Abkehr vom Improtheater

Schweringer spielen Komödie von Shakespeare

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Die Kostüme der Theatergruppe stammen aus dem Fundus des Heimatvereins, dem sie angegliedert ist.

Schweringen - Von Jana Wohlers. Illyrien, 1602, gelegen an den Ufern der Adria. Schweringen, 2017, gelegen an den Ufern der Weser. Zwei Wasserwege, die am Samstag und Sonntag, 7. und 8. Oktober, eine der bekanntesten und oft gespielten Komödien Shakespeares zusammenführen: „Was ihr wollt“, auch bekannt als „Die zwölfte Nacht“. Die Theatergruppe Schweringen bringt eine ebenso wortwitzige wie Fragen aufwerfende Inszenierung auf die Bühne.

Das Theaterschauspiel hat in Schweringen eine lange Tradition, und doch dürfen sich die Besucher in diesem Jahr auf eine Premiere freuen. In den Vorjahren standen die Schauspieler zumeist mit einem Improvisationstheaterstück auf der Bühne. 2017 wird die im Februar neu zusammengekommene Theatergruppe das erste Mal ein klassisches Sprech- und Texttheater zeigen.

Die 13-köpfige Gruppe gehört dem Heimatverein Schweringen an und probt seit einigen Monaten unter der Leitung von Stefanie Frank. Die Schweringerin zählte zu den Gründungsmitgliedern der Improvisationstheatergruppe im Ort und verfügt über mehr als 35 Jahre Erfahrung im Laienschauspiel – sowohl auf als auch hinter der Bühne.

Die Entscheidung, mit „Was ihr wollt“ die wohl herausforderndste Verwechslungskomödie aus Shakespeares Feder zu inszenieren, geht auf die bunt gemischte Gruppe zurück. „Wichtig ist, dass die einzelnen Schauspieler zu den Charakteren und das Gesamtstück zum Publikum passen“, erklärt Stefanie Frank. „Die Gruppe selbst lebt von ihrer Unterschiedlichkeit.“

Handlung und Schauspieler

Die Handlung des Stücks spielt zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Illyrien wird regiert von Herzog Orsino (gespielt von Ulrich Günther). Er ist hoffnungslos verliebt in Gräfin Olivia (Marion Strube). Die hat jedoch, aus Trauer um den Tod von Vater und Bruder, geschworen, nie wieder einem Mann ihr Herz zu schenken. Nach einem Schiffbruch wird die junge Viola (Simone Martinek) an Land gespült. Ihren Zwillingsbruder Sebastian tot glaubend, will sie verkleidet als junger Mann namens Cesario in Illyrien ihr Glück versuchen und landet am Hof des Herzogs Orsino. Dieser sieht in Cesario den Burschen, durch den er seine Liebesbeteuerungen noch geschickter und glaubhafter an Olivia übermitteln kann.

Das Verwechslungsspiel nimmt seinen Lauf: Viola verliebt sich in ihren Herren, den Herzog Orsino, kann ihm aber ihre Liebe in der Rolle des Cesario nicht gestehen. Olivias Herz dagegen fühlt sich durch den jungen Cesario angezogen, sie verliebt sich in den vermeintlichen Jüngling und legt ihre Trauer ab. Als Violas totgeglaubter Bruder in Illyrien auftaucht, ist das Chaos perfekt.

Dazwischen treibt Olivias Onkel Tobias (Frieder Bars) am Hof seiner Nichte Schabernack: Mit Saufkumpan Andreas (Michael Schwessinger) und Kammerzofe Maria (Ute Erdmann-Harms) setzt er Olivias Hofverwalter Malvolio (Thorsten Puvogel) zu. Ebenso gelingt es Olivias Narren (Almut Birkenstock-Koll), immer wieder mit Weisheiten zu überraschen und zu verwirren.

In den weiteren Rollen sind zu sehen: Gerhard Tolle-Deike als der Bedienstete Curio; Johanna Böckmann als Kapitän aus der Flotte Orsinos und als Stummer Diener Fabians; Muriel Strube als Seefahrer Antonio sowie Silvan Schwessinger als Olivias Stallknecht Fabian.

Hintergrund der Komödie

Die historisch anmutenden Kostüme aus dem Fundus des Heimatvereins und ein wechselndes Bühnenbild bereichern das Schauspiel.

Ein Mädchen, das sich als Junge verkleidet, um sich als Frau nicht der Willkür anderer auszusetzen, liefert den Stoff für diese klassische Verwechslungskomödie.

Bis in die heutige Zeit reicht das von Shakespeares aufgegriffene Thema der Verstellung. Der versteckte Hintergedanke der Komödie: Sind wir das, was wir sind? Sind wir, was wir glauben zu sein? Oder sind wir das, was andere in uns sehen wollen?

„Ohne mit erhobenem Finger zu zeigen, gelingt es Shakespeare doch, dass wir ins Zweifeln kommen und uns fragen, wann und warum es notwendig wird, nicht mehr ‚Ich‘ zu sein“, sagt Stefanie Frank. Treibt uns die Gesellschaft? Braucht es unser Ego? Oder macht es manchmal einfach nur Spaß?

Das Schauspiel startet am Samstag und Sonntag, 7. und 8. Oktober, jeweils um 15 Uhr am Grillplatz „Unterm Ufer“ und bei schlechtem Wetter im Erntefestzelt am Fähranleger. Der Eintritt ist frei, es gibt Essen und Trinken. Die Theatergruppe bittet um Geldspenden, um zukünftige Veranstaltungen und ihre aufwendige Ausstattung finanzieren zu können.

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