Serie „On the road“

Ralf Winkler fährt mit seinem Schlüter-Traktor auf eine siebenwöchige Reise

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Sieben Wochen, 4000 Kilometer, 735 Liter Diesel: Ralf Winkler ist unterwegs auf seiner Tour de Europe. 

Eitzendorf - Von Ulf Kaack. Ralf Winkler in seiner Anwesenheit als leicht verrückt zu bezeichnen, übersteht man in der Regel ohne konfliktreiche Folgen. Denn ein bisschen verrückt muss man schon sein, wenn man hinter dem Lenkrad eines Treckers durch halb Europa gurkt, sagt er grinsend von sich selbst. Am Donnerstag, 2. August, macht er sich mal wieder auf den Weg – sieben Wochen lang, vermutlich 4 000 Kilometer weit.

Der 62-Jährige ist als „Hans Dampf in allen Gassen“ in der gesamten Grafschaft Hoya bekannt. Vielfältig ist sein ehrenamtliches Engagement, aufgeschlossen und zupackend seine Natur. Viele Steckenpferde werden ihm zugeschrieben, eines davon ist das Reisen. 

Aber Winkler wäre nicht Winkler, würde er dies als Pauschaltourist tun. Donnerstagmorgen ist der Eitzendorfer mit seinem Schlüter-Traktor samt Wohnwagen aufgebrochen und wird den Asphalt der Straßen von sechs europäischen Nationen unter die grobstolligen Reifen nehmen.

„Zuerst geht’s auf westlichem Kurs in die Niederlande und anschließend über Belgien nach Frankreich“, plaudert er. „Dann werden die Schweiz und Österreich angesteuert. Abschließend bin ich in Süddeutschland unterwegs, werde insbesondere die Landschaft am Bodensee erkunden.“

Neuntägige Testfahrt mit neuem Gefährt

Es ist bereits die fünfte große Tour, die Ralf Winkler auf betagtem landwirtschaftlichem Gerät unternimmt. Dreimal war er mit seinem 1966 gebauten Deutz 4005 in Deutschland und in den Nachbarländern unterwegs. Als er sich vor zwei Jahren seinen Schlüter 850 Compact-Hinterradschlepper zulegte, unternahm er eine neuntägige Testfahrt über die Distanz von 2 000 Kilometern. Seinerzeit wollte er die Standfestigkeit und mögliche Schwachstellen seines Neuerwerbs ermitteln.

Dieser 1973 gebaute Ackerbolide ist aktuell das Reisefahrzeug seiner Wahl. 80 PS mobilisiert der Schlüter aus vier Zylindern und fast fünf Litern Hubraum. Eine geschlossene Kabine sowie der luftgefederte Fahrersitz versprechen ein minimales Maß an Fahrkomfort. 

In den vergangenen Wochen hat Ralf Winkler dem Schlepper eine Frischzellenkur verordnet: Hinten sind neue Reifen aufgezogen, sämtliche Schmierstoffe und Filter hat er ausgetauscht, das hydraulische Bremssystem gecheckt und das Fahrzeug gemäß Werksvorschriften komplett abgeschmiert. Werkzeug, Öl, einen Dichtungssatz sowie Kupferdraht und Schellen hat er für eventuell anfallende Reparaturen unterwegs in der „Reiseapotheke“ seines Schlüters verstaut.

Der 850er Schlüter Compact ist mit 80 PS aus 4,8 Litern Hubraum ein ebenso zuverlässiges wie ungewöhnliches Reisegefährt.

Was motiviert ihn dazu, gerade einen Trecker für diese langen Reisedistanzen zu wählen? „Das Entscheidende ist das gemächliche Tempo“, sagt er. „Man bekommt viel mehr mit von der Landschaft, wenn man mit Mofa-Geschwindigkeit über die kleinen Straßen und Nebenwege zuckelt. Und ich entschleunige mich selbst dabei. Außerdem komme ich mit meinem auffälligen Gespann sehr schnell mit den Menschen am Wegesrand in Kontakt. Häufig winkt man mir zu, bei einem Stopp bildet sich meist eine Menschentraube um den Trecker und man kommt ins Gespräch. Das mag ich, das ist mir wichtig.“

Er ist sich übrigens der Tatsache bewusst, dass nicht alle Verkehrsteilnehmer Spaß daran haben, im Schneckentempo hinter seinem Gespann hinterherzufahren. Ralf Winkler weiß um seine Eigenschaft als rollendes Hindernis. Darum führt seine Route abseits der Hauptverkehrswege entlang. Außerdem hat er stets ein Auge im Rückspiegel. Wird die Schlange hinter ihm zu lang, steuert er die nächste Bushaltestelle an und lässt die ihm folgenden Fahrzeuge passieren: „Ehrensache, das gehört sich so!“

Winkler hat den Roadtrip minutiös geplant 

Übernachten wird Ralf Winkler in seinem mitgeführten Wohnwagen auf Campingplätzen. Den hat er optimal für die Fernreise ausgerüstet. Die Solaranlage auf dem Dach stellt eine permanente Stromversorgung sicher, sodass er auf Annehmlichkeiten wie Heizung, Kühlschrank und Satelliten-TV „on the road“ nicht verzichten muss.

Seinen Trip hat er minutiös ausgearbeitet, jeder Kilometer ist geplant. Ralf Winkler ist bekennender Eisenbahn-Enthusiast und möchte in Frankreich und der Schweiz gezielt Museumsbahnen ansteuern und dort ausgewählte Strecken auf dem Schienenstrang erkunden. Freunde wird er unterwegs besuchen, besondere Sehenswürdigkeiten in den verschiedenen Regionen unter die Lupe nehmen. 

Der Höhepunkt soll eine Visite beim österreichischen Oldtimer-Traktor-Treffen „Hintertuxer Gletscherkönig“ sein. Ralf Winkler: „Dort kommen rund 200 gleichgesinnte Traktoristen, überwiegend Fernreisende, aus halb Europa zusammen. Jeden Tag gibt es dort eine geführte Trecker-Exkursion zu den Highlights der Alpenregion. Da werden Almen und einsame Berghöfe angefahren, alpine Pässe und Täler erkundet sowie Bergprüfungen abgenommen.“

Sein Navi verrät ihm auch, wo er nicht langfahren darf

Sämtlich Tagesetappen und Erkundungsziele hat er in sein Navigationssystem eingegeben. Ein wasserfestes und vibrationsresistentes Gerät, das speziell für Motorräder entwickelt wurde. Wichtig bei der Programmierung: Autobahnen und für das Gespann zu schmale Ortsdurchfahrten müssen vom GPS-System von vornherein ausgeschlossen sein. 

In der Summe zeigt das digitale Navi eine Gesamtdistanz von gut 3 800 Kilometern an. Abstecher und eventuelle Umleitungen nicht berücksichtigt. Analog im Kopf hat Ralf Winkler hingegen seinen Spritverbrauch ausgerechnet. 735 Liter Diesel wird er durch die Düsen der Einspritzpumpe jagen.

Infos zur Serie

Über die Reise von Ralf Winkler und seinem knallroten Schlüter werden wir an dieser Stelle in den kommenden Wochen in loser Folge berichten. Wir stehen mit ihm in Kontakt, regelmäßig wird er uns seine Reiseerlebnisse mit seinem Traktor und Impressionen aus der Ferne übermitteln.

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