Eine Gästeführung durch Eystrup / Bahn war Wegbereiter des Aufschwungs

Auf den Spuren von Senf und Marmelade

Auf dem Eystruper Bahnhofsvorplatz begrüßt Ursula Schweneker (Vierte von links) die Teilnehmer ihrer ersten diesjährigen Gästeführung per Fahrrad. Im Hintergrund der „Kaffkieker“ und das Industriedenkmal Senffabrik Leman. - Foto: Horst Friedrichs

Eystrup - Von Horst Friedrichs. Senf und Marmelade. Auf dem Frühstückstisch eher selten gemeinsam, pflegen sie in Eystrup eine gute Nachbarschaft. Die Senffabrik Leman und die Marmeladenfabrik Göbber kennzeichnen die Gemeinde als augenfällige Bestandteile industrieller Beständigkeit. Deshalb stehen sie auch bei Besichtigungsprogrammen im Vordergrund. Wir haben eine Rundtour mit Gästeführerin Ursula Schweneker unternommen, die zu noch mehr führte als Senf und Marmelade.

Los geht es mit weiteren Gästen auf dem Bahnhofsvorplatz. Der ist mit Bedacht als Ausgangspunkt gewählt. Denn die Eisenbahn ist für die Gemeinde Wegbereiter des wirtschaftlichen Aufschwungs seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Während sich vor dem Bahnhof die Teilnehmer der Gästeführung mit ihren Fahrrädern versammeln, strebt gleich nebenan eine Besucherschar zu Fuß dem Industriedenkmal Leman entgegen. Am VGH-Bahnsteig rollt zeitgleich der historische Triebwagen „Kaffkieker“ aus und entlässt seine Passagiere. Aus Syke, Bruchhausen-Vilsen und Hoya kommend machen sie sich auf den Weg, Eystrup und Umgebung auf eigene Faust zu erkunden. Wie sehr die reizvolle Landschaft Eisenbahnfahrgäste schon vor fast zwei Jahrhunderten beeindruckte, schildert Gästeführerin Ursula Schweneker auf bildhaft-spannende Weise.

Die Villa Strube gehört zu den während der Führung angesteuerten Besuchspunkten. - Foto: Horst Friedrichs

Für das rein landwirtschaftlich geprägte Bauerndorf habe 1847 der Fortschritt begonnen, berichtet sie. Damals wurde die Eisenbahnstrecke Bremen – Hannover in Betrieb genommen. Sie führte zunächst noch in zwei Kilometern Entfernung an Eystrup vorbei. „In jener Zeit gab es hier nur ein kleines Haltestellenhäuschen“, erzählt die Gästeführerin und ergänzt schmunzelnd: „Wie heute. Allerdings haben wir jetzt einen Fahrkarten-Automaten.“ Immerhin schon 1855 ist dann das imposante, mittlerweile abgerissene Bahnhofsgebäude gebaut worden.

„Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden dann die meisten Häuser in Eystrup gebaut“, erzählt Ursula Schweneker. Wie beachtenswert sich die Bebauung bis zuletzt weiterentwickelt hat, erleben die Radler bei Abstechern in Wohnstraßen. Obwohl fast alle aus Eystrup stammen, gibt es für sie doch etliche staunenswerte Winkel zu entdecken.

Nach einem kurzen Stopp vor der Firma Göbber an der Bahnhofstraße quert die Radlergruppe die Bundesstraße 215 und fährt in die Strubenstraße, zur Villa Strube. Das eindrucksvolle Gebäude, das zurzeit vermietet ist, können die Interessierten jedoch nur von außen betrachten. Ursula Schweneker erzählt derweil die Geschichte der Villa und ihrer Eigentümer: Von 1945 bis 1993 war das Haus von der britischen Armee beschlagnahmt, und ein General hatte dort seinen Wohnsitz.

Ein Abstecher in den Ortsteil Mahlen führt zu einer Milchbank. Sie spielte früher im dörflichen Leben – wie in vielen anderen Orten auch – eine wichtige Rolle als Treffpunkt.

An der Kirchstraße nehmen die Radler die inzwischen fast fertig renovierte Kirche, der nur noch die neuen Glasfenster fehlen, das Mausoleum und das angrenzende Rittergut in Augenschein. Es folgt mit dem Schloss Doenhausen ein geschichtsträchtiges Gebäude an der Doenhauser Straße.

Die weithin sichtbare Windmühle aus dem Jahr 1861 beeindruckt die Radler anschließend aus der Nähe betrachtet. Das heutige Baudenkmal wurde nach der Großmutter ihres Erbauers „Margarethe“ genannt.

Die Geschichte des Eystruper Wahrzeichens, der Zwillingslinde, wird beim nächsten Haltepunkt lebendig, und schließlich geht es zurück in Richtung Bahnhof, wo ein weiteres Highlight den Abschluss der Führung bildet: das Industriedenkmal Senffabrik Leman.

Mehr zum Thema:

Manchester: May will Trump auf undichte Stellen ansprechen

Manchester: May will Trump auf undichte Stellen ansprechen

Obama setzt sich von Trump ab - ohne ihn zu erwähnen

Obama setzt sich von Trump ab - ohne ihn zu erwähnen

Kreisverbandsschützenfest in Oerdinghausen

Kreisverbandsschützenfest in Oerdinghausen

Manchester-Stars feiern bewegenden Sieg

Manchester-Stars feiern bewegenden Sieg

Meistgelesene Artikel

Von Null auf Zirkusakrobat an einem Vormittag

Von Null auf Zirkusakrobat an einem Vormittag

Magelsen hat die drittälteste Wehr in der Samtgemeinde

Magelsen hat die drittälteste Wehr in der Samtgemeinde

Wecholder Schule feiert 50-jähriges Bestehen

Wecholder Schule feiert 50-jähriges Bestehen

Förderverein der Hasseler Grundschule feiert buntes Fest

Förderverein der Hasseler Grundschule feiert buntes Fest

Kommentare