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Rats-Apotheke in Hoya schließt: 400-jährige Familiengeschichte geht zu Ende

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Rats-Apotheke in Hoya.
Rats-Apotheke in Hoya. © Nala Harries

Hoya – Am endet 31. Mai die Geschichte einer der ältesten Firmen im Landkreis Nienburg, denn Fred Droegmöller schließt seine Rats-Apotheke in Hoya.

Nach einer fast 400-jährigen Familiengeschichte ist Fred Droegmöller das letzte Mitglied, welches nach „interessanten und bewegenden Jahrzehnten“, beziehungsweise Jahrhunderten, derjenige ist, der zum letzten Mal die Geschäftstür der Rats-Apotheke schließt. Damit endet am 31. Mai auch die Geschichte einer der ältesten Firmen im Landkreis Nienburg. Das hat verschiedene Gründe, teilt der Apotheker mit.

Vermutlich seit 1631 gebe es die Rats-Apotheke in Hoya bereits. Der ursprüngliche Platz sei zwar nicht bekannt, aber klar sei, dass das Geschäft seit 1687 im Haus an der Deichstraße 13 zu finden gewesen ist. 1841 zog das Unternehmen dann an die Lange Straße 12 und seit 1989 befindet es sich an der Bücker Straße 1.

Wie Fred Droegmöller erklärt, dürfe eine Apotheke nur geöffnet werden, wenn mindestens ein Apotheker anwesend sei – und seit knapp einem Jahr stehe er als einziger Apotheker in seinem Geschäft den Kunden für Beratungen zur Verfügung. Zwar werde Fred Droegmöller dabei von gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen unterstützt, jedoch müsse er während der Öffnungszeiten stets vor Ort sein.

Ich werde den Umgang mit den Kunden vermissen. Das hat mir immer sehr viel Freude bereitet.
Ich werde den Umgang mit den Kunden vermissen. Das hat mir immer sehr viel Freude bereitet, sagt Apotheker Fred Droegmöller. © Nala Harries

Die Suche nach einem weiteren Apotheker blieb völlig ohne Resonanz. „Es gibt heutzutage zwar mehr Pharmaziestudenten als in der Vergangenheit, doch die haben nicht nur die öffentliche Apotheke als Arbeitsplatz vor Augen“, so der Unternehmer. Stattdessen würden Arbeitgeber in der Industrie und in Krankenhäusern favorisiert werden. Die Vorteile dort lägen auf der Hand: „Man arbeitet maximal 40 Stunden pro Woche bei geregelter Arbeitszeit, hat immer ein freies Wochenende und keine Notdienste.“

In Hoya hingegen bedeutete der Apothekennotdienst, dass man alle sieben Wochen für eine Woche dienstbereit bei dauernder Verfügbarkeit – also 24 Stunden am Tag – für die Kunden bereitstehe. „Durch die Schließung von zwei Apotheken in diesem Notdienstkreis wird dieses Problem noch massiv verstärkt“, findet Droegmöller. Das sei für Berufsanfänger nicht attraktiv, fügt er hinzu.

Auch die Anforderungen der Krankenkassen würden ständig steigen. Dazu gehöre beispielsweise die neue elektronische Gesundheitskarte. „Allein der technische Aufwand ist enorm und bedeutet für jede Apotheke eine Investition von mehreren tausend Euro.“ Auch die baulichen Anforderungen an ein Geschäft würden immer größer. Beispielsweise werde eine behindertengerechte Toilette benötigt, wenn in der Apotheke Bandagen angemessen werden sollen.

Fred Droegmöller, inzwischen eigentlich schon selbst in Rente, hat sich daher entschlossen, seine Apotheke zum 31. Mai zu schließen. Er bedauert das sehr, sieht aber für sich keine andere Möglichkeit. „Natürlich werde ich den Umgang mit den Kunden vermissen. Das hat mir immer sehr viel Freude bereitet“, sagt er. Abschrecken möchte er Berufsanfänger jedoch ganz und gar nicht. Denn wer sein eigener Herr sein möchte und bereit ist, alle Konsequenzen zu tragen, sei in einer öffentlichen Apotheke sehr gut aufgehoben.

Auch wenn sich die Tür der Rats-Apotheke nun bald schließt, sind seine Mitarbeiterinnen nicht arbeitslos. „Sie haben schnell neue Arbeitsplätze in der Umgebung gefunden oder gehen ebenfalls in Rente“, erklärt Droegmöller. Ganz aus dem Blickfeld verschwinden möchte der Apotheker allerdings nicht. Für seine Stammkunden will er auch weiterhin eine Möglichkeit schaffen, von ihm betreut zu werden. Wie das laufen soll, werde demnächst bekannt gegeben.  

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