Rodeländer vor 69 Jahren aus Schlesien nach Norddeutschland transportiert

Vertriebene feiern ein letztes Mal gemeinsam

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Die ehemaligen Bewohner von Rodeland trafen sich letztmals in großer Runde. Aus diesem Anlass waren auch viele Nachkommen der ursprünglich Vertriebenen mitgekommen.

Bücken - Noch einmal fassten sie sich an die Hände und sangen gemeinsam „Kein schöner Land in dieser Zeit“, dann endete am Sonnabend eine Ära: Zum letzten Mal trafen sich die ehemaligen Bewohner des schlesischen Dorfs Rodeland im Bücker Gasthaus Thöle.

„Leider schrumpfte die Besucherzahl zusehends, und wir werden die Zusammenkünfte wegen geringer Beteiligung auslaufen lassen“, begründet Organisatorin Käthe Klein diesen Schritt. Sie hat 1946 in Dedendorf ein neues Zuhause gefunden. Mit den Frauen aus der Region will sie sich weiterhin treffen. Aber die Zeit der großen Zusammenkünfte sei vorbei. „Viele Zeitzeugen sind leider längst verstorben. Der noch verbleibende Rest hat mittlerweile ein hohes Alter erreicht und ist teilweise nicht mehr reisefähig“, sagt Käthe Klein. Fast 35 Jahre nach ihrer Vertreibung hatten sich die Rodeländer und Freunde aus den schlesischen Nachbargemeinden 1980 erstmals im Gasthaus Thöle getroffen. „Viele hatten nach 35 Jahren Mühe, ihre Nachbarn von einst wiederzuerkennen“, erzählt die 87-Jährige. Seitdem frischten die Rodeländer alte Freundschaften auf und schlossen neue.

1980 begrüßte der damalige Samtgemeindebürgermeister Heinrich Meyer aus Bücken die Gäste. „Die Wirren der Jahre 1945 und 1946 mögen nie wiederkehren“, wünschte er damals. Meyer zählte auch am Wochenende zu den Gästen der Rodeländer.

Konrad Junak war Urheber der Zusammenkünfte, die er bis zu seinem Tod Anfang der 90er-Jahre alle zwei Jahre organisierte. Danach übernahmen Käthe Klein und Gisela Trumpke seine Aufgabe.

Im Jahr 1982 übernahm die Gemeinde Bücken die Patenschaft für das frühere 420-Einwohner-Dorf Rodeland. „Darüber sind wir sehr dankbar“, sagt Käthe Klein.

„Schön und gemütlich war jede Feier“, sagt sie und erinnert sich an Auftritte von Chören und Tanzgruppen aus der Region. In diesem Jahr hatten sie den Hoyerhäger Hobby-Filmemacher Rolf Zacher eingeladen. Er zeigte nach dem gemeinsamen Mittagessen einen Film über Flucht und Vertreibung.

Wie immer gedachten die Rodeländer während der Zusammenkunft auch ihrer verstorbenen Freunde und Verwandte, ehe sie nach dem Kaffeetrinken ein letztes Mal „Kein schöner Land“ anstimmten.

Noch einmal blickt Käthe Klein auf ihre eigene Geschichte und die ihrer Rodeländer Nachbarn zurück, die hier in der Region leben und lebten. „Es war für uns und auch für die einheimische Bevölkerung sehr schwer, und es kostete viel Mühe, einen neuen Anfang zu finden. Aber die Zeit hat alle Wunden geheilt und das Zusammenleben erleichtert. Wir freuen uns, wenn wir zurückblicken, dass wir hier in der fruchtbaren Ebene ein neues Zuhause gefunden haben.“

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