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Soforthilfe für Flüchtlinge: Gemeinderat Hassel stellt Mittel für Eingliederung bereit

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Von: Nala Harries

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Auf dem Jübberhof in Hassel sind insgesamt 53 ukrainische Flüchtlinge untergebracht. 43 davon sind Kinder, berichtet Inhaber Hermann Zerbin.
Auf dem Jübberhof in Hassel sind insgesamt 53 ukrainische Flüchtlinge untergebracht. 43 davon sind Kinder, berichtet Inhaber Hermann Zerbin. © nala harries

Hassel – 67 ukrainische Flüchtlinge haben aktuell in der Gemeinde Hassel ein vorübergehendes Zuhause gefunden. 49 davon sind Kinder und Jugendliche. „Und der Trend ist steigend“, betonte Bürgermeister Heiko Lange am Mittwochabend im Rahmen der Sitzung des Gemeinderats. Um ihnen schnell und unbürokratisch Hilfe zu verschaffen, stimmte das Gremium jetzt für die Einrichtung eines Produktkontos.

5 000 Euro stehen demnach nun für die Eingliederung der Ukrainer zur Verfügung.

In den kommenden Wochen möchte die Gemeinde mit Unterstützung von Sprachmittlerin Inna Schöne im Dorfgemeinschaftshaus mit Sprachkursen für Erwachsene beginnen. „Sie stammt ursprünglich aus der Ukraine, ist aber schon seit knapp 25 Jahren in Deutschland und pädagogisch ausgebildet“, erklärte Heiko Lange. Schöne habe auch bereits ein Konzept entwickelt, wie sie ihren Landsleuten in Hassel die deutsche Sprache beibringen könne. „Die Flüchtlinge sollen in der kommenden Zeit angesprochen werden, aber niemand wird gezwungen, an einem solchen Kurs teilzunehmen“, betonte der Bürgermeister. Sowohl die dafür benötigten Materialien als auch die Personalkosten sollen dann von den bereitgestellten Mitteln des neuen Produktkontos bezahlt werden.

Zunächst liege der Fokus der Workshops auf den Erwachsenen, da Kinder und Jugendliche bereits in den Bildungsstätten mit der deutschen Sprache vertraut gemacht würden. Trotzdessen: „Niemand wird weggeschickt, wenn auch bei den Jüngeren Bedarf besteht, stocken wir das Angebot auf“, so der Bürgermeister zu den Plänen.

Warum dafür extra ein neues Produktkonto eingerichtet werden musste? „Die Sprachmittler erhalten eine Ehrenamtspauschale. Um diese zu bekommen, muss allerdings jeder Einsatz beantragt und genehmigt werden“, erläuterte Lange das langwierige Prozedere. Dabei gehe es beispielsweise um einen Kinderarztbesuch, bei dem Inna Schöne ukrainische Flüchtlinge unterstütze. Jedes Mal einen Antrag stellen zu müssen, sei laut Lange nicht zielführend, weswegen das Ganze vorfinanziert werden soll. „Damit wollen wir auch das Engagement würdigen“, sagte er.

Die bereitgestellten 5 000 Euro werden dabei von den erwarteten Minderausgaben aus dem Produktkonto „Sportanlagen – Grundstückunterhaltung Turnhalle mit Schießstand“ gedeckt. Die geplanten Sanierungsmaßnahmen können 2022 nicht im vollen Umfang durchführt werden, heißt es als Erklärung dazu in der Beschlussvorlage.

„Aktuell sind die Preise so hoch, dass wir die Maßnahme verschieben wollen“, so der Bürgermeister. Dem stimmte auch Hajo Onken (alle UWGH-Fraktion Hassel) zu. Es sei wichtig, Soforthilfe zu schaffen. Diese habe seiner Meinung nach Vorrang vor den Baumaßnahmen, die im Grunde genommen nicht „brennen“ würden. „Wenn es so weit ist, können wir auch versuchen, die Maßnahme mit Eigenleistung aufzufangen“, schlug Carmen Dietz in diesem Zusammenhang vor. Ratskollege Harald Wegehöft zeigte sich diesbezüglich jedoch etwas besorgt: „Die Preise werden nicht wieder auf den Ursprungspunkt sinken. Wir gehen schwierigen Zeiten entgegen“, wagte er einen Blick in die Zukunft. Dies betreffe seiner Meinung nach nicht nur die Sanierungsarbeiten an den Sportanlagen, sondern auch den Straßenbau.

Trotz der Einwände war sich das Gremium aber doch einig, die Soforthilfe für die Eingliederung der ukrainischen Flüchtlinge bereitzustellen. „Die Einrichtung des Produktkontos ermöglicht uns eine schnelle Reaktionsfähigkeit. Zudem schafft es Transparenz, da die Mittel nur für diesen Zweck ausgegeben werden“, fasste Bürgermeister Heiko Lange die Vorteile noch einmal zusammen. Dennoch hoffe er, das Geld später von Kreis oder Land wieder zurückzubekommen. „Das ist aber nicht das primäre Ziel. Das primäre Ziel ist, schnelle Hilfe anbieten zu können“, führte er aus.

Mit Blick auf das Engagement von Sprachmittlerin Inna Schöne würdigte Heiko Lange auch die allgemein erfahrene Hilfsbereitschaft der Bürger. „So viele Menschen haben gespendet und boten ihre Unterstützung an. Dafür möchte ich einen großen Dank aussprechen. Ich hoffe nur, dass die Bereitschaft und die Toleranz nicht abnehmen“, meinte er und schloss damit den Tagesordnungspunkt.

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