Ausstellung in Eystrup

Nähen ohne Ende: Selbst das Modell von 1886 läuft noch

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„Das war schon eine ganz Raffinierte“, sagt Fritz Koch (Mitte) über die „Afrana“ von der Firma Biesolt und Locke Meißen (Baujahr 1906), die er den interessierten Gästen vorstellte.

Eystrup - Von Christel Niemann. „Das war noch Qualität, auch wenn die technischen Möglichkeiten teils doch sehr begrenzt waren“ – Fritz Koch ist ganz in seinem Element, als er am Sonntag den interessierten Besuchern im Alten Güterschuppen in Eystrup eine Sammlung alter Nähmaschinen zeigt und erklärt.

Besonders stolz ist der Dörverdener darauf, dass die Nähmaschinen nicht nur tip-top ausschauen, sondern auch sämtlich einwandfrei funktionieren – das gilt selbst für das älteste Modell der Sammlung, das 1886 gebaut wurde. „Die schnurren und sind einsatzbereit“, erzählt der bescheidene Rentner, der ein leidenschaftlicher Bastler und Tüftler ist.

Die Nähmaschinensammlung zählt rund 50 Exemplare. Sie sind Eigentum des Dörverdener Ehmken-Hoff-Vereins, der die Sammlung wiederum einer Initiative von Heike Henze von der Aktionsgruppe „Lust & Leinen“ zu verdanken hat. Die Gruppe näht aus alten Leinen- und Baumwollstoffen Kleidung, Taschen und Wohnaccessoires. In einem Aufruf in unserer Zeitung hatte Heike Henze die Bevölkerung gebeten, ihre alten Nähmaschinen zu spenden.

Nähmaschinen-Ausstellung im Bahnhof Eystrup

Dieses kunstvoll verzierte Modell zeigt, dass Nähmaschinen früher nicht nur Arbeitsmittel waren, sondern fast schon Designobjekte.

„Die Resonanz war unerwartet hoch“, sagt Fritz Koch, „Menschen aus dem ganzen Landkreis haben ihre Dachböden und Keller durchforstet und ihre Maschinen zur Verfügung gestellt. Und weil ich Heike zugesichert hatte, mich um die Funktion der Exponate zu kümmern, musste ich natürlich auch Wort halten“. Das hat er getan und die Nähtitanen von Marken wie Adler, Pfaff, Singer, Phoenix, Anker, Veritas oder Zündapp wieder in Gang gesetzt.

„Ich musste mich erst eingehend damit beschäftigen. Alle haben ihre individuellen Eigenheiten, und es gibt kaum Literatur, wo man etwas darüber nachlesen kann“, erzählt Koch. Auch Ersatzteile zu bekommen, sei schwer. „Originalteile sind so gut wie nicht mehr auf dem Markt. Ich tüftele dann halt ein bisschen herum, und meistens fällt mir eine Lösung ein.“ Auch Peter Schmidt, ein Nähmaschinenexperte aus der Nähe von Göttingen, hat Koch schon mehrmals mit Ratschlägen weiterhelfen können.

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