Schlechte Stimmung bei gut besuchtem Infoabend

Tennet-Planung für Umspannwerk in der Marsch verärgert Magelser

Magelsen - Von Marion Thiermann. In Magelsen herrscht „dicke Luft“. Grund ist der geplante Bau eines Umspannwerks südlich des Orts in Richtung Wienbergen. Für die Einwohner ist dieser Plan nicht nachvollziehbar, weil es wenige Kilometer entfernt in Wechold bereits ein Umspannwerk gibt. Sie fragen sich: Warum kann dieses nicht ausgebaut werden?

Um sich näher zu informieren, hatten die beiden Magelser Edeltraud Lüneberg und Torsten Zech am Donnerstag einen Infoabend in der Alten Schule organisiert. Dazu eingeladen waren Renate Gaus und Thomas Sälzer von der Firma Tennet. Sie plant den Bau des Umspannwerks im Zuge des Neubaus der Stromleitung von Stade nach Landesbergen.

Edeltraud Lüneberg begrüßte zahlreiche Gäste. „Das große Interesse zeigt, dass wir nicht nur alle betroffen, sondern auch viele interessiert sind“, sagte sie in ihrer Begrüßung. Thomas Sälzer hielt danach einen Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde.

Renate Gaus betonte, dass es für konkrete Infos eigentlich noch zu früh sei, weil die Planungsgrundlagen momentan noch erarbeitet werden. Genauere Infos könne man erst im Januar geben. Thomas Sälzer sagte, Tennet habe die Einladung dennoch angenommen, um Gerüchte zu vermeiden. Im Rahmen des Trassenneubaus sei auch ein neues Umspannwerk nötig. Das in Wechold, es gehört je zur Hälfte Tennet und der Avacon, bleibe bestehen und werde an die Trasse angebunden.

Flächenverbrauch: zehn Hektar

Derzeit sucht Tennet einen Standort für ein weiteres Umspannwerk in der Region. In Magelsen gebe es laut der Firma kaum „Raumwiderstände“ wie etwa Landschaftsschutzgebiete. Zwei von insgesamt vier möglichen Standorten in der Region seien bereits ausgeschlossen worden.

Im Februar will Tennet den dann geplanten Trassenverlauf förmlich beantragen. Die Fertigstellung samt Umspannwerk ist für 2023/2024 geplant. Auf den zweiten, neben Magelsen übriggebliebenen möglichen Standort, wurde am Infoabend nicht näher eingegangen. Tennet zeigte nur ein unübersichtliches Luftbild.

Zur Empörung der Magelser hält Tennet am Standort Magelsen fest. Die Einwohner waren sich einig, dass sich der Vortrag nicht nach einer Planung anhörte, sondern für Tennet längst feststehe, dass das Umspannwerk in Magelsen gebaut wird.

Noch erboster waren sie, als sie hörten, welche Fläche das Werk einnehmen würde: zehn Hektar. Das ist auch bedingt durch die nötigen Abstände der elektrischen Leitungen. Zum Vergleich: das Umspannwerk in Wechold hat eine Fläche von 3,5 Hektar.

Tenor bei den Zuhörern: Wir werden mit Elektrosmog zugeballert. Zusätzlich zu den Bestehenden noch eine neue Leitung, plus Umspannwerk, plus die Verbindungsleitung nach Wechold. Tennet sei Wirtschaftlichkeit wichtiger als die Wohn- und Lebensqualität der Anwohner, und der vorgetragene Plan sei der günstigste Weg für die Stromkunden, aber nicht für die Magelser.

Stellungnahme? Firma gibt sich ahnungslos

Auf die Frage, warum keine Erdverkabelung möglich sei, antwortete Thomas Sälzer, man müsse sich an gesetzliche Vorschriften halten, Voraussetzungen für eine Erdverkabelung bestehen nicht.

Stattdessen sind neue Masten notwendig, diese werden die gleiche Ausbreitung haben wie die alten, allerdings fünf Meter höher sein und parallel zu den bestehenden aufgestellt – mit einem Sicherheitsabstand von 50 Metern. Die alten Masten seien statisch nicht für die neuen, dickeren Seile ausgelegt.

„Das alles macht es doch noch interessanter für noch mehr Windkraftanlagen, so viel zum Thema ,lebenswerte Mitte Niedersachsens‘“, schimpfte ein Zuhörer.

Heike Beermann, die bis Oktober im Samtgemeinde- und Gemeinderat saß, wies auf eine Stellungnahme beider Gremien für den Ausbau des Umspannwerks in Wechold und gegen den Bau eines neuen hin. Außerdem wies sie darauf hin, dass der Weserradweg in dem betroffenen Gebiet verläuft. Diesbezüglich gab sich Tennet unwissend. Peter Bruns, der wie Wilfried Imgarten von der Samtgemeindeverwaltung anwesend war, sagte daraufhin: „Über den Beschluss der Gemeinde sowie über den Weserradweg weiß Tennet Bescheid.“

Im Anschluss gab es eine Einwohnerstunde ohne Tennet, in der sich alle Interessierten mit ihrer E-Mail-Adresse in eine Liste eintrugen, um sich besser austauschen zu können. Rechtanwalt Detlef Harries-Lehmann (Verden), ein gebürtiger Magelser, riet, frühzeitig Einspruch gegen die Pläne einzureichen. Wichtig sei, dass er von möglichst vielen unterschrieben wird. Thomas Sälzer versprach, Torsten Zech die Präsentationsfolien sowie den aktuellen Planungsstand zukommen zu lassen.

Tennet will die Bürger am 25. Januar von 15 bis 20 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Wietzen-Holte über alle Planungen informieren. Wilfried Imgarten sagte, man werde versuchen, eine zusätzliche Infoveranstaltung in der Samtgemeinde Hoya zu organisieren.

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Rubriklistenbild: © dpa

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