Entdeckungsreicher Rundgang mit Förster Uwe Niedergesäß durch den Sellingsloh

Es scheint, als kenne er jeden Baum im Wald persönlich

Der Sellingsloh ist sein Wohnzimmer: Förster Uwe Niedergesäß (rechts, hier mit Lothar Gerner vom BUND) betreut das Revier Sellingsloh seit über 30 Jahren. - Foto: Uwe Campe

Hoyerhagen - Von Uwe Campe. Zu einer Wanderung unter Führung des örtlichen Revierförsters Uwe Niedergesäß hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kürzlich in den Sellingsloh bei Hoyerhagen eingeladen. Die rund 40 Interessierten, unter ihnen zwei weitere Förster, wanderten dabei durch einen geschützten Hallenwald aus hohen Buchen, trafen einen Schwarzspecht und standen plötzlich unerwartet vor einem Hochmoor.

Zunächst aber gab Lothar Gerner, Mitglied des BUND, eine kurze Einführung über den Sellingsloh sowie dessen Schutzgebiete (siehe Infokasten).

Wo sich heute ein kleines Hochmoor langsam entwickelt, stand bis 2014 noch ein dichter Birkenwald. Dessen Bäume haben mit ihrem hohen Wasserverbrauch eine Vernässung des Bodens verhindert. Sie wurden gezielt entnommen. - Foto: Uwe Campe

Dann begaben sich die Teilnehmer bei schönstem Sommerwetter auf einen mehrere Kilometer langen Rundkurs durch den Wald. Förster Uwe Niedergesäß erläuterte an etwa 15 verschiedenen Stationen in anschaulicher Weise die Waldformen und Entwicklungsstadien sowie die Nutzungsformen. Er ging dabei immer wieder bereitwillig und ausführlich auf Fragen der Mitwanderer ein. Auch zu einzelnen Bäumen, wie zum Beispiel einen mit Zunderschwamm überwachsenen Buchenstamm oder einer von unten bis oben von Efeu umrankten Eiche wusste Uwe Niedergesäss immer viel zu erzählen. Es drängte sich der Eindruck auf, dass der Förster, der dieses Revier schon seit über 30 Jahren betreut, alle Bäume seines Walds persönlich kennt.

Der Weg führte weiter über die wohl nach dem bedeutenden hannoverschen Forstrat Heinrich Burckhardt (1811-1879) benannte Burckardtshöhe, der eigentlichen Kernzone des Naturschutzgebiets. Dabei handelt es sich um einen aus etwa 150 Jahre alten Buchen bestehenden, geschlossenen Hallenwald. Das dichte Kronendach der hier bis zu 40 Meter hohen Buchen verhindert nahezu jeden Unterwuchs. Nur sehr vereinzelt stehen dort Eichen, die zwar etwa 70 Jahre älter sind als die Buchen, mit bis zu 36 Metern aber nicht deren Höhe erreichen.

Der Forstwirt unterscheidet drei Entwicklungssstadien:

– die Optimalphase, der Zustand in dem sich der Wald dort gegenwärtig befindet und wohl auch noch einige Zeit befinden wird,

– die sich daran anschließende Zerfallsphase und

– die sich daraus ergebende Initialphase, in der sich der Wald irgendwann wieder erneuern wird.

Obwohl auf dem ersten Blick vielleicht nicht so zu sehen, gilt dieser Waldteil als ausgesprochen artenreich, insbesondere seiner vielen kleinen und kleinsten Pilzarten wegen.

Als typische Vertreter der Vogelwelt ist dort der etwa krähengroße Schwarzspecht zu nennen. Die Teilnehmer bekamen diesen schönen Vogel kurz zu Gesicht und hörten seinen intensiven „Regenruf“.

Der Schwarzspecht ist als einziger Specht in der Lage, seine Bruthöhlen in das harte Buchenholz zu zimmern. Diese Höhlen werden nachfolgend auch gern von der Hohltaube und der Dohle als Brutplatz genutzt.

In der näheren Umgebung kommen auch Fuchs, Dachs, Baummarder, Waschbär, Marderhund, Hase und Reh vor. Das Damwild ist dort nach Aussage des Försters heute nur noch selten anzutreffen, ebenso das Schwarzwild.

An Vogelarten sind die verschiedenen Meisen, Finken und Drosseln sowie Bunt-, Klein- und Grünspecht zu nennen. Außerdem haben inzwischen auch Kolkrabe und Uhu wieder Reviere im Sellingsloh.

Das dichte Blätterdach der 150 Jahre alten Buchen verhindert im Bereich Burckardtshöhe fast vollständig einen Unterwuchs. - Foto: Uwe Campe

Über einen verschlungenen, teilweise zugewachsenen Pfad ging es weiter durch den Wald bis die Teilnehmer zu ihrer Überraschung plötzlich vor einem kleinen Hochmoor standen – auch Schlatt genannt. Dieses war noch vor einigen Jahren ein dichter Birkenwald. Nachdem man 2014 die Birken, die mit ihrem hohen Wasserverbrauch eine Austrocknung des Moores bewirkten, entfernt hat, beginnt sich inzwischen langsam wieder ein richtiges Moorbiotop zu etablieren. Allerdings werden auch zukünftig stützende Pflegemaßnahmen notwendig sein. Immerhin blühte aber schon schmalblättriges Wollgras. Vereinzelt rufen Frösche, und zahlreiche Libellen schwirren durch die Luft. Unter ihnen mit der Nordischen und der Großen Moosjungfer auch zwei hochmoortypische Arten.

Der weitere Weg führte am Garten der Försterei vorbei, wo dessen Inhaber einiges zu den dortigen mächtigen Buchen mit ihren weit ausladenden Zweigen zu erzählen wusste.

Letzte Station war der sogenannte Franzosengrund. Dort sollen der Überlieferung nach in der Franzosenzeit bei einem Scharmützel in Hoya gefallene Franzosen in einem Massengrab bestattet worden sein.

Schutzgebiet

Im Kernbereich des Sellingslohs steht seit 1972 eine 16 Hektar große Fläche, die sogenannte Burckhardtshöhe, als aus der Bewirtschaftung herausgenommener Naturwald unter Schutz. Inzwischen soll sie um 14 Hektar erweitert werden. Zusätzlich sollen weitere 70 Hektar, auf denen eine eingeschränkte, naturnahe Buchenwaldbewirtschaftung erfolgen soll, unter Naturschutz gestellt werden. Die entsprechenden Verfahren stehen unmittelbar vor dem Abschluss.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Organisierter Rucksacktrip: Reisen mit lokalen Veranstaltern

Organisierter Rucksacktrip: Reisen mit lokalen Veranstaltern

Blühende Kerzen und flüssiges Gold: Erntezeit am Bodensee

Blühende Kerzen und flüssiges Gold: Erntezeit am Bodensee

BVB nach 3:0 beim HSV Tabellenführer - 96 verpasst Sieg

BVB nach 3:0 beim HSV Tabellenführer - 96 verpasst Sieg

Oktoberfest 2017: Das waren die Eindrücke vom fünften Tag

Oktoberfest 2017: Das waren die Eindrücke vom fünften Tag

Meistgelesene Artikel

Wohnmobilwochenende und Reisegutgscheine: Die Gewinner stehen fest

Wohnmobilwochenende und Reisegutgscheine: Die Gewinner stehen fest

Nienburger Kino: Neuer Standort steht fest

Nienburger Kino: Neuer Standort steht fest

Herbstmarkt in Hoya: So bunt wie die Jahreszeit

Herbstmarkt in Hoya: So bunt wie die Jahreszeit

Archäologen graben in Erichshagen

Archäologen graben in Erichshagen

Kommentare