1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Nienburg
  4. Grafschaft Hoya

Inna Schöne vermittelt Ukrainern aus Hassel, all jenes, was sie zum „Überleben“ benötigen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Nala Harries

Kommentare

Sprachmittlerin Inna Schöne (Mitte) setzt in ihren Kursen auf Humor. In lockerer Runde lehrt sie die Teilnehmer nicht nur die deutsche Sprache, sondern geht auch auf alle Themen ein, die in der aktuellen Situation der Flüchtlinge wichtig sind. Demnach wird ebenfalls über den Notruf, Rechte, Arbeitsstellen und den Mindestlohn gesprochen.
Sprachmittlerin Inna Schöne (Mitte) setzt in ihren Kursen auf Humor. In lockerer Runde lehrt sie die Teilnehmer nicht nur die deutsche Sprache, sondern geht auch auf alle Themen ein, die in der aktuellen Situation der Flüchtlinge wichtig sind. Demnach wird ebenfalls über den Notruf, Rechte, Arbeitsstellen und den Mindestlohn gesprochen. © nh

Hassel – Der Sprachkurs von Inna Schöne folgt keinen Standards. Die Ukrainer lernen bei ihr nicht erst das ABC. Schöne setzt stattdessen auf eine „Überlebensstrategie“. „Ich gehe mit ihnen all die Themen an, die in der aktuellen Situation wichtig sind“, erklärt sie ihr Konzept. Dabei gehe es beispielsweise darum, wie die Flüchtlinge sich bei einem neuen Arbeitgeber präsentieren, wie sie einem Arzt erklären, dass sie Schmerzen haben, aber auch darum, wie sie sich bedanken können und welche Rechte ihnen in Deutschland zustehen.

„Es ist wohl eher eine Austauschplattform“, sagt die gebürtige Ukrainerin, die bei der Gemeinde Hassel als Sprachmittlerin angestellt ist und zweimal wöchentlich im Dorfgemeinschaftshaus mit rund 20 der in der Kommune untergebrachten Ukrainern Deutsch übt.

Schönes Methode scheint gut zu funktionieren. Sie hätten schon einige Nachrichten von ihren Schützlingen erreicht, in denen diese ihre ersten Erfolge kundgetan haben. „Eine Frau lernte bei mir beispielsweise die Worte Schmerzen und Fieber und konnte sie sogleich auf einer Medizinflasche wiedererkennen“, erzählt Schöne voller Freude. Neben dem außergewöhnlichen Konzept ist es aber wohl auch die Hartnäckigkeit der Sprachmittlerin, die sich bei den Ukrainern bewährt. „Ich helfe jedem Einzelnen, bis der deutsche Satz perfekt klingt“, sagt sie. Lachen, das ist ihr ebenfalls besonders wichtig in ihrem Kurs. Denn mit Humor gehe alles viel leichter von der Hand, ist Inna Schöne überzeugt.

Doch bis alle so locker miteinander umgehen konnten, hat es etwas Zeit gekostet. „In der ersten Woche waren die Flüchtlinge noch sehr zurückhaltend, bis sie dann gemerkt haben, dass man für richtige Antworten gelobt wird. Erwachsene sind diesbezüglich ähnlich gestrickt wie Kinder“, erzählt Inna Schöne von den Anfängen. Los ging es erst einmal mit einfachen Dialogen, wie beispielsweise „Wie geht es dir? Mir geht es gut“. „Und dann gehe ich immer einen Schritt weiter, frage beispielsweise, warum es demjenigen gut geht, womit gleich ein neues Wort gelernt ist.“

Natürlich wird im Rahmen des Kurses auch viel Ukrainisch gesprochen, wie sonst sollte man eine komplett neue Sprache vermitteln. „Deutsch hat absolut nichts mit Ukrainisch zu tun. Die Buchstaben sind andere und auch die Artikel sind fremd“, meint Inna Schöne, die schon seit knapp 22 Jahren in Deutschland lebt und mit ihrer Familie in Hassel wohnt. Neben der Sprache lehrt sie ihre Schützlinge also ebenso das Schreiben. Alles neu Gelernte wird anschließend stetig wiederholt. „Damit es im Kopf bleibt“, verdeutlicht Schöne ihren Ansatz, der selbstverständlich auch Hausaufgaben vorsieht. Die werden vorbildlich gemacht, sagt sie und erwähnt in diesem Zusammenhang, wie dankbar sich die Ukrainer ihr gegenüber für das Angebot zeigen würden. Wie wichtig die Kurse für die Flüchtlinge sind, bringt eine Teilnehmerin auf den Punkt. Ihre Worte übersetzt Schöne wie folgt: „Wir wollen uns in diesem Land wohlfühlen. Die Sprache gehört dazu, um das alltägliche Leben bewältigen zu können, neue Freundschaften zu schließen und sich bei einem Arbeitgeber zu präsentieren.“

Den Einsatz der Sprachmittlerin schätzt auch Bürgermeister Heiko Lange sehr. „Wir sind sehr froh über das Angebot von Frau Schöne. Sie macht das Ganze mit viel Herzblut. Dabei geht es um den Schwerpunkt Mensch. Wir wollen einfach, dass sich die Ukrainer bei uns wohlfühlen“, würdigt er ihr Engagement.

Möglich geworden sind die Kurse durch die Einrichtung eines neuen Produktkontos, welches mit rund 5 000 Euro ausgestattet wurde (wir berichteten). Laut dem Bürgermeister hätte die Kommune dafür vor Kurzem noch zwei weitere Spenden erhalten. „Damit sind wir jetzt gut aufgestellt“, meint er. Bei all dem Lob kann auch Inna Schöne nicht anders, als sich für das große Engagement der Gemeinde und insbesondere für Heiko Langes Einsatz zu bedanken.

Für sie selbst ist das Angebot des Sprachkurses eine Herzensangelegenheit. „Ich wurde hier damals sehr gut aufgenommen und habe gute Erfahrungen gemacht. Das wünsche ich mir nun ebenfalls für die Flüchtlinge. Ich möchte einfach für sie da sein“, verdeutlicht sie ihre Motivation. Und ihrer Meinung nach fängt eine erfolgreiche Integration eben mit dem Erlernen der jeweiligen Landessprache an.

Auch interessant

Kommentare