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Weihnachtsbäume: Ein Landwirt spricht über die Geschichte, den Verkauf und die Aufzucht

Der Weihnachtsbaumverkauf ist auf dem Hof in Hoyerhagen Tradition: Carsten-Dirk Engelke betreibt diesen bereits seit 30 Jahren. Sein Vater fing vor knapp 60 Jahren damit an.
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Der Weihnachtsbaumverkauf ist auf dem Hof in Hoyerhagen Tradition: Carsten-Dirk Engelke betreibt diesen bereits seit 30 Jahren. Sein Vater fing vor knapp 60 Jahren damit an.

Hoyerhagen – Für viele gehört der Tannenbaum genauso zu Weihnachten wie Kartoffelsalat und Würstchen. Landwirt Carsten-Dirk Engelke aus Hoyerhagen erzählt jetzt etwas über den Verkauf, die Geschichte und Aufzucht.

Für viele gehört der Tannenbaum genauso zu Weihnachten wie Kartoffelsalat und Würstchen oder der Gang in die Kirche. Es gibt zahlreiche Traditionen zum Fest, doch der Baum ist wohl eine der etabliertesten auf der Welt und in der Region. „Angeblich soll das eine deutsche Erfindung aus dem 19. Jahrhundert sein, bei der der Baum symbolisch für das Leben steht, beziehungsweise ein Zeichen für die Beständigkeit ist, denn Weihnachten fällt in die Zeit der Wintersonnenwende, in der sich die Nordhalbkugel wieder stärker der Sonne zuwendet“, erzählt Landwirt Carsten-Dirk Engelke, der auf seinem Hof in Hoyerhagen Weihnachtsbäume in den verschiedensten Größen und Sorten und sogar mit Bio-Zertifizierung anbaut und verkauft.

Letzterer Aspekt ist nach seinen Angaben in dieser Gegend sehr selten, womit er womöglich der einzige Anbieter in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya sei. Mit allerhand Kugeln und Lichtern geschmückt, verbringt der Baum meist nur wenige Tage in der Wohnstube. Wie viel Arbeit jedoch dahinter steckt, welche Sorten derzeit favorisiert werden und wie das Ganze mit der Aufzucht funktioniert, erzählt der Landwirt jetzt im Interview mit der Kreiszeitung.

Der Weihnachtsbaumverkauf auf dem Hof in Hoyerhagen hat bereits Tradition. Vor 60 Jahren hatte Engelkes Vater damit begonnen, seit 30 Jahren führt Carsten-Dirk Engelke das Geschäft nun schon weiter. Rund 200 Exemplare verkauft er zur Saison. „Die stelle ich aber nicht alle gleichzeitig aus, dann können sich die Kunden noch schwieriger entscheiden“, verrät der 57-Jährige. Stattdessen schlage er sie Stück für Stück und fülle dann dementsprechend wieder auf.

Heutzutage kann man an fast jeder Straßenecke einen Weihnachtsbaum kaufen, doch das sei früher nicht so gewesen, meint der Landwirt. „Das hat sich erst ab den 50er, 60er-Jahren etabliert. Zuvor wurden die Bäume nicht extra für das Fest angebaut. Damals hat man aus dem Wald Exemplare ,ausgelichtet‘.“

Mittlerweile gebe es Anbieter, die Flächen von rund 30 Hektar zu diesem Zweck bewirtschaften. Engelke hingegen bepflanze nur rund einen Hektar jährlich, darunter Rot- und Blaufichten sowie Douglasien und natürlich die Nordmanntanne. „Die ist bereits seit knapp 20 bis 30 Jahren der Renner bei den Kunden, aber sie duften nicht nach Tanne. Man sagt, dass die am wenigsten nadeln würden. Ich selbst verwende jedes Jahr eine Douglasie und habe damit auch gute Erfahrungen gemacht.“

Früher, nach dem Krieg, seien Douglasien am beliebtesten gewesen. Farblich setzen sie auf ein helleres Grün, fühlen sich eher weich an und riechen. Fichten würden ebenfalls zu den klassischen Weihnachtsbäumen gehören. „Sie haben ein anderes Nadelbild als beispielsweise die Nordmanntannen, piksen aber auch ein bisschen und duften“, erklärt Carsten-Dirk Engelke.

Gekauft werden die Bäume für den Hof mit circa drei Jahren aus einem Biopflanzgut und werden anschließend meistens im Herbst, um die Winterfeuchte zu nutzen, gepflanzt. „Wichtig dabei ist, sie außerhalb der Zeit, in der sie neue Triebe bilden, in den Boden zu setzen“, so der Landwirt. Dazwischen kommen bei ihm noch Laubhölzer und andere Pflanzenarten. „Das verbessert die biologische Qualität und es entsteht ein attraktiver Lebensraum für Singvögel zum Nisten, aber auch für Hasen und Kaninchen.“

Knapp 400 bis 500 Weihnachtsbäume pflanzt Engelke jedes Jahr, doch nur rund die Hälfte sei davon verwertbar. „Bei einem ökologischen Anbau ist es erheblich aufwendiger, die Bäume auch durchzukriegen.“ Denn beim Anbau verzichte er komplett auf Pestizide. Stattdessen werde das Unkraut durch Hacken und Mähen beseitigt. „Manche behandeln ihre Bäume intensiv, so kann es Rückstandsprobleme geben.“ Vor circa 40 Jahren sei dies jedoch noch viel exzessiver gehandhabt worden als heutzutage.

Aufgrund der aufwendigen Arbeit seien seine Bäume „einen Tick teurer als die von professionellen Anbietern“. Viel Umsatz springe dabei am Ende jedoch trotzdem nicht raus. „Das ist ja aber auch nicht mein Hauptstandbein. Es ist zwar schon ein kleiner Zusatzverdienst, aber ich möchte die Tradition einfach weiterführen.“

Möchte ein Weihnachtsbaum werden: Diese Tanne ist erst knapp vier Jahre alt.

Besonders für die Nordmanntannen müsse man tiefer in die Tasche greifen. „Das liegt aber auch daran, dass sie lange zum Wachsen brauchen und sehr empfindlich sind“, erklärt Carsten-Dirk Engelke. In jungen Jahren seien sie nämlich sehr entwicklungsträge und brauchen circa sechs bis sieben Jahre, bis sie so richtig in Schwung käme. Die meisten Kunden würden sich einen körpergroßen Baum wünschen. „Bis die Nordmanntanne ihre zwei Meter erreicht, können aber auch zehn Jahre vergehen“, verrät der 57-Jährige. Fichten seien diesbezüglich etwas schneller und Douglasien würden nur fünf bis sechs Jahre benötigen, bis sie diese Größe erreicht hätten.

Hat man sich erst einmal für einen Baum entschieden und ihn in der Wohnstube aufgestellt, will man ihn allerdings auch so lang wie möglich am Leben erhalten und verhindern, dass der grüne Riese seine Nadeln verliert. Im Internet kursieren die wildesten Tipps, wie der Weihnachtsbaum am längsten frisch gehalten werden kann: Glyzerin, Blumenfrisch, Zucker oder Frostschutzmittel im Wasser sollen wahre Wunder wirken. Davon hält Carsten-Dirk Engelke als Bio-Landwirt jedoch nichts. „Wasser allein kann dem Baum schon helfen, allerdings ziehen die Wurzeln nicht besonders viel. Die Luftfeuchtigkeit im Raum spielt eher eine Rolle. Am besten überlebt der Weihnachtsbaum an der frischen Luft.“

Wenn das Fest vorbei ist, wird der Baum wieder aus den Wohnzimmern verbannt. Im Landkreis Nienburg ist die Betrieb Abfallwirtschaft für das Einsammeln im Januar zuständig. Es gibt aber auch die Möglichkeit, seinen Weihnachtsbaum anschließend einzupflanzen. Manche Anbieter würden ihre Exemplare daher im Topf verkaufen, weiß der 57-Jährige. Auf seinem Hof ist das aber nicht der Regelfall. „Um ihn später wieder einsetzen zu können, muss der gesamte Wuzelballen mitausgegraben werden. Das wäre sehr aufwendig“, sagt er.

Die einen schmeißen ihren Weihnachtsbaum raus, die anderen kommen im Januar erst, um sich einen zu kaufen. Das habe der Landwirt auch schon erlebt. „Die russische Bevölkerung feiert nämlich nicht am 24. Dezember, sondern am 6. Januar“, weiß Carsten-Dirk Engelke. Einige Anhänger der russisch-orthodoxen und serbisch-orthodoxen Kirche würden nämlich an dem alten julianischen Kalender festhalten. Sie feiern die Geburt Christi dementsprechend dreizehn Tage später.

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