Prozess wegen Unfalls 2012 bei Magelsen

Lkw-Fahreraus Eystrup vor Gericht

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Mit einer Geschwindigkeit von 55 bis 65 km/h ist die Fahrerin des Autos unter den Auflieger gefahren. Archivfoto: mwe

Verden/Eystrup - Ein Lkw-Fahrer aus Eystrup muss sich seit vergangener Woche wegen des Tods einer Rentnerin aus Thedinghausen vor dem Landgericht Verden verantworten. Er hatte am Abend des 27. Novembers 2012 zwischen Magelsen und Hilgermissen bei der Rübenernte rückwärts mit einem Sattelschlepper auf einen Feldweg einfahren wollen. Die 72-Jährige war unter den Auflieger des Sattelschleppers gefahren. Das Landgericht Verden hat zu klären, ob sich der Lkw-Fahrer der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat.

In erster Instanz freigesprochen

Das Amtsgericht Nienburg hatte den Mann in erster Instanz freigesprochen. Ein strafbares Verhalten sei ihm nicht nachzuweisen, lautete die Begründung. Der Auflieger stand zwar quer auf der Fahrbahn, auf der die Rentnerin aus Richtung Hilgermissen kommend unterwegs war, doch das Hindernis sei aus mehr als 150 Metern Entfernung erkennbar gewesen, urteilte das Amtsgericht.

Der Abstand eines Mannes, der als Sicherungsposten mit Warnweste und Laterne auf die Gefahrenstelle hingewiesen hatte, zum Lkw sei zu gering gewesen, aber es stehe nicht fest, dass der Unfall bei einem größeren Abstand hätte verhindert werden können, heißt es in dem Urteil.

Das Amtsgericht Nienburg ging davon aus, dass die Rentnerin den querstehenden Sattelauflieger überhaupt nicht wahrgenommen hat. Die Frau habe einer unbewussten „Unaufmerksamkeitsblindheit“ unterlegen. Bremsspuren waren nicht festgestellt worden. Mit 55 bis 65 Stundenkilometern soll die Frau unter den Auflieger gefahren sein. Die 72-Jährige verstarb noch am selben Abend, ihr ebenfalls im Auto sitzender, damals 15 Jahre alter Enkel wurde schwer verletzt.

Ein Angehöriger der Rentnerin ist als Nebenkläger an dem Strafverfahren beteiligt und hat genauso wie die Staatsanwaltschaft Verden Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegt. „Wer abbiegen will, muss entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen. Der Angeklagte hätte den Abbiegevorgang abbrechen müssen“, argumentiert Rechtsanwalt Thomas Forke als Nebenklagevertreter.

„An und für sich kann man das schaffen, aber dass die Frau so schnell kommt, hätte ich nicht gedacht“, sagte der Zeuge, der damals als Sicherheitsposten tätig gewesen war, zu dem Rangiervorgang des Sattelschleppers. „Es hätte passen können“, erklärte der 51-Jährige aus Eitzendorf. Die Frau habe ihn damals völlig übersehen. „Wenn ich nicht einen Schritt zurück gemacht hätte, wäre ich nicht mehr hier.“

Genauso wie in erster Instanz äußerte sich der Angeklagte auf Anraten seines Verteidigers Raban Funk nicht zu den Vorwürfen der Anklage. Funk schlug eine Verfahrenseinstellung vor, die aber von der Staatsanwaltschaft abgelehnt wurde.

Wo stand der Sicherheitsposten?

Von Bedeutung ist im Verdener Prozess insbesondere die Frage, in welcher Entfernung der Sicherheitsposten zum Lkw stand. Zunächst war von rund 20 Metern die Rede, doch laut einem Nachrichtenbeitrag über den Unfall sollen noch vor Ort ein Polizeibeamter und der Zeuge selbst von 50 bis 80 Metern Abstand gesprochen haben.

Ein entscheidendes Thema in dem Prozess, der am 22. Februar fortgesetzt werden soll.

wb

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