Schülerin referiert über Erinnerungskultur / IG Synagoge fordert Schul-Umbenennung

Unterschreiben statt vergessen

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Vivien Schulz (links) stellte ihre Seminararbeit vor zahlreichen Zuhörern im Hoyaer Heimatmuseum vor.

Von Horst Friedrichs. „Fragt eure Großeltern! Noch sind sie da.“ Mit dieser Aufforderung an ihre Generation umriss Vivien Schulz Erkenntnisse aus ihrer Seminararbeit über die Erinnerungskultur am Beispiel der Stolpersteine in Hoya. Die Markloher Schülerin am Johann-Beckmann-Gymnasium schilderte ihre Arbeit am Mittwochabend im Heimatmuseum Hoya, nachdem sie für den Hans-Otto-Schneegluth-Preis der Historischen Gesellschaft Nienburg nominiert worden war. Ihre Teilnahme an dem Wettbewerb belohnte die Gesellschaft mit einer lobenden Anerkennung.

Der Holocaust und das Aufrechterhalten der Erinnerung daran – dieses Seminararbeitsthema der Gymnasiastin bekam am Mittwoch hautnahe Aktualität. Denn im Anschluss an den Vortrag von Vivien Schulz machte Museumsleiterin Elfriede Hornecker im Namen der Interessengemeinschaft (IG) Synagoge einen Schritt gegen ein Beispiel drohenden Vergessens und startete eine Unterschriftensammlung.

Dass die ehemalige Hoyaer Hauptschule Marion-Blumenthal-Schule hieß, scheint 2014 durch den Zusammenschluss mit der bisherigen Realschule sang- und klanglos zu den Akten gelegt worden sein. Die aus der Fusion entstandene Oberschule heißt einfach nur Oberschule. „Wir fordern, dass sie in Zukunft Marion-Blumenthal-Oberschule genannt wird!“, erklärte Elfriede Hornecker am Mittwochabend, nachdem Vivien Schulz Möglichkeiten der Erinnerungskultur und das Vermeiden des Vergessens aufgezeigt hatte.

Was die Schülerin in ihrer Seminararbeit anmahnt, nämlich die Erinnerung an das Schicksal der Juden in der Nazi-Diktatur wachzuhalten, wirft ein Schlaglicht auf einen Brennpunkt des Vergessens, der sich im Schulzentrum Hoya anzubahnen scheint. Die Namensgebung für die Hauptschule setzte ein deutliches Zeichen der Erinnerung an die Hoyaer Holocaust-Überlebende Marion Blumenthal-Lazan (Jahrgang 1934, heute wohnhaft in New York und Hoyaer Ehrenbürgerin).

„Ich war begeistert von Marion Blumenthal-Lazan, als ich ihr letztes Jahr begegnete“, schilderte Vivien Schulz. Aber allen Bemühungen zum Trotz, so der Eindruck der IG Synagoge, scheint bei den Zuständigen kein Interesse daran zu bestehen, die Erinnerung an die prominente Hoyaer Jüdin im Schulzentrum wachzuhalten.

„Wir haben bei der Schulbehörde und weiteren zuständigen Dienststellen angefragt“, berichtete Elfriede Hornecker. „Aber wir haben keine Antwort erhalten. Durch die Gründung der Oberschule ist Marion Blumenthal-Lazan als Namensgeberin einfach unter den Tisch gefallen. Das darf nicht so bleiben.“ Mit der Unterschriftensammlung hoffen die Mitglieder der IG Synagoge, jetzt endlich Gehör zu finden.

„Die Zukunft kann zwar etwas heilen, aber die Lehren und Schrecken der damaligen Zeit dürfen nicht völlig vergessen werden“ – dieses Zitat Marion Blumenthal-Lazans bildete den Hintergrund für die Frage, die Vivien Schulz ihrer Arbeit voranstellte: „Die Zeit heilt alle Wunden – etwas?“ Die golden schimmernden Stolpersteine und die von Hoyaer Gymnasiasten entwickelte Stolperstein-App, als Kontrast zu „grauen Gedenkstätten“, nannte sie als guten Weg, das Interesse von Jugendlichen zu wecken.

Wer sich an der Unterschriftensammlung zugunsten einer Umbenennung der Oberschule Hoya in Marion-Blumenthal-Oberschule beteiligen möchte, findet Listen im Heimatmuseum (Im Park 1), bei der „Classic“-Tankstelle (Auf dem Kuhkamp 21) und beiWarnke Toto-Lotto (Lange Straße 1, alles in Hoya).

Wir berichteten über die Stolperstein-App, der Artikel ist nachzulesen im Internet:

http://goo.gl/xcRjrl (Direktlink).

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