Mehr als 20 Aussteller zeigen in der Senffabrik Leman ihre Technikmodelle

Dem Reiz der Dampfmaschinen verfallen

Fried Bösche (rechts) und sein Enkel Leon Meyer begeistern sich für dasselbe Hobby. Fotos: CHRISTEL NIEMANN

Eystrup - Von Christel Niemann. Mehrmals im Jahr öffnet die Interessengemeinschaft (IG) Industriedenkmal Senffabrik Leman im Heimatverein Eystrup ihre Pforten und lädt Jung und Alt zu verschiedenen Aktionen ein. Am Samstag war es wieder so weit und die IG startete mit der siebten Auflage der Modelldampfmaschinenausstellung „Winterdampf“ im Krafthaus der Senffabrik in den diesjährigen Veranstaltungsreigen. Mehr als 20 Aussteller aus dem gesamten norddeutschen Raum hatten dafür gleich Dutzende ihrer dampfenden Technikmodelle mitgebracht, darunter Sägewerke, Spielzeugdampf-maschinen, Stirlingmotoren, historische Dampfmodellmaschinen und Miniaturmodelle von der Größe einer Walnussschale.

An jeder Ecke im Krafthaus wurde der technisch affine Besucher von einer Überraschung erwartet, wobei die Demonstration kleiner und großer Dampfmaschinen- Modelle im Fokus der Veranstaltung stand. Darüber hinaus stießen auch Informationen zur lokalen Industriegeschichte auf das Interesse der Gäste. Auch der Besuch des Dampf-Cafés war ein beliebtes „Beiwerk“ zum Tagesprogramm. „Es ist die einfache Technik, die mich an den Dampfmaschinen reizt“, erklärte Roland Köhr seine Faszination für die Dampfmaschinen. Als aktives Mitglied der Interessengemeinschaft Industriedenkmal, hatte er es zunächst auf die dampfenden Modelle aus dem Haus Märklin abgesehen. Er ist aber inzwischen auch dem Reiz der Dampfmaschinen erlegen. Selbst besitzt Köhr rund 25 Modelle, mit denen er sich nach eigener Aussage regelmäßig beschäftigt.

Roland Köhr mit seinem Modell.

Die Eheleute Marion und Carsten Seybold üben das Hobby sogar gemeinsam aus. „Er konstruiert und werkelt, ich bringe die Maschinen zum Laufen und spiele damit“, erzählt der weibliche Part des Dampf-Duos aus Tangstedt. „Bausätze kommen aber selten zum Einsatz“, ergänzt ihr Mann, den vordergründig die Be- und Verarbeitung des Materials reizt. „Es ist einfach toll, was am Ende rauskommt und wie etwa eine kleine Messingscheibe zum Schwungrad wird.“ Seybold wagt sich auch an den Bau von Dampfmaschinen von ganz unterschiedlichen Größen. Die kleinsten, voll funktionsfähigen Modelle sind so filigran ausgearbeitet und in der Tat so winzig, dass sie in einer etwas größeren Walnussschale Platz finden.

Andreas Hübner mit seinem Modell

Andreas Hübner indes hat den „Winterdampf“ mit einem optisch imposanten Modell bereichert und dem Publikum einen Hamburger Hafenschlepper im Maßstab 1:25 präsentiert. „Das Dampfschiff ist komplett selbst gebaut“, erzählte der Hamburger, der nicht weiß, wie viel Zeit er dafür benötigt hat. „Ich habe aber Jahre daran gebaut“, sagte er. Es schwang Stolz in der Stimme des Tüftlers mit, wie er Interessierten Details zu dem Dampfschiff erläuterte, das im Original zunächst in der Oelkers-Werft auf Reede stand, dann aber in Skandinavien endmontiert wurde. Selbstredend, dass das 28 Kilogramm schwere Modell auch tatsächlich schwimmt. Hübner: „Ich lasse es hin und wieder zu Wasser, aber die Angst, dass es kentern oder untergehen könnte, schwimmt immer mit.“

Einige Meter weiter zeigte sich, dass Dampfmaschinen auch im digitalen Zeitalter den Nachwuchs begeistern können. „Ich bin schon seit vielen Jahren dabei“, sagt Leon Meyer. Den Schüler aus Syke interessiert vor allem die Technik, die in den Dampfmaschinen steckt. „Ich habe in meinem Enkel einen Gleichgesinnten gefunden“, freute sich dessen Großvater Fried Bösche darüber, dass der 13-Jährige nicht nur Internet und Co. im Kopf hat.

Das kleinste Modell ist gerade mal so groß wie eine Walnussschale, aber voll funktionstüchtig.

Für die Interessengemeinschaft unterstrich Horst Müller-Kuntzer dass sich der „Winterdampf“ am letzten Januar-Wochenende im Veranstaltungskalender gut etabliert habe und folglich auch im kommenden Jahr wieder über die Bühne gehen wird. Im Frühherbst hält die IG aber einen noch größeren Höhepunkt für Interessierte bereit und lädt zum „Güterumschlag am Eystruper Bahnhof“ wie vor 70 Jahren ein. „Die Teilnahme mit historischen Fahrzeugen ist aber ausschließlich eingeladenen Besitzern vorbehalten“, sagte Müller-Kuntzer.

Auch handwerklich werden die Mitglieder der Interessengemeinschaft in diesem Jahr wieder aktiv. So wurden der Interessengemeinschaft Fördermittel bewilligt, sodass unter Hinzunahme von Spendengeldern sowohl der marode Fußboden im Kesselhaus erneuert als auch eine Heizung für das Dampfcafé und den Ausstellungsraum angeschafft werden kann.

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