AUS DEM LANDGERICHT

Prozess um brutalen Überfall in Hoya wird neu aufgerollt: Der erste Tag

Der Prozess beginnt in der Verdener Stadthalle. Das Gebäude wird während der Pandemie vielfach für Verfahren mit vielen Beteiligten genutzt.
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Der Prozess beginnt in der Verdener Stadthalle. Das Gebäude wird während der Pandemie vielfach für Verfahren mit vielen Beteiligten genutzt.

Hoya/Verden – Die vier Angeklagten, die 2019 einen Radfahrer in Hoya fast getötet hatten, müssen sich nun erneut vor Gericht verantworten.

Nach einer erfolgreichen Revision der Staatsanwaltschaft Verden beim Bundesgerichtshof müssen sich seit gestern noch einmal die vier Angeklagten vor dem Landgericht Verden verantworten, die im Mai 2019 einen 35 Jahre alten Radfahrer in Hoya fast getötet hatten. „Aus reiner Willkür spielten sie sich zu Herren über Leben und Tod auf“, heißt es in dem Urteil des Sechsten Strafsenats am Bundesgerichtshof (BGH).

In einem ersten Prozess lautete das Urteil für die zum Tatzeitpunkt 16 bis 19 Jahre alten Angeklagten auf versuchten Totschlag. Die Dritte Große Strafkammer verhängte am 13. Januar 2020 mehrjährige Jugendstrafen. Die Staatsanwaltschaft Verden hingegen wertete die Tat als versuchten Mord und legte Revision ein. Aktuell sitzen ein mittlerweile 22-Jähriger aus Hassel und ein 19-Jähriger aus Duddenhausen noch in Untersuchungshaft. Zwei 19-Jährige aus Eystrup sind wieder auf freiem Fuß.

Nun muss die Vierte Große Strafkammer entscheiden, wobei nach der BGH-Entscheidung aus dem Urteil erster Instanz die Feststellung zum objektiven Geschehen, Schuldfähigkeit und Tötungsvorsatz feststehen.

Am Abend des 9. Mai 2019 hatten sich die vier Angeklagten mit drei Freunden auf dem rückwärtigen Parkplatz des Gymnasiums aufgehalten und Alkohol getrunken. Als ein sichtbar alkoholisierter Radfahrer vorbeikam, fragte ihn der damals 18 Jahre alte Duddenhauser, „ob man sich kenne“. Der Radfahrer hielt an und verneinte dies. Daraufhin forderte der 18-Jährige den Mann auf, weiterzufahren. „Der Nebenkläger blieb jedoch stehen und erwiderte, „ob er jetzt Angst haben müsse“. „Unvermittelt schlug ihm der Angeklagte so stark gegen das Kinn, dass der Nebenkläger zu Boden ging“, heißt es in dem BGH-Urteil.

Um den Angeklagten zu „unterstützen“, eilten die anderen drei Angeklagten sowie ein vierter Beteiliger herbei, der dem Opfer die lebensgefährlichen Stichverletzungen zugefügt hat. In einem gesonderten Verfahren wurde dieser junge Mann wegen einer psychischen Erkrankung als schuldunfähig eingestuft und seine Unterbringung angeordnet.

Mit Ausnahme des damals 17-Jährigen aus Eystrup „schlugen und traten sie auf den am Boden liegenden Nebenkläger ein“. Als es dem Opfer gelang „aufzustehen und davonzulaufen“, will der 17-Jährige von ihm den Ausruf „Hurensöhne“ gehört haben und brachte den Nebenkläger durch zwei Faustschläge erneut zu Fall.

Alle vier Angeklagten und der Messerstecher „umstellten in einem Halbkreis den am Boden liegenden Nebenkläger, weil innerhalb der Gruppe eine Art ,Ehrenkodex‘ herrschte, wonach jeder den jeweils anderen bei Auseinandersetzungen unterstützt“, heißt es in dem BGH-Urteil. Während der Messerstecher auf Kopf und Oberkörper des Opfers einstach, schlugen und traten die vier Angeklagten weiter auf den Mann ein. Dass er versterben könnte, nahmen sie „billigend in Kauf“. Hilflos ließen sie den lebensgefährlich verletzten Mann zurück.

Der BGH hat den nun zu entscheidenden Richtern vorgegeben, das Vorliegen des Mordmerkmals „niedrige Beweggründe“ zu prüfen. Diesbezüglich sei das erste Urteil rechtsfehlerhaft.

Dazu stellte der Sechste Strafsenat fest: „Die billigend in Kauf genommene Auslöschung des Lebens eines Zufallsopfers wegen der Orientierung an einem gruppeninternen ,Ehrenkodex‘ ist keine verständliche Reaktion, sondern eine besonders verachtenswerte Form der Geringschätzung des personalen Eigenwerts des Opfers.“ Und weiter: „Aus reiner Willkür spielten sie sich zu Herren über Leben und Tod auf. Das damit bestehende eklatante Missverhältnis zwischen Anlass und Tat ist als sittlich besonders verwerflich zu qualifizieren.“

Der Prozess soll morgen um 9 Uhr in Saal 104 des Landgerichts Verden fortgesetzt werden. Dann haben die Angeklagten die Möglichkeit, sich zu äußern.

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