Prozess wegen Unfalls in Magelsen fortgesetzt

Mit Abblendlicht in Lkw gefahren?

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden - Von Wiebke Bruns. Der Verdener Landgerichtsprozess um einen tödlichen Verkehrsunfall am 27. November 2012 zwischen Hilgermissen und Magelsen wird nicht alle Fragen klären können. Das wurde diese Woche am zweiten Verhandlungstag deutlich. Zu klären haben die Richter vorrangig, ob der 44 Jahre alte Angeklagte aus Eystrup sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat, als er am frühen Abend des 27. November 2012 zwischen Hilgermissen und Magelsen beim Rangieren mit einem Sattelschlepper samt Auflieger die Fahrbahn blockierte.

Eine 72 Jahre alte Frau aus Thedinghausen war unter den Auflieger geraten und später ihren schweren Verletzungen erlegen. Ihr ebenfalls im Auto sitzender Enkel wurde schwer verletzt. Er kann sich nicht an Details erinnern.

In erster Instanz war der Angeklagte freigesprochen worden, denn ein strafbares Verhalten sei ihm nicht nachzuweisen. Der Auflieger sei aus mehr als 150 Meter Entfernung erkennbar gewesen, so die Begründung. Die Staatsanwaltschaft und die Familie der getöteten Frau als Nebenklägerin hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Mit 55 bis 65 Stundenkilometern war die Frau unter den Auflieger gefahren, erklärte der Sachverständige für Verkehrsunfall-Rekonstruktion, Diplomingenieur Bernhard Rodeck. Er war noch am selben Abend beauftragt worden und selbst vor Ort. Der Sattelschlepper befand sich zu dem Zeitpunkt in der Position wie beim Unfall. Vor Ort war auch noch der Zeuge, der während des Rangierens als Sicherungsposten mit einer Blinkleuchte auf die Gefahrenstelle hingewiesen hatte.

Der Sachverständige Bernhard Rodeck war mit einem „Vermeidbarkeitsgutachten“ beauftragt worden. „Wir wissen nicht, wie die Scheinwerfer des Unfallautos eingestellt waren, ob sie sauber waren“, sagte der Sachverständige. Unklar sei auch, ob die Frau mit Fern- oder Abblendlicht gefahren ist und mit welcher Geschwindigkeit. Zeugen hatten berichtet, sie sei mit Abblendlicht gefahren.

„Bei Fernlicht sieht man den Auflieger aus 100 Meter ganz deutlich“, erklärte der Sachverständige. „Wenn die Frau mit 100 Stundenkilometer unterwegs war, dann hätte sie noch bei 75 Metern Abstand rechtzeitig zum Stehen kommen können“, sagte er weiter. Alles unter Berücksichtigung der Licht- und Wetterverhältnisse zum Unfallzeitpunkt.

Im ersten Verfahren war man am Amtsgericht zu der Überzeugung gelangt, dass die Frau nahezu ungebremst unter den Auflieger gefahren ist, doch da wollte sich der Sachverständige nicht festlegen. „Ich kann nicht ausschließen, dass sie gebremst hat“, betonte er. Bei ABS seien nur in einem von vier Fällen Bremsspuren erkennbar. Ob und gegebenenfalls wie die Frau reagiert hat, bleibt vermutlich ungeklärt.

Ihr Witwer ist als Nebenkläger an dem Verfahren beteiligt. Sein Anwalt hatte am ersten Verhandlungstag argumentiert, dass der Angeklagte den Abbiegevorgang hätte abbrechen müssen. „Fünf bis sieben Sekunden hätte er für das Räumen der Fahrbahn gebraucht“, erklärte der Sachverständige auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Andrea Ramsauer.

Am 11. März soll der Prozess fortgesetzt werden. Geplant sind die Plädoyers und die Urteilsverkündung.

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