Pandemie-Auswirkungen

Reitschulen in der Krise: Das sind die Vor- und Nachteile der Corona-Pause

Nachwuchs auf dem Reiterhof: Während der Corona-Pause hatte der RFV Wechold-Martfeld die Chance, zwei der Schulponys zum Züchter zu bringen. Stute Galoopy ist vor Kurzem Mutter geworden. Ihr Fohlen heißt Galaxy Gawi.
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Nachwuchs auf dem Reiterhof: Während der Corona-Pause hatte der RFV Wechold-Martfeld die Chance, zwei der Schulponys zum Züchter zu bringen. Stute Galoopy ist vor Kurzem Mutter geworden. Ihr Fohlen heißt Galaxy Gawi.

Hämelhausen/Wechold – Trotz finanzieller coronabedingter Einbußen und etlichen Richtlinien können die Reitschulen in Wechold und Hämelhausen der Krise noch etwas Positives abgewinnen.

Auf dem Hof des Reit- und Fahrvereins (RFV) Hämelhausen stehen neben mehr als vierzig privaten Einstellpferden auch drei Schulpferde: Sarino, Adriano und Napoleon. Auch auf Birgit Bösches Reithof in Wechold gibt es einige Tiere, die für Schüler zur Verfügung stehen. Doch so richtig konnten die Tiere im vergangenen Jahr nicht in ihrer Rolle aufgehen.

„Das Schulpferdereiten hat unter der Corona-Pandemie gelitten“, stellt die Hofinhaberin und Reitlehrerin fest. Dramatische Folgen der Krise zeigten sich auch in Hämelhausen: „Den zweiten Lockdown hat die Reitschule nur durch Spenden der Eltern überlebt“, erinnert sich RFV-Vorsitzende Daniela Dittmer. Im Gespräch mit der Kreiszeitung erzählen die beiden Frauen, wie sich die Pandemie auf ihre Betriebe auswirkt. Trotz der vielen Schattenseiten können sie der Coronapause aber dennoch etwas Positives abgewinnen.

Im ersten Lockdown ab März 2020 wäre Unterricht in Hämelhausen gar nicht möglich gewesen. Nur Kinder mit Reitbeteiligung durften regelmäßig reiten, führt Daniela Dittmer aus. „Es hat den Ponys bestimmt gutgetan, dass wochenlang nur ein Kind auf ihnen geritten ist“, kann sie den Corona-Richtlinien auch etwas Positives abgewinnen. „Im ersten Lockdown ging‘s finanziell noch“, erinnert sie sich. Im Sommer wäre alles wieder halbwegs normal gewesen.

Während des zweiten Lockdowns sah es hingegen schlechter aus. Doch einige der Eltern hätten sich hilfsbereit gezeigt und die Reitschule ab November durch ihre Spenden finanziert. „Wir haben eine sehr große Hilfsbereitschaft erfahren“, freut sich die Vorsitzende. Darüber hinaus habe der RFV staatliche Hilfen beantragt, eine Antwort habe es von der zuständigen Behörde allerdings nicht gegeben. „Vielleicht war auch etwas falsch ausgefüllt“, vermutet Dittmer.

Zwar dürfe jetzt Unterricht angeboten werden. Die Regelungen dafür seien jedoch widersprüchlich, meint die RFV-Vorsitzende. Laut ihres Wissens, dürften sich nach aktuellem Stand gleichzeitig vier Personen in der rund 800 Quadratmeter großen Halle aufhalten. Unterricht dürfe aber nur mit vier Schülern, die unter 14 Jahren sind, gemacht werden. Alle Reitschüler, die dieses Alter überschreiten, bekämen daher nun Einzelunterricht. Außerdem sei bei den steigenden Infektionszahlen unsicher, wie lange überhaupt Unterricht angeboten werde könne, so Daniela Dittmer. „Dieses Gefühl, in der Luft zu hängen, diese Widersprüche – das ist das wirklich Schwierige“, bedauert sie die aktuelle Situation.

Beim Reit- und Fahrverein (RFV) Wechold-Martfeld sei die Personenanzahl aufgrund der großzügigen Halle auf fünf beschränkt. Reitunterricht werde jetzt in kleineren Gruppen angeboten, erläutert Hofinhaberin und Reitlehrerin Birgit Bösche. Darüber hinaus müsse stets hintereinander geritten werden.

Neben normalem Reitunterricht biete der RFV Wechold-Martfeld auch Führzügelunterricht an. Auch dort seien bestimmte Regelungen einzuhalten. Beispielsweise müsse die führende Person nun aus dem gleichen Haushalt stammen wie das reitende Kind. „Das hat dazu geführt, dass einige Jungen und Mädchen nicht mehr an dem Unterricht teilnehmen können“, so Birgit Bösche.

Die Pandemie habe aber neben Einschränkungen und einer Menge neuer Regeln noch etwas verändert: Die Nachfrage nach Pferden sei gestiegen. „Ich habe Ponys noch nie so teuer gesehen“, berichtet Birgit Bösche, „Eine ähnliche Entwicklung war ja bereits bei den Hunden und Katzen zu sehen.“ Auf ihrem Hof seien die Kapazitäten für neue Pferde allerdings bereits ausgelastet.

Die Krise hatte für den RFV Wechold-Magelsen jedoch auch ein schönes Erlebnis in petto: die Geburt des Fohlens Galaxy Gawi. „Dadurch, dass wenig bis kein Unterricht gemacht wurde, konnten zwei der Schulponys zum Züchter gebracht werden“, erzählt Birgit Bösche. Die Pandemie habe der Hofinhaberin somit die Chance ermöglicht, eine Familie von Hofponys weiterzuführen. Gespannt wartet man nun auf den Nachwuchs der zweiten Stute Ginny, ihre Schwester Galoopy ist bereits Mutter geworden und begrüßte ihr Junges voller Freude.

Von Jana Niebuhr

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