Im Gottesdienst und der Manege

Nando Rodriguez ist Clown und Spitzenmusiker zugleich

Mit seiner Gitarre entfacht er die ganze Vielfalt der Musik: Nando Rodriguez stammt aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Im Kaffeewagen des „Piglet Circus“ gibt er während des Gastspiels in Hoya eine Kostprobe seines Könnens.
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Mit seiner Gitarre entfacht er die ganze Vielfalt der Musik: Nando Rodriguez stammt aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Im Kaffeewagen des „Piglet Circus“ gibt er während des Gastspiels in Hoya eine Kostprobe seines Könnens.

Hoya – Nando Rodriguez Karriere begann mit Gitarrenstunden bei seinem Vater. Heute ist er, was er immer werden wollte: ein Musiker von Weltrang. Er tritt mit dem Piglet Circus in Hoya auf.

„Papa, Papa, wach auf!“ Aufgeregt rüttelt der kleine Hernando Rodriguez an der Schulter seines Vaters. Aber der hält Siesta auf dem Sofa und lässt sich so schnell nicht aus seinen Träumen reißen. Doch Nando, wie den Zehnjährigen schon damals alle nennen, ist hartnäckig. Aufgeben ist nicht sein Ding. Also rüttelt er weiter und ruft seinem Vater ins Ohr:

„Aufwachen, Papa! Bitte wach auf, ich muss Gitarre spielen lernen!“ Möglich, dass es das Stichwort „Gitarre“ ist, das Rodriguez senior dann doch aufwachen lässt.

„Gitarre?“, wiederholt er. „Du? Freiwillig?“ Augenblicklich sitzt er senkrecht auf dem Sofa und hört seinem kleinen Jungen zu. Der verhaspelt sich fast mit seinen Worten, so schnell muss er seine Geschichte loswerden: „Papa, du kennst meinen Freund Javier. Er kann Gitarre spielen wie ein Weltmeister. Heute hat er bei einer Abschlussfeier in der Schule gespielt. Und alle waren begeistert – die Lehrer, die Kinder und die Eltern. Alle klatschten Beifall und jubelten. Stell dir vor, Papa, er gibt auch schon andere, richtige Konzerte. Deshalb ...“ Nando muss Luft holen.

Nestor Rodriguez streicht ihm liebevoll über das Haar und nutzt die Atempause seines Sohns, um zu Wort zu kommen. „Deshalb willst du auch Gitarre spielen, richtig?“ – „Ja, Papa“, antwortet Nando, immer noch aufgeregt. „Ich muss es unbedingt lernen.“ Sein Vater nickt nur, erhebt sich vom Sofa, nimmt seinen Sohn bei der Hand und geht mit ihm nach nebenan, ins Musikzimmer. Ohne Umschweife ergreift er eine seiner Gitarren und gibt dem Zehnjährigen die erste Unterrichtsstunde mit dem Saiteninstrument. Denn wer wäre befugter dafür als Nandos Papa Nestor, ist letzterer doch ein berühmter Tangomusiker in Argentinien. Und sein Sohn hat bei ihm gerade offene Türen eingerannt.

Die kleine aber bedeutsame Episode spielte sich 1989 in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires ab. Zugleich war es der Beginn einer außergewöhnlichen Musikerkarriere. Ohnehin in einer Welt voller Musik aufgewachsen, schlägt Nando Rodriguez den solchermaßen vorgezeichneten Lebensweg ein. Der väterliche Gitarrenunterricht war die entscheidende Weichenstellung, und heute ist Nando genau das, was er damals mit so flammender Begeisterung werden wollte: ein Meister der klassischen Gitarre und ein Musiker von Weltrang. Seine künstlerische Heimat hat er nicht von ungefähr in Sarah Schwarz’ „Piglet Circus“ gefunden, der zurzeit in Hoya gastiert.

Bereits bekannt durch die Hoyaer Kulturgottesdienste von Sarah Schwarz’ Bruder, dem Springerpastor Florian Schwarz, entfaltet Nando Rodriguez während der Zirkusvorführungen auf dem Platz hinter dem alten Rathaus an der Lindenallee die ganze Vielfalt seines Könnens. Auf seiner kleinen Bühne über der Manege ersetzt er mit seiner Gitarre ein komplettes Zirkusorchester. Virtuos erzeugt er Klangteppiche zur Spannungssteigerung und umtost tremolierend Höhepunkte. Sanfte Melodielinien sind sein Metier ebenso wie dramatisch sich steigernde Akkordaufschreie, etwa wenn dem Publikum angesichts Sarah Schwarz’ atemberaubender Akrobatik hoch oben unter der Zirkuskuppel der Atem stockt.

Sarah Schwarz und ihr Ehemann Sergio Nguyen entdeckten Nando Rodriguez 2012 in Paris durch Kontakte, die sie zu der dortigen Rockmusikszene hatten. Nando, der mit vollem Namen Nestor Hernando Rodriguez heißt, war der Liebe wegen in Frankreich gelandet. Mittlerweile spielt er neben der Gitarre auch Klavier und Mundharmonika und hat sich erfolgreich auch auf dem weiten Feld der Improvisation und der Komposition etabliert. In Paris hatte er sich dem Rock ‘n’ Roll zugewandt und mit der Band „Chamanes Cosmicos“ einen eigenen Sound entwickelt, die „Folkodelic Music“.

Sarah Schwarz und Sergio Nguyen ließen Nando Rodriguez die Faszination ihrer Zirkuswelt erleben und brauchten keine große Überredungskunst mehr, ihn für sich zu gewinnen. Heute gehört er zum Team des „Piglet Circus“ und wohnt auch mit am Stammsitz des kleinen aber feinen Zirkus in Landesbergen bei Nienburg. Indes haben die Zirkusdirektorin und ihr Ehemann nicht nur Nando in Paris entdeckt: „Ich habe auch den Clown in mir entdeckt“, sagt er schmunzelnd im Gespräch mit der Kreiszeitung. Zuschauer können Nando Rodriguez, den Musiker und Clown, regelmäßig in den Vorführungen des „Piglet Circus“ erleben. Weitere Infos gibt es unter www.pigletcircus.com.

Ihre Zusammenarbeit hat sich bereits in Myanmar bewährt, wo sie nach 40 Jahren Militärdiktatur den ersten Zirkus gemeinsam mit burmesischen Musikern aufbauten. Zurzeit arbeitet Rodriguez gemeinsam mit Schwarz an einem Projekt über den „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns. Das Ergebnis, eine Kombination aus klassischer Musik und Rock, soll im Februar 2022 im Nienburger Theater aufgeführt werden.

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