Wissenschaftlicher Pionier aus Hoya

Straßenzüge der Stadt Hoya: Die Johann-Beckmann-Straße

Die Johann-Beckmann-Straße: Sie ist geprägt durch eine Bebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern.
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Die Johann-Beckmann-Straße: Sie ist geprägt durch eine Bebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern.

Hoya – Der zwölfte Teil der Serie über Hoyaer Straßenzüge ist der Johann-Beckmann-Straße gewidmet, die sich gemeinsam mit der benachbarten Mohrhoffstraße und der Vossbergstraße im nordwestlichen Teil der Stadt befindet, dem ab 1970 entstandenen Bebauungsgebiet Hoya-Nord. Die zum Teil verkehrsberuhigte Straße begrenzt den Ort nach Nordwesten auf einer Länge von etwa 800 Metern, nördlich und westlich davon setzen bereits landwirtschaftlich genutzte Flächen ein. Allen drei Straßen ist gemein, mit von Gärten oder Grünflächen umgebenen Ein- oder Mehrfamilienhäusern bebaut zu sein.

Es hat lange gedauert, bis die Stadtväter des vielleicht bedeutendsten Sohnes der Stadt gedacht haben, dann allerdings auch gleich zweimal: Die Rede ist von dem 1739 in Hoya im Haus an der Lange Straße Nummer 5 geborenen späteren Universalgelehrten Johann Beckmann, nach dem zunächst die neu angelegte Straße und im Jahr 2000 dann auch das neu gegründete örtliche Gymnasium benannt wurden. Wie Helga Lühmann-Frester, die sich schon seit vielen Jahren intensiv mit dem Wissenschaftler beschäftigt, berichtet, gehen diese Namensgebungen auf einen Vorschlag des 2013 verstorbenen Hoyaers Berthold von Behr zurück.

Da über Johann Beckmann in der Vergangenheit bereits aus unterschiedlichsten Anlässen ausführlich berichtet wurde, wird seine Vita im Folgenden nur noch einmal kurz zusammengefasst, im Übrigen aber auf die erst kürzlich in der Kreiszeitung erschienene umfassende Darstellung von Helga Lühmann-Frester verwiesen.

Am 4. Juni 1739 als Sohn des Steuereinziehers und Postverwalters Nikolaus Beckmann sowie dessen Frau Dorothea Magdalena geborene Schüler zur Welt gekommenen, besuchte Johann Beckmann bis 1754 die örtliche Lateinschule und anschließend bis 1759 das Gymnasium in Stade. Einem dreijährigen Studium an der aufstrebenden, erst 1737 gegründeten Georgia-Augusta-Universität in Göttingen, das zunächst Theologie, danach aber auch Physik, alte und neue Sprachen, Mathematik sowie Geschichts- und Staatenkunde umfasste, schlossen sich verschiedene Studienreisen und Aufenthalte an. Zunächst als Lehrer in St. Petersburg und dann als Schüler des berühmten Naturforschers Carl von Linné im schwedischen Uppsala. 1766 folgte Beckmann einem Ruf seiner früheren Universität nach Göttingen, wo er vorerst als außerordentlicher Professor für Philosophie, ab 1770 dann jedoch als ordentlicher Professor für Ökonomie tätig war.

Bis zu seinem Lebensende blieb er in Göttingen, wo er als erster für die Handwerkswissenschaft den Begriff „Technologie“ einführte und prägte, sich zudem aber auch ein herausragendes Renommee als Förderer der Warenkunde und der Landwirtschaftslehre erwarb. Als er dort am 3. Februar 1811 starb, fand sich in einem Nachruf auch folgender Satz: „Die Mannigfaltigkeit seiner Kenntnisse, der überall auf Brauchbarkeit und practischen Nutzen gerichtete Vortrag, zeichnete ihn unter Gelehrten und Lehrern seines Faches aus.“

Johann Beckmann, dessen Lebensleistung 1989 in der ehemaligen DDR mit der Herausgabe einer Briefmarke gewürdigt wurde, beherrschte neben seiner Muttersprache noch Französisch, Englisch, Italienisch und Schwedisch. Seine als perfekt geltenden Kenntnisse in Latein und Alt-Griechisch befähigten ihn zudem, einschlägige Literatur im Original zu lesen, kritisch zu vergleichen und zu übersetzen. Dass er ganz nebenbei auch des Plattdeutschen mächtig gewesen sein soll, überrascht vor diesem Hintergrund schon nicht mehr.

Der Professor, der 1784 mit der Ernennung zum Hofrat auch eine deutliche gesellschaftliche Aufwertung erfuhr, ist seinerseits schon seit vielen Jahren Gegenstand allgemeinen Interesses. So hat die 1987 in der Grafenstadt gegründete Johann-Beckmann-Gesellschaft sich zum Ziel gesetzt, das wissenschaftliche und kulturelle Erbe Beckmanns zu erschließen und zu pflegen, dessen Leben und Werk zu erforschen, aber auch den literarischen Nachlass zusammenzutragen und zu editieren. Darüber hinaus möchte sie Verständnis für die von diesem vertretene ganzheitliche Betrachtung von gesellschaftlichen, ökonomischen und ethischen Fragestellungen vermitteln. An seinem Geburtshaus an der Lange Straße ließ sie zudem eine Gedenktafel anbringen.

Abschließend ein Hinweis, der die dem Universalgelehrten in wissenschaftlichen Kreisen beigemessene Wertschätzung unterstreicht: Eine Forschergruppe des japanischen Patentamtes hat zwischen 1980 und 1982 dessen fünfbändiges Werk „Beyträge zur Geschichte der Erfindungen“ aus einer englischsprachigen Ausgabe ins Japanische übersetzt.

Von Uwe Campe

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