209 Stundenkilometer bei Tempo 70

Polizei kontrolliert Motorrad- und Kradfahrer an Unfallschwerpunkten in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya

Aus dem laufenden Verkehr winken Polizeibeamte die zu kontrollierenden Motorradfahrer auf den Parkplatz in Schierholz.
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Aus dem laufenden Verkehr winken Polizeibeamte die zu kontrollierenden Motorradfahrer auf den Parkplatz in Schierholz.

Samtgemeinde – Ein unfassbarer Geschwindigkeitsrekord und ein schwerer Motorradunfall vor den Augen der Polizei – das ist die Schreckensbilanz einer Großkontrolle am gestrigen Sonntag.

Nicht weniger als 209 Stundenkilometer schnell war ein Motorradfahrer in einem auf 70 Kilometer pro Stunde begrenzten Abschnitt der Kreisstraße 136 im Bereich Essener Heide in Duddenhausen, als ihn das Hightech-Messgerät des Landkreises Nienburg erwischte. Und gleichfalls dort – während des fünfstündigen Polizeieinsatzes – verunglückte ein Motorradfahrer, dessen Geschwindigkeit nicht einmal gemessen worden war, beinahe vor den Augen der Beamten nur 100 Meter vom Anhaltekommando entfernt. Leicht verletzt musste der Motorradfahrer mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.

An zwei Unfallschwerpunkten in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya war die Polizei gestern im Einsatz. Während es an der K 136 in Duddenhausen um Geschwindigkeitsverstöße ging, fassten die Beamten an der Landesstraße 331 in Schierholz/Heesen Motorräder wegen etwaiger Bauartverstöße oder der Einhaltung von Geräuschemissionen ins Auge. Der Einsatzleiter beider Aktionen, Polizeioberkommissar Thomas Oppermann vom Polizeikommissariat Hoya: „Die Landesstraße 331 im Bereich der Samtgemeinde Grafschaft Hoya ist nach wie vor als Unfallschwerpunkt im Landkreis Nienburg anzusehen. Deshalb erscheinen umfangreiche Kontrollen zur Reduzierung von schweren, teils tödlichen Unfällen unerlässlich. Kradfahrer sind an schweren Unfällen übermäßig beteiligt, was in der unmittelbar betroffenen Bevölkerung auf Unverständnis stößt.“ Besonders der Unfall während der Kontrolle zeige, „dass die Kontrollen von großer Wichtigkeit sind.“

Polizeibeamte aus Hoya hielten an der K 136 in Duddenhausen all jene Personenwagen und Motorräder an, die Ehler Lange vom Landkreis Nienburg mit seinem Messgerät erfasst hatte. Der Spitzenreiter, der mit 209 Stundenkilometern im 70er-Bereich erwischt wurde, muss sich nun wegen eines Straftatbestands nach Paragraph 315d (Verbotenes Kraftfahrzeugrennen) verantworten. Über das weitere Vorgehen in dem Verfahren, so Einsatzleiter Oppermann, entscheide die zuständige Staatsanwaltschaft.

Im Krad-Bereich, erklärt Oppermann weiter, seien an der K 136 neun Bußgelder verhängt und vier Verwarnungen ausgesprochen worden. Im Bereich der Autos seien es 14 Bußgelder und 28 Verwarngelder gewesen. Überdies habe es für den mit 116 km/h schnellsten Autofahrer ein Fahrverbot gegeben. Auch ein Kuriosum war in Duddenhausen zu verzeichnen: Innerhalb des Fünf-Stunden-Einsatzes der Polizei geriet ein und derselbe Autofahrer nicht weniger als dreimal in die Geschwindigkeitsmessung. Jedes Mal war er zu schnell, davon zweimal im Bußgeldbereich. Sein Verfahren läuft jetzt über den Landkreis Nienburg. „Er muss mit mindestens einem Monat Fahrverbot rechnen“, mutmaßt Thomas Oppermann.

Weniger dramatisch ging es am Kontrollort Schierholz/Heesen zu. Aber auch dort herrschte Hochbetrieb. „Sie finden einfach alles“, sagt Nicole Schuster, Verkehrssicherheitsberaterin der Polizei Nienburg, im Gespräch mit der Kreiszeitung über ihre Kollegen von der „Spezialisierten Kontrollgruppe Krad“ (SKG). Schon aus einiger Entfernung sehen die technisch versierten Beamten der Polizeidirektion Göttingen, ob mit einem Motorrad etwas nicht stimmt. Am Sonntag stellten sie es an der Landesstraße 331 in Schierholz unter Beweis. Dort herrschte bei spätsommerlichem Wetter reger Kradverkehr, sowohl in Richtung Hoya als auch in der Gegenrichtung, nach Martfeld.

Dort wurden reihenweise „Biker“ aus dem fließenden Verkehr gewunken und auf dem Parkplatz des Dorfgemeinschaftshauses kontrolliert. Das Augenmerk der SKG-Beamten galt dabei insbesondere der Lautstärke der Motorräder sowie auch Bauartveränderungen an den Maschinen. Zu den Entdeckungen, die die Spezialisten bei dieser Aktion machten, gehörten etwa eingebaute Ersatzteile aus China, die nicht zugelassen sind, oder auch ein demontierter „Dezibel-Eater“, der den Auspuff lauter und das Motorrad schneller macht.

Im Fall eines Kleinkraftrads mit abgefahrenen Reifen und einer desolaten Bremsanlage gab es in Schierholz eine Anzeige – sowohl für den Halter als auch für den Fahrer. Weil der Fahrer nicht weiterfahren durfte, musste der Halter das Kleinkraftrad mittels Anhänger abholen. Eine Anzeige kassierte auch der Fahrer einer Harley Davidson, deren Auspuffanlage zu laut war. Weil der gemessene Wert aber weniger als zehn Dezibel über der erlaubten Höchstgrenze lag, durfte der Harley-Fahrer weiterfahren.

Ab elf Dezibel über dem eingetragen Geräuschemissionswert eines Motorrads wird dem Benutzer die Weiterfahrt untersagt. Mit einem geeichten Messgerät, das die Beamten der SKG in Schierholz einsetzten, konnten die Geräuschemissionen der überprüften Maschinen exakt festgestellt werden. Die Technik-Experten-Gruppe SKG bestand aus fünf Beamten aus Hoya, Nienburg, Hameln, Hildesheim und Göttingen.

Von Horst Friedrichs

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