Bürgerinitiative fordert gradlinigen Leitungs-Neubau und sieht Vorteile für Bauern

Strom soll unter die Erde

Jörg Herb, Günter Brünjes und Hans Kaufmann (von links) präsentieren den von der Bürgerinitiative vorgeschlagenen, gradlinigen Trassenverlauf. Zwischen Magelsen und Landesbergen soll er sich eng an der Weser orientieren. Technisch sei die Kreuzung des Flusses kein Problem, sagt die Bürgerinitiative. Um zu dokumentieren, dass Siedlungen bei dem Verlauf kaum betroffen sind, hat sie den Weg mit Fotodrohnen abfliegen lassen. - Foto: Michael Wendt

Samtgemeinde - Hier noch ein Schlenker, da noch eine Umleitung: Kreuz und quer verläuft die aktuelle, 1959 gebaute Überland-Stromleitung von Stade nach Landesbergen durch die Samtgemeinde. Trotz aller Schlenker überspannt sie vereinzelt Wohnhäuser oder führt, weniger vereinzelt, nahe daran vorbei. Geht es nach einem Vorschlag der „Bürgerinitiative gegen den Trassenwahnsinn“, könnte damit bald Schluss sein: Im Zuge des geplanten Neubaus der Leitung hat sie einen komplett anderen Trassenverlauf erarbeitet, der zwischen Langwedel und Landesbergen rund 40 Prozent kürzer wäre als der aktuelle. Dabei setzt die Initiative auf Erdverkabelung in der Wesermarsch. Das sei trotz aller Bedenken auch für Landwirte die bessere Lösung.

Günter Brünjes, Hobbylandwirt und Mitglied der Bürgerinitiative, kennt die berechtigten Vorbehalte vieler Bauern. Denn bei der Erdverkabelung würde das Erdreich umgegraben. „Im ersten Jahr rechnet man deshalb mit Ertragseinbußen von 50 Prozent, im zweiten mit 30 Prozent im dritten mit 20 Prozent“, sagt Brünjes. „Aber danach ist es weniger, und auch das Problem von Versackungen tritt nur ein-, oder zweimal auf.“ Die Masten von Freilandleitungen hingegen müssen Jahr für Jahr umkurvt werden. Und wegen der zunehmenden Größe der Ackergeräte könnte das Land direkt an den Masten oft gar nicht mehr bewirtschaftet werden.

Brünjes spricht noch einen weiteren, kaum beachteten Punkt an: „Unter einer Freileitung hat man deutliche Ertragseinbußen.“ Optisch sei der Unterschied oft kaum auszumachen. „Die Ertragskartierung aber sagt aus, dass es fortlaufend Ertragseinbußen von 30 Prozent gibt“, erzählt Brünjes, der selbst schon bei der Ernte mitgefahren ist, um diesen Effekt zu beobachten.

Dass der Boden unter Freilandleitungen schlechter wird, zeige sich auch bei der aktuellen Flurbereinigung in Warpe, bei der die Bodenqualität beurteilt wurde. „Unter den Leitungen wurden die Bodenpunkte massiv gesenkt, von 42 auf 29 Punkte“, sagt Günter Brünjes.

„Das ist ja auch ganz logisch“, fügt Jörg Herb von der Bürgerinitiative hinzu, „die Strahlung, die von den Leitungen ausgeht und uns Menschen schädigt, schädigt auch die Pflanzen.“

Der für den Neubau der Stromleitung von Stade nach Landesbergen zuständige Netzbetreiber Tennet wurde jüngst zitiert, die Erde erwärme sich rund um ein Erdkabel um bis zu 70 Grad. Das ist völlig falsch, sagt Brünjes und verweist auf Studien, die von höchstens einigen Grad Erwärmung ausgehen.

Die Bürgerinitiative wirft Tennet vor, Kosten und Auswirkungen einer Erdverkabelung zu dramatisieren. Brünjes: „Wir waren mal bei dem 20-Fachen, was eine Erdverkabelung laut Tennet gegenüber einer Freileitung kosten sollte. Dann waren wir auch schon einmal beim 1,5-Fachen.“ Bei der Antragskonferenz zum Trassenneubau soll Tennet Anfang März gesagt haben, ein Kilometer Freileitung kostet zwei Millionen Euro, ein Kilometer Erdkabel zwölf Millionen Euro. Kostenschätzungen gibt es letztendlich viele. Eine Firma, die Erdkabel verlegt, spricht von bis zu doppelt so hohen Kosten im Vergleich zu einer Freileitung.

Ihren Entwurf eines Trassenverlaufs hat die Bürgerinitiative an alle beteiligten Stellen geschickt, unter anderem an Tennet und das letztendlich entscheidende Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Lüneburg.

Die Bürgerinitiative geht vom Bau eines neuen Umspannwerks am Weserbogen in Magelsen aus. Das alte zwischen Hilgermissen und Wührden sei für einen gradlinigen Verlauf der Leitung ungeeignet.

Dr. Stefano Panebianco vom ArL fand den vorgeschlagenen Trassenverlauf gut, sagt Günter Brünjes, er habe aber zu bedenken gegeben, dass er an einzelnen Stellen zu weit (weiter als 500 Meter) von der aktuellen Trasse abweicht.

Bei der jüngsten Antragskonferenz hat es laut Brünjes geheißen, der Landkreis Nienburg sei prädestiniert für eine Erdverkabelung, weil es nirgendwo anders so viele Streusiedlungen gebe. Aber es habe auch geheißen: Es sei wohl klar, dass nicht die ganze Strecke erdverkabelt wird. Wo die Kabel ins Erdreich geführt werden, muss eine Übergabestation gebaut werden, die eine Fläche von rund 40 mal 50 Metern beansprucht.

Im April oder Mai will Tennet seine Ideen für den zukünftigen Trassenverlauf der Öffentlichkeit vorstellen.

Die Bürgerinitiative ist zu erreichen unter der E-Mail-Adresse gegendentrassenwahnsinn@ gmx.de.

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