Maßnahmen-Verschärfung

„Notbremse“ tritt in Kraft: Diese Regeln gelten für Hoyas Einzelhandel

Auf einen Testtermin in der Lindenapotheke in Eystrup kann man schon einmal rund drei Tage warten.
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Auf einen Testtermin in der Lindenapotheke in Eystrup kann man schon einmal rund drei Tage warten.

Hoya – Gerade erst schien sich die Corona-Lage zu entspannen, nun zieht der Landkreis die „Notbremse“. Das verändert sich für den Einzelhandel, Schulen und Kitas in der Samtgemeinde Hoya an.

Gerade erst schien es so, als hätte sich die Corona-Lage etwas entspannt: Die Infektionszahlen sanken und Hoffnung kam auf. Zuletzt sah es sogar so gut aus, dass der Landkreis Nienburg entscheiden konnte, Schulen und Kitas wieder zu öffnen (wir berichteten). Auch Einzelhändler und Kunden ermöglichte das „Click and Meet“-Konzept wieder ein Stückchen mehr Normalität.

Doch nun steigen die Zahlen wieder und der Inzidenzwert überschreitet nunmehr seit drei Tagen die kritische 100er-Marke, sodass der Landkreis Nienburg die vom Bund verordnete „Notbremse“ ziehen muss. Damit treten ab morgen verschärfte Regeln in Kraft. Die Kreiszeitung hat sich bei einigen der betroffenen Einzelhändler und Institutionen erkundigt, was für Änderungen anstehen und wie sie damit umgehen.

„Das Hin und Her mit den Beschlüssen ist der reinste Wahnsinn“, sagt Silke Matthiesen-Sonntag. Die Inhaberin von „Naturwaren Sonntag“ in Hoya befürchtet, dass durch die neuen Regelungen nun gar keine Kunden mehr in ihr Geschäft kommen würden. „Mit der Notbremse ist das ,Click and Meet and Test‘-Konzept möglich. Kunden dürfen bis zu einem Inzidenzwert von 150 zwar weiterhin den Laden betreten, Voraussetzung dafür ist allerdings die Vorlage eines negativen Testergebnisses. Das Problem daran ist jedoch, dass ein Selbsttest nicht ausreicht. Stattdessen muss es ein Test sein, der von einer anerkannten Teststelle durchgeführt wurde“, erklärt sie.

In der näheren Umgebung gibt es jedoch nur wenige Einrichtungen, die solche Abstriche durchführen. Darunter beispielsweise die Gemeinschaftspraxis Binnewies und Ernst sowie die Lindenapotheke in Eystrup (wir berichteten). „Wie ich von Kunden gehört habe, sei es jedoch schwierig, spontan an einen Termin zu kommen“, berichtet Silke Matthiesen-Sonntag.

Der Pausenhof des Johann-Beckmann-Gymnasiums in Hoya bleibt leer. Die Schüler wechseln ab morgen wieder in den Distanzunterricht.

Die Nachfrage sich in der Eystruper Apotheke testen zu lassen, sei derzeit riesig, bestätigt Chefin Carolin Buberl. Um diese überhaupt bewältigen zu können, habe sie zusätzliche Mitarbeiter einstellen müssen, die sich ausschließlich um die Abstriche kümmern würden. Spontan einen Testtermin zu ergattern, sei ein Problem. „Eine Vorlaufzeit von drei Tagen sollte schon eingeplant werden“, verrät sie. Tagtäglich erhalte die Apotheke diesbezüglich gleich mehrere Anrufe.

„Hier und da gibt es mal einen freien Termin und wir geben unser Bestes, kurzfristig noch jemanden dazwischen zu schieben. Einige spontane Anfragen mussten wir aber schon ablehnen“, sagt sie. Sie rät, sich einen Termin über das Terminvergabe-Tool unter www.lindenapotheke-eystrup.de zu sichern, es sei aber auch eine telefonische Vereinbarung möglich.

Silke Matthiesen-Sonntag von „Naturwaren Sonntag“ meint: „Die Kunden sind eh schon total verunsichert, weil niemand so recht weiß, was an dem aktuellen Tag für Regelungen gelten. Einige von ihnen stehen ratlos vor der Tür oder kommen erst gar nicht.“ Mit dem „Click and Meet“-Konzept sei sie bisher sehr zufrieden gewesen. „In Bezug auf die Umsätze ist das aber auch nicht mit den ,normalen‘ Zeiten zu vergleichen“, so die Inhaberin. Durch die „Notbremse“ werde ihrer Meinung nach jetzt alles noch komplizierter. Spontane Einkäufe seien damit nicht mehr möglich, weswegen sie davon ausgeht, dass wenige bis gar keine Kunden mehr in ihr Geschäft kommen werden.

In Großstädten gebe es bereits kleine Teststellen, an solchen würde es in Hoya jedoch fehlen. „Gebe es eine Möglichkeit, sich spontan und schnell testen lassen zu können, könnten auch die Geschäfte am Laufen gehalten werden“, vermutet sie. Sobald die „Notbremse“ in Kraft trete, werde sie voraussichtlich auf das bewährte „Click and Collect“-Konzept zurückgreifen, bei dem Kunden im Voraus die gewünschten Artikel bestellen und anschließend abholen könnten.

Ähnlich werde es auch für das Fachgeschäft für Haushaltsgeräte „Weber und Wohlers“ in Hoya laufen, meint Walter Weber, einer der Unternehmer. Auch er gehe davon aus, dass die neuen Regelungen zu noch weniger Kundschaft führen würden. „Ich denke nicht, dass jemand einen Test vorlegen möchte, wenn es nur um den Kauf eines kleinen Geräts wie beispielsweise um ein Radio geht. Anders sieht es vielleicht bei Großgeräten aus“, vermutet er. Darüber hinaus mache dem Fachgeschäft auch die Konkurrenz durch die Supermärkte zu schaffen. „Einige unserer Artikel sind auch dort zu finden, weswegen ich befürchte, dass viele Kunden auf diese Möglichkeit ausweichen werden.“

Tütchen packen, lautet die Devise in Silke Matthiesen-Sonntags Geschäft in Hoya. Kunden können die gewünschten Artikel bei ihr vorbestellen und anschließend abholen.

Für das Team vom „Eine Welt Laden“ in Hoya ändert sich hingegen nichts. Das Geschäft sei auch weiterhin geschlossen, biete aber – wie zuvor auch – donnerstags von 10 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr einen Abholservice an, erläutert Ute Bretschneider, eine der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Die Kunden könnten telefonisch Artikel bestellen und anschließend abholen.

Die Vorlage eines negativen Testergebnisses von einer der anerkannten Teststellen wird ab morgen auch in dem Augenoptikergeschäft „Akustik-Optik Huth“ in Hoya verlangt – jedenfalls von Kunden, die Schmuck oder Uhren kaufen möchten. Wer darauf verzichten will, könne aber auch weiterhin das „Click and Collect“-Prinzip nutzen, meint Geschäftsführerin Heike Huth. Der Bereich Akustik und Optik hingegen habe aufgrund der Relevanz für das System einen Sonderstatus. Reparaturarbeiten seien ebenfalls von den neuen Regelungen ausgeschlossen.

Die „Notbremse“ zwingt auch die Schüler des Johann-Beckmann-Gymnasiums in Hoya, nach nur zwei Tagen ihre Sachen wieder zu packen und zurück in den Distanzunterricht zu wechseln. Erst am Montag hieß es noch vonseiten des Landkreises, Schulen und Kitas dürften wieder öffnen, ab Mittwoch gilt nun aber erneut das „Szenario C“. Schulleiter Lutz Bittner fasst die derzeitige Stimmung mit den Worten „zwischen Frust und Gelächter“ zusammen.

Bereits vergangene Woche habe er geahnt, dass eine erneute Schließung drohe, und sprach sich dafür aus, die Schule gar nicht erst wieder zu öffnen, sondern abzuwarten, bis die Lehrer der weiterführenden Schulen geimpft seien. „Die Schuld liegt aber weder beim Landkreis noch beim Schulamt, sondern einzig und allein beim Virus“, betont er. Bittner ist dankbar für den guten Draht zu beiden Institutionen und meint: „Ich denke, wir befinden uns in einer Situation, in der man nichts richtig machen kann. Sowohl der Landkreis als auch das Schulamt verdienen unsere Anerkennung.“

Neben den Schulen sind auch die Kitas in der Samtgemeinde von den neuen Regelungen betroffen. Diese dürfen ab morgen lediglich eine Notbetreuung in Kleingruppen anbieten.

Die Maßnahmen, die mit der „Notbremse“ einhergehen, treten erst wieder außer Kraft, wenn der Inzidenzwert an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen die kritische Marke von 100 unterschreitet, heißt es auf der Webseite des Landkreises.

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