Olaf Heye aus Hoya pflanzt Weidenlauben-Kunstwerk und plant Kathedrale

Es soll Jahrhunderte wachsen

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Diese drei ersten Weidenlauben unterschiedlicher Größe sind durch einen Gang miteinander verbunden und gehören zum entstehenden Gesamtkunstwerk „Dreamcatcher“ (Traumfänger).

Von Horst Friedrichs. Ein Kunstwerk wächst am nördlichen Stadtrand Hoyas. Hohe Lauben aus Weidenruten sind es, die vielen Vorbeifahrenden im Winkel der sich kreuzenden Landesstraßen bei der „Classic“-Tankstelle zunächst Rätsel aufgaben. Olaf Heye, der auf seiner dortigen Ackerfläche ein Jahrhundertprojekt verwirklichen will, lüftete nun das Geheimnis. Schon in Kürze sollen die wachsenden Weidenlauben ein augenfälliges Zeichen für das Projekt „Dreamcatcher“ (Traumfänger) setzen; dann nämlich, wenn die Lauben weihnachtlich beleuchtet werden.

Der Lichtergruß an Besucher und heimkommende Einwohner der Grafenstadt wird letztlich eine Ahnung davon aufkommen lassen, wie das Gesamtkunstwerk in ferner Zukunft einmal aussehen wird.

„Die Vollendung des Werks werden noch nicht einmal unsere Urenkel erleben“, sagt Olaf Heye. „Die Langsamkeit des Prozesses gibt die Natur vor, in die wir lediglich behutsam steuernd eingreifen.“ Wir, das sind Heye als Ideengeber sowie eine tatkräftige Schar von Helfern. Die Formen, die das Vorhaben schon jetzt annimmt, lassen in der Tat ahnen, was einmal daraus werden wird. Unter anderem sollen Weidenbau-Fans aus aller Welt eingeladen werden, wenn in einem weiteren Pflanzabschnitt eine regelrechte Kathedrale von 400 Quadratmetern Grundfläche entsteht.

Olaf Heye sparte einen ersten Teil seiner Ackerfläche im Kreuzungswinkel von der Bewirtschaftung aus, um das entschleunigte Wachstum Platz greifen zu lassen. Dabei sind Weiden vergleichsweise schnell wachsende Pflanzen, die es dem Initiator ermöglichen, solche Bestandteile wie „Dreamcatcher“ und Kathedrale zu verwirklichen.

Für die Lauben wurden lange Weidenruten verwendet, die, am unteren Ende geschält, einen Meter tief in die Erde gesetzt wurden. Die Ruten wurden in ihre Lauben-Form gebogen und an bestimmten Stellen zusammengeschnürt, sodass sie durch Überwallen eine natürliche Verbindung entstehen lassen. Die derzeitigen Lauben haben acht, sechseinhalb und drei Meter Durchmesser und sind durch einen Gang miteinander verbunden.

„Die Zeit erhält an diesem Ort der Stille eine andere Dimension“, sagt Olaf Heye. „Der Betrachter soll hier in sich gehen können.“ Die 105000 Quadratmeter große Ackerfläche, „Langer Kamp“ genannt, wurde schon während der vergangenen 15 Jahre durch verschiedene Anpflanzungen an den Rändern optisch aufgewertet – durch Platanen, Bergahorn und hochstämmige, stark blühende Zierkirschen.

Familientreff im begehbaren Kunstwerk: (von links) Aurora, Yvonne, Tayler und Olaf Heye.

Heye hofft, damit ein Beispiel zu geben: „Solche Kirschen könnten auch an vielen anderen Straßen und Wegen gepflanzt werden. Das würde der Samtgemeinde ein weiteres, besonderes Alleinstellungsmerkmal geben, und viele Menschen würden durch die Kirschblüte angelockt. Schon jetzt haben meine Anpflanzungen Nachahmer gefunden.“ Der „Dreamcatcher“, nach dem er das Gesamtkunstwerk benannt hat, soll unmittelbar hinter den Weidenlauben installiert werden und das wesentliche Merkmal des ersten Pflanzabschnitts darstellen.

Der Traumfänger besteht aus einem Weidenreifen, in den ein kunstvolles Netz aus Pferdehaarschnüren eingeflochten wird. Dies soll nach indianischer Sitte an ein Spinnennetz erinnern, in dem die Spinne ihre Beute, in diesem Fall die schlechten Träume, einfängt. Die angenehmen Träume, so die Theorie, werden hindurchgefiltert und erreichen den unter dem Traumfänger schlafenden Menschen als positive Energie.

Schon 2016 soll sowohl der Traumfänger entstehen als auch mit dem Pflanzen der Kathedrale begonnen werden. Letztere soll an der Nordseite (Richtung Mehringen) des Langen Kamps entstehen.

„Erst unsere Nachfahren werden die Kathedrale in voller Pracht sehen“, erläutert Olaf Heye. „Das kann man erahnen, wenn man sich vorstellt, dass die ebenfalls eingeplanten Rotbuchen bis zu ihrem 200. Lebensjahr an Wachstum zulegen. Die Bäume bilden Säulen wie bei einer richtigen Kathedrale. Die Seitenschiffe wachsen langsam empor, und die Baumkronen formen ein Dach aus Blättern und Ästen.“ Wenn Sonnenstrahlen durch das Laubdach brechen und die Räume fluten, so malt es sich Olaf Heye aus, werden zukünftige Generationen einen überwältigenden Anblick genießen können.

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