Der „Brückenbaupapst“ zieht sich zurück

Peter Steinbach gibt sein Amt als Vorsitzender der Hoyer Helfervereinigung des THW ab

Peter Steinbach aus Hoya ist international bekannt und renommiert als der „Brückenbaupapst“ des Technischen Hilfswerks (THW). Sein Amt als Vorsitzender der THW-Helfervereinigung Hoya, das er seit der Gründung 1981 innehat, will er jetzt in jüngere Hände legen. Unser Bild zeigt Peter Steinbach vor dem Gebäude des THW-Ortsvereins Hoya.
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Peter Steinbach aus Hoya ist international bekannt und renommiert als der „Brückenbaupapst“ des Technischen Hilfswerks (THW). Sein Amt als Vorsitzender der THW-Helfervereinigung Hoya, das er seit der Gründung 1981 innehat, will er jetzt in jüngere Hände legen. Unser Bild zeigt Peter Steinbach vor dem Gebäude des THW-Ortsvereins Hoya.

Hoya – Seit bald 40 Jahren ist Peter Steinbach Vorsitzender der Hoyaer Helfervereinigung des Technischen Hilfswerks (THW). „Jetzt möchte ich dieses Amt gern in jüngere Hände legen“, sagt er im Gespräch mit der Kreiszeitung. Die Entscheidung ist ihm, einem Urgestein des THW, nicht leichtgefallen. Während der Jahreshauptversammlung der Helfervereinigung will Peter Steinbach diesen Entschluss in die Tat umsetzen. Auch der stellvertretende Vorsitzende, Horst Oetzel, will sich der Verjüngung des Vorstands anschließen und sein Amt abgeben. Beide müssen ihren Vorstandsposten allerdings noch eine Weile beibehalten. Denn die turnusmäßig im Januar vorgesehene Jahreshauptversammlung kann wegen der coronabedingten Einschränkungen voraussichtlich erst im Mai stattfinden.

Peter Steinbach blickt nun auf eine beispielhafte Karriere beim THW zurück, die 1968 begann, als er Mitglied des THW-Ortsvereins Wertheim am Main wurde. Peter Steinbach arbeitete seinerzeit als Angestellter im Bauamt der Stadt Wertheim. Seine Aufgaben als THW-Helfer führten ihn oft nach Hoya, wo er an der Katastrophenschutzschule an Lehrgängen teilnahm. Der Anfang der 1970er-Jahre brachte bedeutende neue Schritte in Peter Steinbachs Leben. Die nahe Landesgrenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern ermöglichten grenzüberschreitende Besuche, und so lernte er seine spätere Ehefrau Agnes im bayrischen Rickelbach kennen. Die beiden heirateten noch 1971 in Süddeutschland.

Schon 1972 folgte ein Ortswechsel in den hohen Norden, der sich als dauerhaft erweisen sollte. Die frischgebackenen Eheleute zogen nach Hoya, als Peter Steinbach hauptberuflich zur dortigen Außenstelle der Katastrophenschutzschule des Bundes ging. Damit vollzog sich auch sein Übertritt als ehrenamtliches Mitglied des THW-Ortsverbands Wertheim zum THW-Ortsverband Hoya. In der Grafenstadt an der Weser wurden Agnes und Peter Steinbach rasch heimisch. Vier Kinder – zwei Söhne und zwei Töchter – sowie acht Enkelkinder gingen aus ihrer Ehe hervor. Alle leben nicht weit entfernt.

„Ohne das Verständnis meiner Frau und meiner Familie“, sagt Peter Steinbach, „hätte ich vieles nicht tun können.“ Und es ist eine stattliche Liste verdienstvoller Tätigkeiten, die sich zu seinem Lebenswerk summieren. 1990 wurde die Katastrophenschutzschule zur THW-Bundesschule und Steinbach damit – neben dem Ehrenamt im THW-Ortsverband Hoya – hauptamtlich Fachlehrer mit den Schwerpunkten Ausbildung der Bootsführer, Brückenbau und Führungsausbildung. Zusätzlich folgte 1981 mit der Gründung der THW-Helfervereinigung Hoya ein weiteres Ehrenamt als deren Vorsitzender.

Die Helfervereinigung folgt dem gemeinnützigen Zweck, die Aufgaben des THW-Ortsverbands Hoya finanziell zu unterstützen – unter anderem vornehmlich auch die Jugendarbeit und die Kameradschaft der ehrenamtlichen Helfer. Seit nunmehr 40 Jahren übt er ununterbrochen das Amt des Vorsitzenden der Helfervereinigung aus, die zurzeit nicht weniger als 250 Mitglieder zählt. Seit 1990 ist Peter Steinbach überdies THW-Kreisbeauftragter für den Landkreis Nienburg und THW-Fachberater im Katastrophenschutzstab des Landkreises sowie beratendes Mitglied im Ausschuss für Brandschutz und Rettungswesen. 20 Jahre lang war er außerdem Mitglied des Rats.

Als „Brückenbaupapst“ ist Peter Steinbach weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Den ehrenvollen, inoffiziellen Titel erwarb er durch seine Arbeit als Ausbilder und insbesondere als Leiter von Katastropheneinsätzen weltweit. „Demut und Freude am Helfen“, überschreibt der heute 72-jährige Peter Steinbach seine insgesamt neun Auslandseinsätze im Dienste der Menschlichkeit. Herausragend war 1997 der Einsatz nach einem Erdbeben in Ecuador. Dort baute er mit seinem Team eine Seilbahn über den Rio Aguarito an die Stelle einer zerstörten Brücke und zusätzlich eine Hängebrücke über eine 110 Meter tiefe Schlucht.

Eine 53 Meter lange Bailey-Brücke baute Peter Steinbach mit seinen Helfern 1990 über den Grenzfluss Dawa zwischen Somalia und Äthiopien. 1994 folgte der Bau eines Lagers für Flüchtlinge aus Bergkarabach in Aserbaidschan. Nach dem Genozid in Goma, Zaire, der jetzigen Republik Kongo, versorgten Steinbach und die Helfer Flüchtlinge und Stadtbewohner nach einem Choleraausbruch durch den Bau von Aufbereitungsanlagen mit sauberem Trinkwasser. Das gleiche Einsatzziel stand 1996 in Ruanda auf dem Dienstplan von Peter Steinbach und seinem Team.

Eine Erkundungsreise führte ihn 1997 nach Kenia, Tansania und Uganda, wo er für die Vereinten Nationen nach dem Klimaphänomen El Niño, das für Orkane, sintflutartige Regenfälle und Flutkatastrophen sorgt, eine Schadensaufnahme durchführte. 1998 ging es nach Tschechien, wo nach Hochwasser ein Brückenbau auf dem Einsatzplan von Peter Steinbach stand. In Honduras bauten er und seine Mitstreiter 1999 nach dem Hurrikan „Mitch“ insgesamt drei Bailey-Straßenbrücken. Sein letzter Auslandseinsatz führte Peter Steinbach 2002 nach Afghanistan. Dort erkundete er im Auftrag der deutschen Regierung Kriegsschäden an der Infrastruktur – etwa Krankenhäusern, Schulen, Brücken und Straßen.

Von Horst Friedrichs

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