Für Papa - gegen die Krankheit

Lars Rokitta tritt bei der Parkinson-Tischtennis-Weltmeisterschaft in Berlin an

Gut vorbereitet: Lars Rokitta misst sich vor der Weltmeisterschaft noch mit Trainer Christian Kautz im heimischen Garten.
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Gut vorbereitet: Lars Rokitta misst sich vor der Weltmeisterschaft noch mit Trainer Christian Kautz im heimischen Garten.

Eystrup – Parkinson ist eine erschütternde Diagnose, auch für Lars Rokitta war es ein Schock. Doch verzichten möchte er wegen seiner Krankheit auf nichts – schon gar nicht auf den Sport.

Parkinson ist für viele eine erschütternde Diagnose, auch für Lars Rokitta war es 2015 zunächst ein Schock. Doch verzichten möchte er wegen seiner Krankheit auf nichts – schon gar nicht auf den Sport. Ganz im Gegenteil: Der Eystruper tritt ab Donnerstag für das deutsche Team bei der Parkinson-Tischtennis-Weltmeisterschaft an. Für den örtlichen Turn- und Sportverein (TSV) übernimmt Lars Rokitta auf diese Weise eine Vorbildfunktion und zeigt, dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen sportlich nicht unbedingt Grenzen gesetzt sind.

Bereits in seiner Jugend stand der Eystruper schon an der Platte, sein Vater führte ihn damals an den Sport heran. Nebenbei spielte er noch Fuß- und Basketball. „Schlussendlich habe ich mich dann für den Fußball entschieden und meine Tischtennis- und Basketballzeit beendet“, erinnert sich der 55-Jährige. Erst seit knapp acht Wochen hat er nun wieder den Tischtennisschläger in der Hand – und das dank einer Arbeitskollegin. Sie war es nämlich, die den Eystruper mit einer Nachricht auf die Parkinson-Tischtennis-Weltmeisterschaft hingewiesen hat. Kurzerhand war die Anmeldung dafür abgeschickt. „Schon einen Tag später kam die Bestätigung“, sagt Lars Rokitta.

Anfang Juli nahm das Ganze dann richtig Fahrt auf. Denn nach so langer Pause musste Rokitta natürlich erst einmal wieder trainieren, wobei ihn Christian Kautz, der Tischtennis-Spartenleiter des TSV, tatkräftig unterstützt. Zweimal die Woche stehen die beiden nun an der Platte und lassen den Ball über das Netz hüpfen. „Das hat in mir schnell wieder den altbekannten Automatismus wach werden lassen“, freut sich Lars Rokitta. Diesbezüglich gelte ein großer Dank auch Trainer Reiner Senning und Norbert Hase aus Varel. Letzterer habe ihm die ersten Schritte in die Ping Pong Parkinson-Szene erleichtert.

Die Bronzemedaille ergatterten Lars Rokitta und sein Partner Wolfgang Hoelscher-Obermaier im Doppel bei den German Open.

Seine Krankheit behindere ihn beim Tischtennis so gut wie gar nicht, dafür würden die richtigen Medikamente sorgen. Wie viele andere Parkinson-Patienten leidet der Eystruper zwar nicht an einem Tremor, einem rhythmischen Zittern, dafür kämpft er mit einer Steifigkeit im ganzen Körper. „Wenn ich die Medikamente nicht nehme, äußert sich das an meinem Gang, und meine Sprache verlangsamt sich“, erklärt er. Anderen ergehe es aber viel schlimmer als ihm.

Am vergangenen Wochenende ging es für den 55-Jährigen bereits nach Nordhorn zu den Ping Pong Parkinson German Open, einem international offenen Tischtennisturnier für an Parkinson erkrankte Personen. „Ich habe einige beobachten können, die beispielsweise aufgrund ihrer Krankheit enorm gezittert haben. Andere konnten zunächst nicht einmal den Stuhl verlassen“, erinnert sich der Eystruper an seine Eindrücke. Doch alles veränderte sich, sobald sie den Schläger in der Hand hatten. „Was Tischtennis aus Menschen mit einer solchen Beeinträchtigung machen kann, ist der Wahnsinn“, sagt Lars Rokitta und weist in diesem Zuge auf eine japanische Studie hin. Deren Ergebnisse hätten gezeigt, dass Tischtennis-Spielen bei Parkinson-Patienten zu signifikanten Verbesserungen beim Sprechen, Schreiben und Aufstehen sowie in Bezug auf die Körperhaltung, Steifheit und Langsamkeit führen kann. „Darüber hinaus soll der Sport durch das Überkreuzdenken die Bildung von neuen Synapsen anregen“, weiß er.

Lars Rokitta (rechts) und sein Partner Wolfgang Hoelscher-Obermaier im Doppel.

Bei den German Open konnte er im Doppel die Bronzemedaille ergattern. „Ich habe dort in Gedenken an meinen kürzlich verstorbenen Vater gespielt“, meint Rokitta und zeigt auf sein Trikot mit der Aufschrift „Danke Papa“. Im Einzel hätte es jedoch besser für ihn laufen können, „doch ich wurde leider direkt in die Gruppe der 20 besten Spieler eingeteilt“. Doch auch die gute Bewertung im Training, die zu dieser Einteilung führte, sei bereits ein Erfolg. Um Erfolg geht es dem Eystruper aber eigentlich gar nicht, viel mehr möchte er sich mit anderen Parkinson-Patienten austauschen.

„Das ist wie eine Art Selbsthilfegruppe“, beschreibt Rokitta den Mehrwert, den er aus der Teilnahme an den German Open gezogen hat. Ähnliches hofft er, nun auch bei der Weltmeisterschaft in Berlin zu finden. Dort trifft der Eystruper auf knapp 150 andere Teilnehmer aus rund 25 Nationen. Zusätzlich gibt ihm der TSV noch einen weiteren Anreiz: „Wenn du unter die besten Fünf kommst, gibt es einen Eintrag ins Goldene Buch“, verspricht der Vereinsvorsitzende, Jürgen Dieckhoff, und überreicht Rokitta eine Vereinstasche, die er mit nach Berlin nehmen könne. Zusätzliche Unterstützung erfährt der Tischtennis-Spieler vom Verein „Hafensängern und Puffmusikern“ sowie vom Autoservice Aschsche aus Dörverden und Türe-Öngel Immobilien aus Eystrup. „Die beiden Letzteren sind Freunde von mir“, freut er sich über deren Hilfe.

Seine Frau sowie seine Kinder, seine Mutter und seine Schwester werden Lars Rokitta nach Berlin begleiten, um ihn bei den Wettkämpfen anzufeuern. Und wenn er auch nicht als Weltmeister nach Hause kommen sollte, für den TSV Eystrup gilt er schon jetzt als Vorbild für andere Menschen mit Beeinträchtigungen. „Deswegen möchten wir im Verein ein integratives Sportangebot aufziehen, nicht nur für Tischtennis, sondern auch für alle anderen Sportarten. Aktuell sind wir noch im Gespräch mit dem Kreis- und Landessportbund, um die Fördermöglichkeiten zu prüfen“, sagt Jürgen Dieckhoff. Mit diesem Projekt soll die Hemmschwelle, mit der einige möglicherweise noch zu kämpfen haben, beseitigt werden.

Zum Livestream

Interessierte können das Spiel von Lars Rokitta und den anderen Teilnehmern der Weltmeisterschaft per Livestream bei Youtube unter dem Stichwort „yuvedo Fundation“ anschauen.

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