Abstriche in Bücken

Betrugsvorwürfe gegen Testzentren: ASN-Chef erklärt, wie abgerechnet wird

ASN-Vorsitzender Frank Hupe bereitet die Abstriche vor. Während des Betriebs natürlich coronakonform mit Mund-Nasen-Schutz. Für das
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ASN-Vorsitzender Frank Hupe bereitet die Abstriche vor. Während des Betriebs natürlich coronakonform mit Mund-Nasen-Schutz. Für das

Bücken – Mehr Abstriche als durchgeführt sind abgerechnet worden, um die Taschen der Betreiber zu füllen. Auch dem ASN in Bücken kam schon der ein oder andere Spruch zu Ohren.

Bundesweit sind in den vergangenen Wochen Betrugsvorwürfe rund um Testzentren laut geworden. Mehr Abstriche als eigentlich durchgeführt seien abgerechnet worden, um die eigenen Taschen der Betreiber zu füllen. Auch dem Team des Ambulance Service Nord (ASN) um den Vereinsvorsitzenden Frank Hupe, welches in Bücken eine Test-Möglichkeit anbietet, kam schon so einige Sprüche zu Ohren.

„Na, heute schon betrogen?“, lautet beispielsweise einer davon. „Wir grinsen dann nur und kontern mit Sätzen wie ,Ja, klar. Der Ferrari ist schon bestellt‘“, berichtet Hupe. Er formuliert seine Antworten auf solche Anschuldigen bewusst ironisch, denn seiner Meinung nach sei ein solcher Betrug gerade in ländlichen Regionen wie der Grafschaft Hoya gar kein Thema. Anders hingegen könnte es jedoch in den Großstädten aussehen, vermutet der 40-Jährige.

„Mich wundern die Betrugsvorwürfe nicht. Schließlich ging es darum, schnell und viele Testangebote zu schaffen. Auch neu gegründete Firmen wurden dabei sofort mit ins Boot geholt. Jedem hätte klar sein müssen, dass das auch schwarze Schafe auf den Plan rufen wird“, meint der Vorsitzende. „Auf dem Dorf“ könne er sich solche Betrügereien jedoch nicht vorstellen, da seiner Vermutung nach dort die Dunkelziffer sehr hoch sei. Viele Menschen würden sich bei einem „harmlosen Schnupfen“ nicht gleich testen lassen und daher wäre es sehr auffällig, wenn ein Betreiber plötzlich eine extrem hohe Anzahl an durchgeführten Abstrichen angeben würde.

Seiner Auffassung nach hätte von Beginn an auf den Katastrophenschutz gesetzt werden müssen. „Also wenn wir bei der Pandemie nicht von einer Katastrophe sprechen, wann denn bitte dann?“, betont er. So hätte man beispielsweise Testzentren unter dem Dach der Feuerwehren und mit zusätzlichem medizinisch geschultem Personal aufbauen können. „Dann wäre es womöglich gar nicht erst zu solchen Vorwürfen gekommen“, vermutet Frank Hupe.

Raum für Betrügereien schaffe vor allem die nicht vorhandene Nachweispflicht, wann wie viele Tests durchgeführt worden sind. „Es galt zwar die ganze Zeit über eine Erfassungspflicht, jedoch musste niemand der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) Nachweise bringen“, weiß der Vereinsvorsitzende. Bis heute habe laut seinen Angaben die KVN auch noch keine diesbezüglichen Veränderungen mitgeteilt.

Florian Feilen, der Hauptverantwortliche im Testzentrum, dokumentiert, wann wer wie getestet wurde.

Der ASN habe von Anfang an alle Abstriche – einschließlich aller Daten der Testpersonen sowie Ergebnis, Datum und Uhrzeit – sowohl digital aus auch analog dokumentiert, um jederzeit Nachweise erbringen und Auskünfte erteilen zu können. „Ich wünsche mir, dass jeder, der auf diese Weise betrügt, genannt und auch bestraft wird“, hebt Frank Hupe hervor. Allein, dass einige Betreiber groß Werbung für ihre Testzentren machen, um daraus Profit zu schlagen, halte er für absurd.

Aber wie finanzieren sich die Testzentren überhaupt? „Alle unserer zwölf eingewiesenen Helfer arbeiten ehrenamtlich, wofür uns Sven Thöle die Tennishalle seines Hotels in Bücken kostenlos zur Verfügung stellte“, erklärt der 40-Jährige. Die Tests würden in Vorkasse gekauft werden. „Dabei greift uns die Kreissparkasse Syke finanziell unter die Arme. Selber wären wir dazu aktuell nicht in der Lage, da uns die Folgen der Pandemie schwer getroffen haben.“

Die Infektionslage ließ es nicht zu, Erste-Hilfe-Kurse anzubieten, womit auch die Haupteinnahmequelle des Vereins weggebrochen sei. „2020 verbuchten wir einen Rückgang von knapp 80 Prozent an Spenden und den Einnahmen aus den Kursen“, rechnet Frank Hupe vor. Auch zwei der Sternfahrten-Autos mussten aus diesem Grund verkauft werden.

Das Testzentrum in Bücken richtete der ASN in der Tennishalle des Thöle Hotels ein.

Im Einkauf würde nach seinen Angaben einer der besseren Tests, welche in Bücken zum Einsatz kommen, knapp 4,70 Euro kosten. Diese würden im Anschluss mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet werden. Pro durchgeführten Abstrich erhalte die ausführende Einrichtung zwölf Euro, wovon unter anderem noch Handschuhe, Visiere, Kittel, Papier und Desinfektionsmittel bezahlt werden müssten. „Wir versuchen, mit dem Betreiben des Testzentrums eine Schadensregulierung zu erreichen“, betont der ASN-Vorsitzende.

Zu Beginn verzeichnete der Verein noch um die 40 bis 50 Tests pro Tag. „Die Resonanz war super. Viele Leute kamen auch einfach her, um sich zu bedanken, und Unternehmer schrieben uns, wie froh sie über das regionale Angebot sind“, erinnert sich der 40-Jährige. Als noch eine Testpflicht für die Außengastronomie galt, seien vermehrt ältere Menschen für einen Abstrich gekommen. Zudem rief die Öffnung des Heide Parks in Soltau einen großen Schwung an Jüngeren im Bücker Testzentrum auf den Plan.

Jetzt, wo keine Testpflicht mehr bestehe, sei hingegen ein deutlicher Rückgang zu beobachten. „Aktuell sind es pro Tag nur noch 15 bis 25 Tests“, berichtet Frank Hupe. Die Lockerung führe zudem dazu, dass der Markt einbreche. Tests seien aktuell für knapp 1,30 Euro zu erwerben. „Ich glaube, dass die Betrugsvorwürfe nur die Spitze des Eisberges waren. Da kommt sicherlich noch einiges auf uns zu, wie beispielsweise das künstliche Hochhalten der Preise für Testkits durch die Lieferanten“, vermutet der ASN-Vorsitzende.

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