie, „geht es mir wesentlich besser. Vor allem bekomme ich endlich wieder Luft.“ Die Firma, in der Heike Krüger arbeitet, hat fast alle Laserdrucker abgeschafft. Nur noch ein einziges Exemplar dieser Technik ist dort vorhanden, abgeschirmt an einem zentralen Platz im Gebäude. Viele Firmen in Hoya haben seit einer Informationsveranstaltung von „nano-Control“ im Jahr 2012 kaum noch Laserdrucker, stellt Heike Krüger heute fest.

Vergiftung durch Feinstaub und Nanopartikel

„Das war ein Erfolg jener Veranstaltung in Hoya, an der mehr als 100 Leute teilnahmen“, sagt sie im Gespräch mit der Kreiszeitung. Zu einer Wiederholung in Nienburg, lediglich Monate später, kamen nur 30 Personen.

Angefangen hatte Heike Krügers Vergiftung durch Feinstaub und Nanopartikel aus Lasertonern mit ersten typischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwellungen der Lymphknoten und Herzrasen. In der weiteren Entwicklung des Krankheitsbilds folgten auffällige Entzündungen der Atemwege, der Augen und der Haut sowie chronische Erschöpfung. Durch das Gutachten eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes in Nürnberg konnte im Fall Heike Krügers nachgewiesen werden, dass die Ursache ihrer Erkrankung tatsächlich Feinstaub und Nanopartikel aus Lasertonern waren. Sie ist sich darüber im Klaren, dass sie zwar nie wieder vollends gesund wird, die Abwesenheit von Laserdruckern und Laserkopierern aber wesentlich zur Verbesserung ihres Zustands beigetragen hat. Doch nun muss Heike Krüger neue Symptome an sich feststellen, so etwa Herzrhythmusstörungen.

Indes endet ihre Arbeit und die ihrer Gleichgesinnten in der Stiftung „nano-Control“ allzu häufig an einer Wand, wie sie es formuliert. Als eines von vielen Beispielen nennt sie eine Pilotstudie, die 2013 in Freiburg statt. Sie war eine von acht Probanden, vier gesunde und vier kranke, die daran teilnahmen. „Es wurden 28 000 Gene überprüft“, erinnert sie sich. „200 davon können sich im immunologischen und entzündlichen Bereich an jeder Stelle im Körper auswirken.“ Das Niederschmetternde ist für Heike Krüger, dass das seit 2015 vorliegende Ergebnis der Freiburger Studie bislang nicht veröffentlicht wurde.

Mehrere Sendungen über „nano-Control“

Das Informationsdefizit bei Betroffenen versucht die Stiftung „nano-Control“ durch ihre Beratungsarbeit auszugleichen. Doch immer wieder gibt es Rückschläge – wie im Zusammenhang mit einer Petition, die Heike Krüger und ihre Mitstreiter an die damals amtierende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks übergeben wollten: „Wir waren zwar in Berlin und hatten sogar einen Termin mit Staatssekretär Jochen Flasbarth, aber bevor wir die Petition übergeben konnten, wurden wir aufs Übelste abgebügelt.“

Auch an Unglaublichem mangelt es in den Erfahrungsberichten Heike Krügers nicht. Als einmal Kinder mit „lasertypischen“ Symptomen erkrankten, stellte sich heraus, dass die Schulleiterin nicht wusste, wo es in ihrer Schule Laserdrucker gab. Nachforschungen ergaben dann, dass Lehrer ihre privaten Laserdrucker mit ins Klassenzimmer gebracht hatten. In den Mediatheken der ARD-Fernsehsender gibt es bereits mehrere Sendungen über die Arbeit von „nano-Control“ und die Schwierigkeiten mit Innenraumluft.

www.nano-control.org

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