Politiker empfehlen F-Plan-Änderung zu Edeka-Ansiedlung in Eystrup / Scharfe Kritik

Bürger bringen Pfeffer in Bauausschuss-Sitzung

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Hier an der Ecke B 215/Alexanderweg in Eystrup könnte auf 1700 Quadratmetern Fläche (das ist etwa ein Drittel des Walds) ein Edeka-Markt entstehen. Das Grundstück hat Edeka den Forstinteressenten bereits abgekauft.

Hoya - Von Michael Wendt. Am Ende der Sitzung stand eine kurze, teils hitzige Diskussion: Nachdem der Bauausschuss der Samtgemeinde geschlossen am Donnerstagabend den ersten von vielen Schritten hin zu einer möglichen Edeka-Ansiedlung in Eystrup getan hatte, machten mehrere der elf Zuhörer ihrem Unmut Luft: Eystrup braucht keinen weiteren Supermarkt; einer der beiden Discounter bleibt dann auf der Strecke; der Einzelhandel wird kaputt gemacht, behaupteten sie(siehe Kasten unten).

Die lebhafte Einwohnerfragestunde im Hoyaer Ratssaal stand in Kontrast zum Sitzungsverlauf, in dem alle Entscheidungen einstimmig fielen. Geht es nach dem Wunsch des Ausschusses, bekommt der Kindergarten in Eystrup ein neues Dach mit vielen Fenstern, und der Radweg am Tonnenweg zwischen Hoya und Hoyerhagen wird erneuert. Einen ausführlichen Bericht zu beiden Entscheidungen lesen Sie in einer der kommenden Ausgaben.

Doch zurück zu Edeka. Um eine Ansiedlung an der Ecke B215/Alexanderweg zu ermöglichen, muss zunächst der Flächennutzungsplan (F-Plan) geändert werden. Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer erläuterte den Vorgang. Der mögliche Bau eines Markts „ist von Edeka an uns als Verwaltung herangetragen worden“, sagte er. Die vorgesehene Fläche ist derzeit im F-Plan für Forstwirtschaft vorgesehen. Das muss geändert werden, um eine Ansiedlung zu ermöglichen. Edeka hat die Fläche mittlerweile bereits von den Forstinteressenten gekauft, bestätigte gestern deren Vorsitzender Wilhelm Bergmann-Kramer auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Der F-Plan wird nur mit Beteiligung der Bürger geändert“, betonte Meyer. Der Ausschuss empfahl am Donnerstag streng genommen auch nicht die Änderung, sondern die Einleitung des Änderungsverfahrens. In diesem ist grundsätzlich eine Beteiligung von Bürgern, Behörden und „Trägern öffentlicher Belange“, etwa Naturschutzverbänden, vorgeschrieben. Sie können zum Plan Stellung nehmen.

Mit einer F-Plan-Änderung ist es für Edeka noch nicht getan. Basierend auf dem F-Plan müsste die Gemeinde Eystrup einen Bebauungsplan (B-Plan) für das Gebiet aufstellen.

Der Einleitung der F-Plan-Änderung stimmten alle Ausschussmitglieder zu. Für die Grünen sagte Frank Lange: „Für mich ist das Ergebnis noch völlig offen.“ Günter Schwarze (CDU) sagte: „Die Samtgemeinde will sich nicht in die Belange der Gemeinden einmischen, und wie zu vernehmen war, ist der Rat Eystrup geschlossen für den Edeka-Markt.“ Burkhard Dieckhoff (SPD) pflichtete ihm bei: „Wir wollen der Gemeinde nicht im Weg stehen.“

Detlef Meyer sagte, dass die Gemeinde Eystrup die nötige Änderung des B-Plans bereits jetzt einleiten kann, nachdem der Bauausschuss deutlich gemacht hat, den F-Plan ändern zu wollen. Aber: „Der Ausgang der F-Planung bleibt abzuwarten.“ Die Verfahren würden schätzungsweise 12 bis 15 Monate dauern.

Fragen und Antworten zur F-Plan-Änderung und zum Neubau von Edeka:

Edeka wird immer als „Vollsortimenter“ bezeichnet, was heißt das eigentlich?

Detlef Meyer: „Ein Vollsortimenter hat 21000 Artikel im Angebot, ein Discounter 6000 bis 8000.“

Werden alle Bäume auf dem Areal gefällt?

Detlef Meyer: „Nein, ein Drittel der Bäume würde entfernt werden. Im Rahmen der Naturschutzbelange werden sie zuvor untersucht. Von 1700 Quadratmetern Grundfläche für Edeka sollen 1200 Quadratmeter als Verkaufsfläche genutzt werden.“

Haben Sie Edeka auch andere Flächen angeboten?

Detlef Meyer: „Ja, auch andere. Aber Edeka hat gesagt: Wenn wir nach Eystrup kommen, dann nur an die Bundesstraße. Und da gibt es im Grunde genommen nur die Stelle [am Alexanderweg].“

Aber es gibt doch an beiden Ortsausgängen Ackerflächen!

Detlef Meyer: „Das ist planungsrechtlich außerhalb der Ortslage. Das ist schwierig.“

Einwohner: „Nein, Sie haben sich auf den Alexanderweg eingeschossen!“

Johann Meyer (CDU/UWG/FDP-Fraktion): „Die Argumente müssen im Änderungsverfahren vorgebracht werden. Dazu werden auch die Bürger in Eystrup Gelegenheit haben.“

Wenn Edeka kommt, ist ein Markt über, und der Einzelhandel wird kaputtgemacht!

Detlef Meyer: „Es gibt eine so genannte Verträglichkeitsprüfung [im B-Plan-Verfahren]. Da wird untersucht: Vertragen sich diese Märkte. Das Ergebnis muss man abwarten.“

Karl-Heinz Stein (CDU/UWG/FDP-Fraktion): „Der Kundenkreis, der bei Rewe in Eystrup gekauft hat, fährt jetzt nach Hoya, Dörverden oder Rethem. Das sind nicht die, die jetzt bei Netto einkaufen. Ich finde einen Vollsortimenter sehr wichtig für Eystrup.“

Warum findet diese Sitzung nicht in Eystrup statt?

Detlef Meyer: „Sie ist hier in Hoya, weil die Samtgemeinde für den F-Plan und die Kindergärten zuständig ist. Und Hoya ist der Verwaltungssitz. Der B-Plan ist in Eystrup ein Thema.“

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