Pastorin referiert vor Landfrauen / Clownin stellt ihre Arbeit vor / Volles Haus

„Landwirte und Verbraucher kennen einander zu wenig“

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Volles Haus bei der Versammlung.

Von Horst Friedrichs. Bevor sie zum nächsten Termin hastete, erzählte Clownin Siba noch schnell einen Witz. Die Pointe: „Wenn Gott eine Frau wäre, hätte sie mit uns geredet.“ Damit schlug Siba alias Sabine Voß aus Asendorf den Bogen zum Beruf Ricarda Rabes: Pastorin und Referentin beim kirchlichen Dienst auf dem Land der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Der Vortrag, den Ricarda Rabe zum Thema „Landwirtschaft im Spannungsfeld der Gesellschaft“ hielt, stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Landfrauen-Vereins Hoya am Donnerstagnachmittag im Bücker Gasthaus Thöle.

Die Vereinsvorsitzende Claudia Bartels (Bruchhausen-Vilsen) begrüßte unter den Gästen auch Vorsitzende benachbarter Landfrauen-Vereine und führte durch das Programm. Nachdem Clownin Siba das Publikum im voll besetzten Saal mit ihrer gezielt ansteckenden Heiterkeit zum Lachen gebracht hatte, folgten eine gemütliche Kaffee-und-Kuchen-Runde und das Thema des Nachmittags: die Landwirtschaft. Neben dem Wolf, so Claudia Bartels in ihren einleitenden Worten, sei die Landwirtschaft heute ein Thema, das die Zeitungen fülle. Zu den Aufgaben, die sich der Landfrauen-Verein gestellt habe, gehöre es auch, sich mit den Aspekten des Lebens im ländlichen Raum zu befassen.

Die Referentin Ricarda Rabe outete sich zunächst als Kind des Hoyaer Lands: „Ich bin eine geborene Suhr, stamme aus Martfeld.“ Dort ist sie auf dem Hof ihrer Eltern groß geworden.

„Die Gesellschaft ist weit weg von der Landwirtschaft“, sagte Ricarda Rabe, die als Pastorin in Nienburg und Steimbke gearbeitet hat, bevor sie in der evangelisch-lutherischen Landeskirche „Pastorin für Kirche und Landwirtschaft“ wurde. Es zeichne sich eine Änderung im Bewusstsein der Menschen von heute ab, sagte sie: „Großstädter pflanzen Gemüse auf ihren Balkonen“, und Schrebergärten seien der Renner.

„Es gibt mehr als PiPaPo“, erklärte Rabe und lieferte die Erklärung für die Abkürzung gleich mit. „Pizza, Pasta und Pommes sind nicht alles, womit man sich ernähren kann. Das müssen viele Menschen erst erfahren.“ Fragen wie „Muss man Spargel schälen?“ oder „Kommen Pommes wirklich aus so einer dreckigen Kartoffel?“ seien ein Zeichen für die Entfremdung der Landwirtschaft von der Gesellschaft. Hinzu komme, dass das Fernsehen Bilder von der Landwirtschaft liefere, die mit der Realität nichts zu tun haben. Im Übrigen gebe es viele Verbraucher, die gern mehr Geld für Qualität – etwa beim Fleisch – ausgeben würden, es sich aber nicht leisten können.

Bilder, zum Beispiel aus der Massentierhaltung, setzten sich im Kopf fest, wie Rabe schilderte. Falsch sei es auf jeden Fall, wenn Landwirte sagen: „Wir machen alles richtig, und jeder, der uns kritisiert, hat keine Ahnung.“ Die Landwirtschafts-Pastorin fügte hinzu: „Die Kenntnis voneinander ist auf beiden Seiten sehr gering. Deshalb sollten Landwirte und Verbraucher aufeinander zugehen und einander zuhören.“

Clownin Siba hatte zuvor ihre Arbeit in Kliniken, Hospizen und Seniorenheimen geschildert. „Älteren Menschen zu begegnen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe“, erzählte Sabine Voß, und in Bezug auf ihre Besuche in Hospizen: „Man kann auch lachen, wenn man ganz, ganz traurig ist.“

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