Eine ewige Diskussion

Radweg durch den Sellingsloh hat lange Vorgeschichte

Es sind nur wenige Kilometer von Hoyerhagen nach Bruchhausen-Vilsen. Doch viele Radfahrer meiden die Strecke durch den Sellingsloh.
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Es sind nur wenige Kilometer von Hoyerhagen nach Bruchhausen-Vilsen. Doch viele Radfahrer meiden die Strecke durch den Sellingsloh.

Hoyerhagen – Sogar Tote soll es schon gegeben haben. Fünf bis sieben, sagt Hubert Steiner. Radfahrer, die bei Unfällen auf der Landstraße 330 in Hoyerhagen ums Leben kamen. Wann das war, kann der 85-Jährige nicht sagen. Aber er ist sicher, dass diese Tragödien leicht zu verhindern gewesen wären. Mit einem Radweg.

  • Schon seit vielen Jahren wird über die Verwirklichung eines Radwegs durch den Sellingsloh diskutiert.
  • Unternehmungen von Anwohnern für den Radwegbau blieben erfolglos.
  • Vertreter aus Politik und der Verwaltung vertrösteten sie mit leeren Versprechungen.

Als nun die Nachricht die Runde machte, dass die Gemeinde Hoyerhagen zusammen mit der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen dieses Projekt endlich anschiebt, hätte Steiner sich freuen können. Schließlich hat er seit Jahren dafür gekämpft. Aber Steiner bleibt skeptisch. Zu oft ist er in dieser Sache schon vertröstet worden.

Mit seinem Nachbarn Andreas Baethke sammelte er fast 4 000 Unterschriften und überreichte sie in Hannover dem damaligen niedersächsischen Wirtschaftsminister Philipp Rösler. Das war 2009. Den Zeitungsbericht von damals hat er aufbewahrt. Genau wie einen Artikel von 2010. „Der Radweg bleibt Zukunftsmusik“ steht dort in großen Buchstaben. Und das die Forderung nach dem Radweg bereits 1989 laut geworden sei.

Zeit genug, die Deutsche Teilung zu überwinden, zweimal Fußballweltmeister zu werden und ins digitale Zeitalter aufzubrechen. Aber offenbar nicht genug Zeit, um ein gut eineinhalb Kilometer langes Stück Radweg zu bauen. Wenn Steiner an die vielen Gespräche mit Vertretern aus Politik und Verwaltung zurückdenkt, findet er klare Worte. „Immer nur leere Versprechungen“ mache der eine. Andere „dehnen sich wie Gummi“, schimpft der 85-Jährige.

Stolpersteine für neuen Radweg durch den Sellingsloh: Ergebnisse der Artenschutzerhebung stehen noch aus

Hoyas Bauamtsleiter Rolf Walnsch ist dennoch zuversichtlich, dass die lange Geschichte des Radweges zu einem guten Ende kommt. Was dafür spricht: Es gibt einen Fahrplan. Hoyerhagen und die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen übernehmen Planung und Umsetzung. Die Kosten – etwa eine halbe Million Euro – teilen sich die Gemeinden mit dem Land. Die Federführung liegt beim Bauamt in Hoya.

Nach Angaben von Walnsch hat ein Ingenieurbüro mittlerweile den Auftrag bekommen, den Radweg zu planen. Überlegungen dazu gab es bereits 2017, wie aus einem Brief des Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig (CDU) an Hubert Steiner hervorgeht. Darin heißt es: „Nach Auskunft der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr beabsichtigen die Kommunen in nächster Zeit, ein geeignetes Ingenieurbüro mit der Planung zu beauftragen.“

Zwei mögliche Stolpersteine gibt es allerdings: Die Ergebnisse der Artenschutzerhebung stehen noch aus. Der Radweg zwischen Hoyerhagen und Gehlbergen wäre nicht das erste Bauvorhaben, dem eine seltene Kröte oder ein besonderer Falter im Weg stehen. Zudem müssen die Kommunen noch die benötigten Flächen kaufen. Eigentümer seien zum Teil Privatleute, sagt Walnsch. „Mit denen reden wir.“ Der Forst gehöre dem Land Niedersachsen.

Land zieht sich aus Radweg-Planungen zurück - Gemeinden nehmen Projekt selbst in die Hand

An dieser Stelle wird es kurios: Im Prinzip ist Niedersachsen zuständig für die Landesstraße und damit auch für den Bau des Radweges entlang der L330. Um in der Angelegenheit endlich voranzukommen, treten die Kommunen in einem Modellprojekt in Vorleistung, übernehmen die Hälfte der Kosten für Planung sowie Bau und müssen dazu die benötigten Flächen vom Land erwerben. Sollte der Radweg irgendwann tatsächlich fertig sein, wäre Hannover wieder zuständig.

Hoyerhagen wird voraussichtlich einen deutlich höheren Teil der Kosten tragen als die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Denn etwa zwei Drittel des neuen Radweges liegen im Gebiet der Gemeinde. Eine Vereinbarung zur Finanzierung auf kommunaler Ebene steht nach Angaben von Walnsch allerdings noch aus.

Trotz der hohen finanziellen Belastung begrüßt Hoyerhagens Bürgermeister Carsten Borstelmann den Bau des neuen Radwegs. Die Forderung, die Lücke zwischen seiner Gemeinde und Gehlbergen zu schließen, habe es schon immer gegeben, sagt er. Von der neuen Verbindung würden zum Beispiel Pendler profitieren, die mit dem Rad zur Arbeit nach Bruchhausen fahren. Auch für den Fahrradtourismus sei diese Anbindung ein Gewinn. Grundsätzlich meint Borstelmann, dass der Radverkehr mehr gefördert werden müsste. Wer CO2 einsparen wolle, dürfe nicht nur von Elektromobilität sprechen. Auch das Radfahren sei da ein wichtiger Baustein.

Läuft alles nach Plan, sollen die Arbeiten 2022 beginnen. Es wäre ein kleiner Sieg für Hubert Steiner. Und für seinen Freund Andreas Baethke. Der sagte vor etwa einem Jahr: „Du wirst sehen, wenn ich nicht mehr da bin, dann bauen die den Radweg.“ Kurz darauf starb er.

Von Felix Gutschmidt

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