Teilnehmer entdecken berühmte Persönlichkeiten

Spannende Gästeführung zu „Frauenorten“ in Hoya

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Gästeführerin Kerstin Bolte-Mahlstedt (links) und die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Grafschaft Hoya, Ursula Priggen-de Riese, am Sonntagnachmittag vor dem Rathaus der Grafenstadt, wo sie 15 Teilnehmer zu einer Führung empfingen, die „Frauenorte“ und „Hoyaer Frauen in Lebensbildern“ zum Inhalt hatte.

Hoya - Von Horst Friedrichs. Hoya stand fast immer an erster Stelle, einerlei, wo über diese Frau berichtet wurde: Paula Müller-Otfried (1865-1946), in der Grafenstadt geboren und als Frauenrechtlerin und Reichstagsabgeordnete zu Ruhm und Ehre gelangt, war auch am Sonntag wieder die Nummer eins, als es in ihrer Geburtsstadt um „Frauenorte – Hoyaer Frauen in Lebensbildern“ ging. Es war das Thema einer Gästeführung, die vor dem Rathaus am Schlossplatz begann. Und weil das Geburtshaus Paula Müller-Otfrieds in Hoya nicht bekannt ist, hatte Gästeführerin Kerstin Bolte-Mahlstedt die prominente und streitbare Frauenrechtlerin kurzerhand dem Rathaus als „Erzählort“ zugeordnet.

Unmengen von Zeitungsberichten über Paula Müller-Otfried lagern in den digitalen Archiven des Internets. In nahezu jedem dieser Artikel wird Hoya als Geburtsort der Frauenrechtlerin gleich zu Beginn des Texts genannt.

Eine bunte Mischung von Geschichten über Hoyaer Frauen versprach Kerstin Bolte-Mahlstedt ihren insgesamt 15 Zuhörern beim Treffen vor dem Rathaus.

Gemeinsam mit ihr begrüßte Ursula Priggen-de Riese, Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Grafschaft Hoya, die Teilnehmerinnen des sonntäglichen Spaziergangs durch die Altstadt.

Bolte-Mahlstedt und Priggen-de Riese erinnerten an die erste Gästeführung zum Thema „Frauenorte“, die im vergangenen Jahr in Hoya stattgefunden hatte. Für Kerstin Bolte-Mahlstedt ist dieses Jahr das 21., in dem sie Gästeführungen leitet.

Paula Müller-Otfried

Über Paula Müller-Otfried erfuhren die Führungsteilnehmer, dass sie aus wohlhabenden Verhältnissen in Hoya stammte und Tochter eines Beamten war, der bald mit seiner Familie nach Hannover zog. Paula ermöglichte er den Besuch der höheren Töchterschule und eine fundierte Ausbildung. Schon als 28-Jährige begann sie ihre Arbeit in der christlichen Armenpflege. Nach dem Eintritt in den Deutsch-Evangelischen Frauenbund (DEF) war sie in weiteren Frauenvereinigungen tätig und setzte sich für das aktive und passive Wahlrecht für Frauen in Kirchengemeinde und Kirchenvorstand ein. Das politische Wahlrecht für Frauen lehnte sie jedoch ab. Von 1920 bis 1932 war sie Abgeordnete der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) im Reichstag. Gestorben ist Paula Müller-Otfried in Einbeck.

Johanna Pilz

Beim Hoyaer Rathaus gleich nebenan, auf der anderen Straßenseite, steht das ehemalige Wasser- und Schifffahrtsamt, einst Lebensmittelpunkt von Johanna Pilz, geborene Odenkirchen. Ihr Vater, Friedrich Odenkirchen, leitete das Wasserbauamt. In ihrer Heiratsurkunde steht Hoya als Geburtsort. Ihrem Vater verdankte sie viele Ausflugsfahrten mit dem Hoyaer Motorschiff „Reiher“. Zum Picknick an Land zu gehen, erforderte nur ein bisschen Gelenkigkeit und war ansonsten kein Problem. Letzteres trat für Johanna Pilz jedoch nach ihrer Eheschließung ein, als sie ihr erstes Kind zur Welt brachte und ihre geliebten Fahrten mit dem „Reiher“, einschließlich Landgängen, dennoch nicht aufgeben wollte.

Den Kinderwagen konnte man schon gar nicht mitnehmen. Und mit dem Baby im Arm über ein Brett namens Gangway zu balancieren, war auch ziemlich abwegig. Johanna Pilz, später eine erfolgreiche Unternehmerin, wäre nicht Johanna Pilz gewesen, hätte sie nicht auf Abhilfe gesonnen und sogleich eine rettende Idee gehabt: Sie erfand die Babytragetasche. Das praktische „Kleinkindtransportmittel“ wurde zum Verkaufshit – in Deutschland wie im Ausland.

Weitere Persönlichkeiten

Weitere herausragende Hoyaerinnen, über die Kerstin Bolte-Mahlstedt berichtete, waren Gräfin Sophie von Bremer, Gräfin Katharina, die Hexe Grete Hatesuhl, „Aschen Ilse“ Siemann und Marion Blumenthal Lazan.

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