Nachfrage geht zurück

Eystruper Teststellen reduzieren Angebot

Sich gegenseitig unterstützen: Mandy Lohmann-Wert vom Hotel und Restaurant Parrmann (links) und Carolin Buberl, Inhaberin der Linden-Apotheke, entschieden sich aufgrund der großen Nachfrage nach Testungen für eine Kooperation. Nun wollen beide Teststellen in Eystrup ihr Angebot jedoch herunterfahren.
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Sich gegenseitig unterstützen: Mandy Lohmann-Wert vom Hotel und Restaurant Parrmann (links) und Carolin Buberl, Inhaberin der Linden-Apotheke, entschieden sich aufgrund der großen Nachfrage nach Testungen für eine Kooperation. Nun wollen beide Teststellen in Eystrup ihr Angebot jedoch herunterfahren.

Eystrup – Der Andrang auf die Teststellen in Eystrup war groß, doch jetzt gehen die Zahlen zurück. Das zwingt die Linden-Apotheke und das Hotel Parrmann zu einer Entscheidung.

Sie war eine der ersten in der Region, die Bürgern die Möglichkeit bot, sich testen zu lassen. Schon im Februar engagierte sich Carolin Buberl, Inhaberin der Linden-Apotheke in Eystrup, und machte in den Gemeinden Eystrup, Bücken und Hassel Abstriche des Personals in den Kindergärten. Im März ging es dann los mit den Bürgertests. Um die große Nachfrage überhaupt bewältigen zu können, stellte die Apothekerin noch vier weitere geschulte Mitarbeiter an.

Nun, wo die Testpflicht jedoch weitestgehend abgeschafft ist, will Carolin Buberl – wie auch viele andere Apotheker – ihr Test-Angebot ab dem 30. Juni wieder herunterfahren. Das hat nach ihren Angaben auch wirtschaftliche Gründe.

„Die Gemeinde hat anfangs bei uns angefragt, ob wir die Testungen des Kita-Personals übernehmen können, von daher waren wir eh schon in diesem Trott drin und wollten mit einem Angebot helfen“, erinnert sich Carolin Buberl an die Anfänge. Auch sie habe sich – wie viele andere Apotheker – zu Beginn Gedanken darüber gemacht, ob sie ein Test-Angebot in ihren Räumlichkeiten überhaupt leisten könne, da sich Kunden der Apotheke und Testwillige nicht begegnen durften. „Es gibt jedoch immer einen Weg“, war Carolin Buberl schon damals überzeugt. So kam es, dass ihre Mitarbeiter aus dem Beratungsraum heraus durch ein Fenster in den Hinterhof die Abstriche entnahmen. „Das ist der Vorteil einer Vor-Ort-Apotheke. Auf diese Weise konnten wir Bürgern eine Schnelltest-Möglichkeit bieten.“

Doch mit der Zeit sei der Andrang so groß geworden, dass es ausschließlich mit dem eigenen Personal nicht mehr zu schaffen war, weswegen die Besitzerin vier zusätzliche Mitarbeiter einstellte. 89 Testungen an einem Tag war einer der Höchstwerte, die die Apothekerin in den vergangenen Monaten verzeichnete. „Die Nachfrage war immens, sodass wir einige Bürger sogar zu anderen Testzentren schicken mussten, und es gab neben uns und der Praxis Dr. Binnewies und Ernst noch kein weiteres Angebot“, sagt sie.

Da mittlerweile dann auch die Gastronomie im Außenbetrieb öffnen sollte, entschieden sich Mandy Lohmann-Werth vom Hotel und Restaurant Parrmann in Eystrup, die examinierte Krankenschwester ist und für die Tests geschult wurde, und Carolin Buberl diesbezüglich für eine Kooperation. „Wir wollten uns gegenseitig unterstützen. Da wir in der Apotheke Abstriche nur während der Öffnungszeiten anbieten können, da am Wochenende neben den geschulten Mitarbeitern auch immer eine Fachkraft vor Ort sein müsste, bot Mandy Lohmann-Wert an, die Wochenenden sowie Feiertage abzudecken.“

So startete das Gasthaus Parrmann also am 14. Mai mit einem weiteren Test-Angebot – ebenfalls aus einem Fenster heraus – in der Region durch.

Doch nun, wo es keinen Testnachweis für einen Besuch im Restaurant, im Einzelhandel sowie in Schwimmbädern und Kinos mehr gibt, wie steht es jetzt um die Nachfrage? „Die ist enorm zurückgegangen. Gerade diesen Monat sind die Zahlen extrem gesunken“, konnte Carolin Buberl beobachten. Aktuell seien es gerade mal noch um die zehn bis 15 Abstriche pro Tag, beim Hotel und Restaurant Parrmann würden sich die Tests auf ein bis fünf in der Woche beschränken. „Trotzdem lassen sich zwar noch einige einfach so testen, bis sie vollständig geimpft sind, doch das reicht nicht“, erklärt die Apothekerin. Denn Gesundheitsminister Jens Spahn rudere mit der Vergütung zurück.

Statt die Testkits wie zuvor eins zu eins zu erstatten, möchte er eine Pauschale von drei Euro pro Exemplar einführen, weiß die Apothekerin. Darüber hinaus solle die Vergütung pro durchgeführten Abstrich von zwölf auf acht Euro reduziert werden, wovon im Übrigen auch das Personal, die Hygienemittel sowie die Schutzausrüstung bezahlt werden müsse. Diese Regelungen treten nach Angaben der Apothekerin ab dem 1. Juli in Kraft., „Wenn der Andrang immer noch so groß wäre, wäre das kein Problem. Doch durch den Nachfragerückgang würde ich stattdessen Miese machen, und das ist dann einfach nicht mehr wirtschaftlich“, erklärt sie die Gründe für ihre Entscheidung, das Angebot runterzufahren.

Ab dem 30. Juni werde daher das Terminvergabe-Tool der Linden-Apotheke beendet. „Das bedeutet jedoch keinen kompletten Stopp“, hebt die Inhaberin hervor. Wer beispielsweise einen Test benötige, um in den Urlaub zu fahren, könne das Angebot auch weiterhin mit telefonischer Voranmeldung in der Linden-Apotheke wahrnehmen. Dann führe allerdings nur noch das Apothekenpersonal die Abstriche durch. Ähnlich sieht es auch beim Hotel und Restaurant Parrmann aus, welches die Test-Möglichkeit ebenfalls weiterhin für Personen, die verreisen möchten, sowie für Familienfeiern anbietet. Auch dort ist eine telefonische Anmeldung erforderlich. „Wir sind flexibel“, meint Mandy Lohmann-Werth.

Falls die Infektionszahlen aber wieder steigen würden, könne sowohl die Linden-Apotheke wie auch das Hotel und Restaurant Parrmann jederzeit wieder das Test-Angebot aufstocken.

Kontakt

Wer sich auf das Coronavirus testen lassen möchte, sollte sich telefonisch ankündigen:

.  Hotel und Restaurant Parrmann (Bahnhofstraße 84): 04254/922220

.  Linden-Apotheke (Bahnhofstraße 32): 04254/8360

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