Gemeinderat spricht außerdem über Orientierungssystem und Finanzen

Nein zum Umspannwerk in Hilgermissen

Wechold - Von Vivian Krause. Ein Schildbürgerstreich könnte die Einführung eines Orientierungssystems in der Gemeinde Hilgermissen werden. Diese Meinung äußerte Einwohner Bernd Voss bei der Sitzung des Hilgermisser Gemeinderats am Dienstagabend im Gasthaus Thielhorn in Wechold.

Anlass war der Tagesordnungspunkt „Einführung eines Orientierungssystems in der Gemeinde Hilgermissen“. Diese Überlegung hat seinen Ursprung in der Straßennamendebatte, erläuterte Jenny Kolwe (Wählerinitiative für Hilgermissen, WfH) und sagte: „Das Bedürfnis nach einem Orientierungssystem besteht.“ Sie betonte aber auch, dass der Rat nicht aus Experten bestehe, die ein solches System zaubern könnten. Daher sollten die Professoren Thomas Hofmann und Dirk Junker von der Universität Osnabrück mit ins Boot geholt werden. Die Entwicklung eines Orientierungssystems solle in zwei Phasen erfolgen. Phase eins, die bei der Ratssitzung zur Debatte stand, kostet 21 420 Euro. „Wir hoffen, dass Aufwand und Nutzen im Verhältnis stehen“, sagte Kolwe.

Workshop mit bis zu 15 Teilnehmern

Die Professoren wollen in Phase eins einen Workshop mit bis zu 15 Teilnehmern anbieten, darunter welche aus dem Rat, vom Arbeitskreis Dorfentwicklung und Experten aus dem Bereich der ortsansässigen Wirtschaft. In Phase zwei solle dann eine favorisierte Variante ausgearbeitet und zur Umsetzung vorbereitet werden.

Dirk Prange (WfH) führte an, dass bei der Straßennamendiskussion oft die Kosten ein Argument für die Ablehnung gewesen seien – 40 .000 Euro standen damals im Raum. Phase eins des nun angedachten Projekts solle bereits rund 21.000 Euro kosten, „die weiteren Kosten können noch nicht geschätzt werden“, sagte er. Und: Vielleicht kämen die Professoren zu dem Ergebnis, Straßennamen einzuführen. Dann wäre die Gemeinde die Kosten für Phase eins und zwei zusätzlich los. Eine Aussage, die unter den rund 30 anwesenden Einwohnern für Lacher sorgte. „Deshalb werde ich gegen diesen Antrag stimmen“, schloss er.

Sieben Standortmöglichkeiten

Sarah Stegmann (Wählergemeinschaft Hilgermissen, WG) hingegen sieht in dem Projekt eine Chance, etwas Einmaliges zu schaffen, was die Gemeinde besonders macht. Auch wenn die Professoren laut ihr noch keine Andeutungen gemacht haben, wie ein Orientierungssystem aussehen könnte.

Letztlich stimmte der Rat mit einer Gegenstimme dafür, das Angebot der „Science to Business GmbH“, einer Tochtergesellschaft der Uni Osnabrück, anzunehmen. Die Gemeinde will dafür Fördermittel aus der Dorfentwicklung beantragen.

Auch der Neubau eines Umspannwerks in der Samtgemeinde beschäftigte den Rat – erneut. Nach Stellungnahmen aus der Bevölkerung haben Tennet und das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) als zuständige Behörde das laufende Raumordnungsverfahren erweitert. Die Gemeinden – und auch die Öffentlichkeit – haben somit noch einmal die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. Dabei geht es nur um den Standort für das geplante Umspannwerk. Es gibt sieben Standortmöglichkeiten: zweimal Mehringen, zweimal Hoyerhagen, Wechold, Magelsen und Duddenhausen.

Der Rat stimmte bei vier Gegenstimmen (alle WfH, es fehlte Helga Tangermann) für die Stellungnahme „In der Gemeinde Hilgermissen ist kein geeigneter Standort für ein Umspannwerk gefunden worden“.

Lars Grotheer (WfH) sagte, dass ein Umspannwerk in der Gemeinde nicht wünschenswert wäre, aber der Standort Wechold die kleinste Kröte wäre, die zu schlucken wäre. Denn: Der Standort sei ohnehin durch das bereits bestehende Umspannwerk vorbelastet.

Jenny Kolwe sagte, dass man sich damit auseinandersetzen müsse, dass die Gemeinde mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Umspannwerk bekäme. Und: „Es muss eine Kompetenz von uns sein, uns mit unangenehmen Dingen auseinanderzusetzen und dann vielleicht auch mal zu sagen, was das kleinste Übel ist.“

Mit einer Gegenstimme von Rainer Fellermann (WG) votierte der Rat zudem dafür, auf das Sonderkündigungsrecht des Stromkonzessionsvertrags mit der Avacon zu verzichten. Gleichlautende Beschlüsse hatten bereits Hoya, Bücken und Schweringen gefällt (wir berichteten). Zudem beschloss der Rat den Jahresabschluss 2015 und nahm den Jahresabschluss 2016 zur Kenntnis. Johann Hustedt (WG) verpflichtete zudem Antje Meyer (WG) als neues Ratsmitglied.

Ein Bericht über die weiteren Entscheidungen des Rats folgt.

Rubriklistenbild: © dpa

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