Kunstwerk „Hörmal“ aufgestellt

Regionalbischöfin weiht neugestaltete „Nazi-Glocke“ ein

Das Kunstwerk „Hörmal“ wird mit einem Kram vor der Schweringer Kirche aufgestellt. Foto: Tineke Jarecki
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Das Kunstwerk „Hörmal“ wird mit einem Kram vor der Schweringer Kirche aufgestellt.

Schweringen – Die „Nazi-Glocke“ in Schweringen läutet wieder. Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr weiht am Pfingstsonntag die stillgelegte und nun künstlerisch neugestaltete Glocke der Schweringer Kreuzkirche ein, teilt der evangelisch-lutherische Sprengel Hannover mit. Die Nürnberger Künstler Hannes Arnold und Klaus-Dieter Eichler enthüllen zudem das vor der Kirche errichtete Kunstwerk „Hörmal“.

In die quaderförmige Skulptur ist seitlich eine Öffnung eingearbeitet, die an die Gussform der Glocke erinnert. Spricht jemand in diese Aushöhlung hinein, reflektiert der Schall. Nach der Idee der Künstler sei der Betrachter so aufgefordert, „seine Position zur Geschichte zu bedenken“. Aus einem Denkmal werde so ein „Hörmal“.

„Die kritische Beschäftigung mit der Glocke war langwierig, aber notwendig. Nun herrscht Klarheit über ihre Geschichte. Die künstlerische Neugestaltung versteckt nichts davon, fragt nach Versöhnung und richtet den Blick so gleichzeitig nach vorn“, sagt Regionalbischöfin Bahr.

Die Glocke hat eine neue Beschriftung erhalten, die die noch vorhandene Inschrift wie auch die weggefrästen Stellen überschreibt. So sollen nach Vorstellung der Künstler „die Spuren der Zeiten durchscheinen“, aber gleichzeitig auch „das neue Verständnis und die Haltung zur Vergangenheit“ markiert werden.

Die Glocke hat eine neue Beschriftung erhalten und wird am Pfingstsonntag eingeweiht.

Auf der Glocke zu lesen, ist ein biblischer Vers aus dem Neuen Testament (Matthäus-Evangelium 16,26): „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“

Das rund 1,70 Meter hohe Kunstwerk am Fuße des Kirchturms ist aus gemahlenem Klinker angefertigt, dem lokales Steinmaterial aus Schweringen zugesetzt wurde. In den Monolithen ist das Bonhoeffer-Zitat „Vergebung ist ohne Anfang und Ende“ eingraviert. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer war ein bekannter kirchlicher Widerstandskämpfer im Dritten Reich, der von den Nationalsozialisten kurz vor Kriegsende hingerichtet wurde.

„Vergebung ist eine dauernde Aufgabe. Auf diese Verantwortung wollten wir hinweisen. Vergebung haben wir nicht selbst in der Hand. Sie kann nur erbeten werden. Diese Bitte beten wir täglich im Vaterunser“, erläutert Pastorin Tineke Jarecki die Textauswahl.

Mit der neueingeweihten Glocke kann die Schweringer Kapellengemeinde künftig wieder mit vollem Glockengeläut zu Gottesdiensten einladen. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation und den landeskirchlichen Hygieneregelungen könne der Festakt um 15 Uhr am Pfingstsonntag in Schweringen lediglich in einem kleinen, nichtöffentlichen Rahmen stattfinden, teilt die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover, dem die Kapellengemeinschaft Schweringen angehört, mit.

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