Bürgerinitiative begleitet weiterhin die Planung

Neuer Vorschlag für Stromtrassen-Führung

Gruppenbild mit Strommasten in Warpe: Von der Bürgerinitiative informierten (von links) Ingo Schönfelder, Christine Brünjes, Hans Kaufmann, Frauke Gieße-Claus, Horst Hahlbohm, Jörg Herb und Günter Brünjes über ihren aktuellen Vorschlag zum Verlauf des Stromtrassen-Neubaus. - Foto: Michael Wendt

Warpe - Die „Bürgerinitiative gegen den Trassenwahnsinn“ (BI) lernt dazu und gibt nicht auf im Bemühen um einen neuen Verlauf der Stromtrasse von Stade nach Landesbergen. Durch die Einhaltung von Mindestabständen sollen die Anlieger möglichst gut vor der gesundheitsgefährdenden elektromagnetischen Strahlung geschützt werden, die von den Leitungen ausgehen.

Den ersten Entwurf der BI für eine unterirdische Stromtrasse durch die Weseraue hatte der Bauherr Tennet als „nicht gesetzeskonform“ abgelehnt. Deshalb präsentiert die Bürgerinitiative nun einen neuen, deutlich anderen Entwurf. „Unser Ziel ist es, immer 200 Meter Abstand von Einzelhöfen und Streusiedlungen zu halten und 400 Meter zu Siedlungen“, sagt Günter Brünjes aus Warpe.

Er ist selbst unmittelbar von der bisherigen 220-Kilovolt-Stromtrasse betroffen, die durch einen auf 380 Kilovolt Spannung ausgelegten Neubau ersetzt werden soll – wo möglich in unmittelbarer Nachbarschaft zur bisherigen Leitung.

60 Meter vom Wohnhaus der Familie Brünjes entfernt steht ein Mast der alten Stromleitung. Direkt dahinter läuft eine zweite Überlandleitung. In einem Gespräch mit Tennet gab Brünjes Ende 2014 zu bedenken, dass bei einem Neubau ein Mast zumindest teilweise in seinem Garten stünde. Darauf habe ein Tennet-Vertreter entgegnet: „Enteignung ist für uns kein Fremdwort.“ Aus dieser für ihn heute noch unglaublichen Reaktion zieht Günter Brünjes seine Energie für das Engagement in der Bürgerinitiative. Unaufgeregt und sachlich trägt er deren Ideen vor. Die sehen nach aktuellem Stand folgendermaßen aus:

Der aktuelle Entwurf

In der Magelser Wesermarsch entstünde ein neues Umspannwerk, das das bestehende in Wechold ersetzen soll. Tennet selbst hatte die Marsch als „Suchraum“ für ein neues Umspannwerk ins Spiel gebracht. Von dort aus solle die Leitung westlich an Wienbergen vorbeilaufen, die Weser zwischen Hoya und Hassel queren, östlich von Bücken erneut und dann zwischen Holtrup und Schweringen durch und westlich des Windparks bei Sebbenhausen Richtung Süden verlaufen. Alternativ könnte die Trasse in einem großen Bogen nördlich von Holtrup verlaufen und am Ostrand des Schweringer Walds nach Süden führen.

„Für uns steht das ,Schutzgut Mensch‘ an erster Stelle“, erklärt BI-Mitglied Hans Kaufmann aus Dedendorf. Aber eine Leitung müsse auch wirtschaftlich und technisch effizient sein, so steht es im Gesetz, betont Kaufmann. Effizient wäre die vorgeschlagene Trasse. Sie ist zwischen Langwedel und Landesbergen 17 bis 18 Prozent kürzer als die bisherige Überlandleitung.

Von Erdverkabelung spricht die Bürgerinitiative bei der Vorstellung ihres neuen Entwurfs kaum noch. Die Strecke ist so geplant, dass sie als Überlandleitung die Mindestabstände zu Gebäuden „zu 98 Prozent“ (Brünjes) einhält. Allerdings könnte östlich des Hoyaer Segelflugplatzes eine Verlegung der Kabel unter die Erde sinnvoll sein. Bei Liebenau sei dies sogar aufgrund der Siedlungsstruktur unerlässlich, sagt Brünjes. Er betont aber: „Wir haben bewusst keine Erdverkabelung vorgeschlagen. Der Entwurf soll keine Bevormundung sein, und letztendlich sind nicht wir die Planer.“

Trotzdem wünscht sich die Bürgerinitiative weiterhin für 30 Prozent der Strecke eine Verlegung unter die Erde. Schließlich ist die Trasse laut Gesetz ein Pilotprojekt für Erdverkabelung.

Ihren neuen Entwurf hat die BI vergangene Woche Tennet zugesandt sowie dem Planungsbüro Sweco und der letztlich entscheidenden Behörde, dem Amt für Regionale Landesentwicklung (ArL) in Lüneburg. „Bereits einen Tag später hat sich Stefano Panebianco vom ArL für die aktive Begleitung der Planung bedankt“, freut sich Günter Brünjes. Tennet werde den Entwurf in den nächsten Wochen prüfen, hieß es. Mit welchem Ergebnis, erfahren die Bürger wahrscheinlich erst nach den Sommerferien bei den von Tennet geplanten öffentlichen „Infomärkten“.

Gerne hätten wir eine Karte des Trassenverlaufs gezeigt. Für deren Abdruck hat uns das zuständige Landesamt jedoch nicht rechtzeitig die Erlaubnis erteilt.

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