Ein Rittersaal ohne Rüstung

Hausherr Werner von Behr öffnet am „Tag des offenen Denkmals“ die Türen

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Werner von Behr (Zweiter von links), Hauseigentümer und Gutsbesitzer, empfing viele Besucher im historischen Rittersaal des Hoyaer Gutshauses von Behr.

Hoya - Von Horst Friedrichs. „Gibt’s hier keine Ritterrüstungen?“ Jungen Besuchern, die diese Frage stellen, muss Hausherr Werner von Behr stets mit einem Nein antworten. Wenn er den Rittersaal seines Gutshauses in Hoya für Gäste öffnet, so, wie am gestrigen Sonntag anlässlich des „Tags des offenen Denkmals“, kommt die Frage nach den metallen schimmernden mittelalterlichen Ein-Mann-Panzerungen immer wieder auf. Deshalb erklärt von Behr den wissbegierigen Kids gleich am Anfang seines Denkmals-Tags-Vortrags, dass der Rittersaal zwar so heißt, aber nie einer gewesen ist.

Das liegt an der späten Entstehung. Zwar reicht die Familiengeschichte der von Behrs und der mit ihr eng verbundenen Geschichte der Hoyaer Grafen bis ins zwölfte Jahrhundert zurück, in eine Zeit also, in der es durchaus noch Ritter gab.

Aber ein Saal für die rüstungsbewehrte Tafelrunde war in jener Epoche auf dem Gutssitz am Weserufer nicht vorhanden. Erstmals um 1100 erwähnt, so Werner von Behr, sei seine Familie seit 1515 ununterbrochen in Hoya ansässig. Er selbst gehöre der 20. Generation an. Zwei weitere Familienzweige gebe es in Häuslingen bei Verden und in Stellichte bei Walsrode.

In Hoya wurde erst 1830 der Saal im ersten Stock des jetzigen, 1765 entstandenen Hauses gebaut – nach einer bewegten Geschichte von ständigen Zerstörungen und Wiederaufbau des Familiensitzes, etwa im Dreißigjährigen Krieg oder während der französischen Besatzung unter Napoleon.

„Der Name Rittersaal entstand dann im Volksmund“, berichtete Werner von Behr seinen aufmerksamen Zuhörern gestern Mittag. Mit martialischen Relikten aus mittelalterlicher Zeit kann er folglich nicht aufwarten; Landsknechte oder Söldner haben weder Schwerter noch Arkebusen an der Wand. Wertvoller und ungleich interessanter ist die monumentale Bildtapete, die die Wände des Rittersaals ziert und heute Einmaligkeitswert genießt. Das Bildmotiv heißt „Ansichten von Brasilien“ und stammt von einem Landschaftsmaler, der Alexander von Humboldt auf seinen Reisen durch Südamerika begleitete.

„Um 1800 kamen Panorama-Bildtapeten in Mode“, erläuterte der Hausherr die Entstehung der farbenprächtigen Raumdekoration, die 1830 beim Bau des Rittersaals entstand. Eingehend beschrieb von Behr die Bilder, die aus insgesamt 33 Tapetenbahnen in der elsässischen Tapetenmanufaktur Zuber entstanden.

Die Darstellungen in vielen detailgetreuen Bildern beginnen mit einer Szene in der Bucht von Rio de Janeiro – mit dem berühmten Zuckerhut – und reichen über die Begegnung von Forschern mit indianischen Ureinwohnern über Eindrücke aus dem Dschungel am Amazonas bis zurück zur Bucht von Rio zu späteren Zeiten, als dort Kaffee und Kakao für die Verschiffung auf Frachtseglern nach Europa vorbereitet wurden.

Weitere Stationen am gestrigen „Tag des offenen Denkmals“ waren die Stiftskirche in Bücken, die Senffabrik Leman und die Windmühle Margarethe in Eystrup, der Bürgerpark, das Heimatmuseum und die Museumsdruckerei in Hoya.

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