AUS DEM GERICHT 23-jähriger Hoyaer muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten

Sicherungsverfahren beginnt heute

Eine Schuldunfähigkeit ist bei dem 23-Jährigen nicht auszuschließen. Archivfoto: Wiebke Bruns

Hoya/Verden - Von Wiebke Bruns. Am Landgericht Verden startet heute um 9 Uhr das Sicherungsverfahren gegen den mutmaßlich fünften Beteiligten an dem brutalen Angriff auf einen 35 Jahre alten Mann im Mai 2019 in Hoya. Vier 17 bis 20 Jahre alte Angeklagte müssen sich bereits seit November wegen versuchten Mordes in Verden in einem Strafprozess verantworten. Den 23 Jahre alten Beschuldigten aus Hoya haben sie in dem Prozess alle als den Messerstecher benannt. Weil bei ihm eine Schuldunfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht ausschließbar ist, muss er sich gesondert in dem startenden Sicherungsverfahren verantworten.

Erst am Montag hatte die Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt mehrjährige Haftstrafen in dem Strafprozess beantragt. Zu ihrer Überzeugung war die Tat ein versuchter Mord. Das Mordmerkmal der Verdeckungsabsicht sei erfüllt.

Bei dem 23-Jährigen lautet der Vorwurf auf versuchten Totschlag – und auch da liegt der Grund in der nicht ausschließbaren Schuldunfähigkeit. Dass er sich in diesem Zustand bei der Tat befand, daran hatte die für dieses Verfahren zuständige erste Große Strafkammer jedoch zunächst noch Zweifel. Am 8. November 2019 war das Verfahren schon einmal gestartet, doch die Kammer wollte den Fall als Strafprozess verhandeln. Nach einigem Hin und Her und den Ausführungen eines psychiatrischen Sachverständigen war die Kammer doch überzeugt, konnte aber aus formellen Gründen das Verfahren nicht am selben Tag fortsetzen.

Im deutschen Strafrecht gilt der Grundsatz: keine Strafe ohne Schuld. Konnte ein Täter beispielsweise aufgrund einer psychischen Erkrankung das Unrecht der Tat nicht erkennen oder nicht nach dieser Einsicht handeln, gilt er als schuldunfähig. Ihm droht kein Gefängnis, aber bei der Feststellung einer Gefährlichkeit eine unbefristete Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. So ist es im Fall des 23-Jährigen.

Zur verminderten Schuldfähigkeit eines Täters kann beispielsweise eine starke Alkoholisierung führen. Alkoholisiert wollen auch die vier Angeklagten aus dem Strafprozess bei der Tat in Hoya gewesen sein, allerdings hat eine psychiatrische Sachverständige alle vier Angeklagten als voll schuldfähig eingestuft.

Alle haben den 23-Jährigen aus Hoya als fünften Tatbeteiligten benannt. Er sei es gewesen, der auf das Opfer eingestochen habe, doch das wollen die Angeklagten während der Tat gar nicht bemerkt haben. Ihre Verteidiger bewerten die Tat deshalb als gefährliche Körperverletzung. Die Eskalation sei einzig von dem 23-Jährigen ausgegangen. Dieser sei alleine verantwortlich für die lebensgefährlichen Verletzungen des Opfers.

Doch zur Überzeugung der Staatsanwältin war es eine klassische Mittäterschaft. Jeder müsse sich damit die Tathandlungen der anderen, also auch die Messerstiche, zurechnen lassen. Doch ganz gleich wie der Prozess endet, die vier Angeklagten stehen gewiss auf der Zeugenliste in dem Verfahren gegen den 23-Jährigen. Aussagen müssen sie aber nur, wenn das für den 13. Januar angekündigte Urteil dann schon rechtskräftig ist. Ansonsten haben sie das Recht, die Aussage zu verweigern.

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