Steffen Hünecke aus Heemsen betreut ein erfolgreiches Motorcross-Team

Ein Sport, der „einen nicht mehr loslässt“

Beim Motorcross müssen Mensch und Maschine in einem Top-Zustand sein.

Hoya - Von Julia Kreykenbohm. Ein junger Mann brennt für eine Sportart. Er übt, nimmt an Wettkämpfen teil, feiert Erfolge. Dann ein schlimmer Unfall. Die Folgen erlauben ihm nicht, seinen Sport weiter auszuüben. Er fängt an, andere zu trainieren, bekommt die Chance, ein Team zu betreuen und erlebt, wie einer seiner Schützlinge schließlich den Meistertitel erringt.

Was klingt wie das Drehbuch eines typischen Hollywood-Streifens Marke „Sportler-Drama“, ist Realität. Oder könnte zumindest dieses Jahr Realität werden für Steffen Hüncke aus Heemsen, denn einer „seiner“ Sportler kann in dieser Saison Deutscher Meister im Motorcross werden. „Es ist schon irgendwo der Hammer“, meint Hünecke schmunzelnd, wenn er auf seinen Werdegang zurückblickt. Die Leidenschaft für Motocross verdankt er seinem Vater, der ihn schon früh mit zu den Rennen nahm.

Hüncke stieg selber auf die Maschine und war sofort Feuer und Flamme. „Der Fahrer muss körperlich vollkommen fit und die Maschine im optimalen Zustand sein“, schwärmt er von der Herausforderung dieses Sports. „Man geht bis ans Limit.“ Mit 14 Jahren bestritt er sein erstes Rennen und wurde „süchtig“, wie er sagt. „Wenn du erstmal so einen Pokal in der Hand hälst, dann möchtest du noch einen. Es lässt dich nicht los.“

Es hat Hünecke bis heute nicht losgelassen. Er war derjenige, der schweren Herzens loslassen musste, nachdem er 2007 im Alter von 26 Jahren einen Unfall hatte, durch den sein Knie so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass es danach nicht mehr so belastbar war wie zuvor. Damals war er noch im Studium. Danach machte er sich mit einem eigenen Laden für Motocross und Enduro Motorräder sowie Ersatzteilen und eigener Werkstatt in Heemsen selbstständig.

Den Kontakt zum Sport verlor er jedoch nie. „Ich war ständig bei den Rennen“, berichtet Hünecke. Dadurch und auch durch den Laden lernte er Motorcross-Interessierte kennen, und schließlich kamen Anfragen nach gezielten Trainingseinheiten für Kinder und Erwachsene. „Mit den Kindern hat es mehr Spaß gemacht. Es war toll, zu sehen, wie sie Ehrgeiz entwickeln und sich verbessern. Erwachsene sind schwieriger, die denken, die können schon alles“, sagt Hünecke und lacht. Am Ende hatte er 15 Teamfahrer, mit denen er überall in Norddeutschland unterwegs war, obwohl die Rahmenbedingungen alles andere als optimal dafür waren. „Es gibt im Landkreis keine vernünftigen Trainingsstrecken, da Motorcross eine Randsportart ist und auch keinen guten Ruf genießt“, meint Hünecke. „Die Leute sagen: ,Ihr fahrt doch nur im Kreis und rast quer durch die Natur’.“

Vor knapp zwei Jahren beschloss er, seinen Laden in Heemsen aufzugeben und nahm eine Stelle bei Classic in Hoya an. Und dort öffnete sich dann unerwartet eine neue Tür, denn Hüneckes Arbeitgeber nahm dessen Kenntnisse und Wissen zum Anlass, um sein Sortiment um Motorrad-Öle und Pflegeprodukte für Zweiräder zu erweitern und auch ein Motorcross-Team zu sponsorn, das die Produkte quasi unter „realen“ Bedingungen testen darf. „Wir sind jetzt schon richtig gut aufgestellt“, freut sich der 35-Jährige. „Wir haben einen Mechaniker, einen Pressesprecher, einen Lastwagenfahrer für die Maschinen und drei Fahrer, von denen einer aus Dänemark kommt.“

Und der Kopf von „Team Classic Oil/Shr Motorsports“ ist Hünecke. Er koordiniert, bestellt Ersatzteile oder Bekleidung für die Fahrer. Nebenbei ist er im Außendienst und trifft sich mit Kunden. Das ist sein Job in der Woche. An den Wochenenden geht es dann von April bis Oktober auf die Rennstrecken der Bundesrepublik, nach Österreich oder Holland. Unter anderem ist er auch bei der ADAC MX Masters Europas Motocross Meisterschaft, bei der Teilnehmern aus der ganzen Welt dabei sind. Vor Ort kümmert er sich um Mensch und Maschine, gibt Tipps, redet mit Sponsoren oder der Presse. „Im Grunde habe ich zwei Jobs“, sagt Hünecke und lacht.

Einer seiner Fahrer steht zurzeit auf dem zweiten Rang in der Punktetabelle des Deutschen Motorcross-Meisters. Wenn er bei weiteren Rennen siegt, kann er am Ende den Meistertitel mit nach Hause nehmen. „Das wäre natürlich super, weil man viel Herzblut da reinsteckt“, so Hünecke.

Ein Traum von ihm wäre, auch mal bei einer Europameisterschaft dabei zu sein. Im Grunde habe er großes Glück, denn er könne Beruf und Leidenschaft kombinieren. „Und wenn man dann bei den Rennen ist und die Atmosphäre erlebt, weiß man auch immer wieder, warum man das Ganze macht“, sagt Hünecke.

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