Zweites Belebungsbecken in Eystrup in Betrieb

Neue Klärtechnik spart fast die Hälfte der Stromkosten ein

Die an Bau und Kläranlagenbetrieb beteiligten Personen vor dem neuen Klärbecken: Bauleiter Lars Stolte (Firma HI Nord), Stephan Schmidt (Fachkraft für Abwassertechnik), Planer Michael Kipsieker (Firma HI Nord), Michael Wulff (Fachkraft für Abwassertechnik), August Lustfeld und Bianca Nitsch (beide Kreisverband für Wasserwirtschaft), Henning Koröde (Samtgemeindeverwaltung) und Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer. - Foto: Michael Wendt

Eystrup - Von Michael Wendt. Ihr kurzes Leben ist eine einzige Völlerei: Konfitüre satt bekommen die Gäste des nagelneuen „Hotels“ in schnörkelloser Betonoptik, dazu reichlich frische Luft. Den Bakterien, die im Eystruper Klärbecken Schadstoffe abbauen, mangelt es an nichts.

Dem Klärwasser hingegen schon: Ammonium und Nitrat liegen unter der Nachweisgrenze, wenn das Wasser die Anlage in Richtung Weser verlässt. Das ist ein Erfolg des neuen Belebungsbeckens, das 3,3 Millionen Euro gekostet hat und nach acht Monaten Bauzeit nun in Betrieb genommen wurde.

Bezahlt hat es der samtgemeindeeigene Betrieb für Abwasserentsorgung. Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer war bei einem Ortstermin voll des Lobs für alle Beteiligten. Er sprach von einem Vorzeigeprojekt, bei dem alle Hand in Hand gearbeitet haben. Seine Aussage „Hier haben wir gute, verlässliche Firmen gehabt!“ war auch als Hinweis auf stockende oder mangelhaft ausgeführte Straßen- und Radwegbau-Projekte zu sehen.

Das neue Belebungsbecken erweitert das bestehende und ersetzt zugleich den Oxydationsgraben von 1968. „Dessen energetische Bilanz war katastrophal, und verfahrenstechnisch war er veraltet“, sagt Bianca Nitsch vom Kreisverband für Wasserwirtschaft, der die Kläranlage im Auftrag der Samtgemeinde betreibt.

Die neue Klärtechnik war teuer, spart aber massiv Kosten. Michael Kipsieker, Geschäftsführer der am Bau beteiligten Planungsgesellschaft HI Nord aus Osnabrück, erklärt, wie: „20 Prozent des kommunalen Energieverbrauchs entfallen auf die Kläranlagen. In Eystrup haben wir den monatlichen Stromverbrauch von 43 000 auf 23 000 Kilowattstunden gesenkt.“

Möglich macht dies ein modernes Belüftungssystem. Um effektiv arbeiten zu können, benötigen die Bakterien im Belebungsbecken Sauerstoff. Der wird nun über feinste Membranen in Form kleiner Blasen eingebracht. Je kleiner die Blasen, desto effektiver geht der Sauerstoff ins Klärwasser über. So muss deutlich weniger Luft gepumpt werden als früher.

Es werden aber immer noch fünf Kompressoren benötigt, wobei einer als Ausfallreserve installiert wurde. Untergebracht sind sie gemeinsam mit der Steuerungs- und Messtechnik in einem ebenfalls neu errichteten Maschinenhaus im hinteren Bereich des Kläranlagen-Geländes. Darin haben sich die Bauherren eine Heizung gespart – die Abwärme der Maschinen reicht völlig, um das Haus frostfrei zu halten.

Im Zuge des Neubaus wurde auch das alte Belebungsbecken mit der modernen Belüftungstechnik ausgestattet. So sind beide Becken auf dem gleichen Stand. Sie fassen jeweils rund 2 350 Kubikmeter Klärwasser.

In der Eystruper Kläranlage herrscht zwar kein angenehmer Geruch, aber es stinkt auch nicht fürchterlich. „Für Gestank sind Fäulnisprozesse verantwortlich“, erklärt Michael Kipsieker. Die vermeidet man durch die richtige Technik in der Kläranlage. Allerdings ist das Abwasser dorthin teilweise einen Tag unterwegs. Es kommt aus Hassel, Gandesbergen, Hämelhausen und Eystrup. „Da kann es schon mal zu Fäulnis kommen“, sagt Kipsieker.

Die groben Feststoffe sind bereits aus dem Abwasser gefiltert, wenn die Bakterien ins Spiel kommen. „Es sind die gleichen Bakterien, wie sie in Gräben und Flüssen vorkommen – nur hier haben wir sie in konzentrierter Form“, sagt Bianca Nitsch. Rund 25 Tage leben die Bakterien. Ihnen bleiben also keine vier Wochen, um das süße, mit allerlei Marmeladen-Resten aus der Konfitüren-Produktion der Firma Göbber angereicherte Eystruper Abwasser zu genießen.

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