Nähkreis beschenkt Flüchtlinge

Kuscheldecken zum Warmwerden in und mit Hoya

+
Bunte, flauschige Decken bekamen diese Flüchtlinge in den gerade bezogenen vier Wänden an der Bücker Straße in Hoya. Das Foto zeigt (von links) Renate Paul, Marion Friedrich, Annegret Harms und Arya Chamdin sowie Susanne Schumann (Dritte von rechts) mit ihrer Patenfamilie.

Hoya - Von Horst Friedrichs. Warm und kuschelig ist es in Hoya – das soll für neun Flüchtlingskinder aus Iran und Libanon ein erster und bleibender Eindruck sein.

Dafür sorgten jetzt Annegret Harms und Marion Friedrich vom Helzendorfer Nähkreis gemeinsam mit Renate Paul und Susanne Schumann vom Flüchtlingshilfe-Verein „Brot und Salz“. In einem Wohnhaus an der Bücker Straße, wo seit wenigen Tagen zwei Familien mit 18 Personen untergebracht sind, übergaben Harms und Friedrich den Neuankömmlingen einen Stapel mit 15 bunten Kuscheldecken zum Warmwerden in der noch winterlich kalten Grafenstadt. Nicht, dass der einst repräsentative Altbau an der Bücker Straße, in dem die Flüchtlinge wohnen, ungeheizt wäre. Vielmehr machten am Tag der Übergabe die Außentemperaturen, der wolkenverhangene Himmel und gelegentliche Regenschauer die Kuscheldecken notwendig.

In großformatigen Reisetaschen brachten Annegret Harms und Marion Friedrich die von ihrem Nähkreis liebevoll hergestellten bunten Decken an den Ort des Geschehens. Dort musste zunächst ein organisatorisches Problem gelöst werden, weil die Flüchtlingsgemeinschaft in dem geräumigen alten Haus die Geschenke nicht gemeinsam in Empfang nehmen wollte.

Der von „Brot und Salz“ angekündigte Pressetermin fand daher repräsentativ im ersten Stock statt, wo eine fünfköpfige libanesische Familie das Decken-Übergabe-Zeremoniell reibungslos ermöglichte.

„Willkommen in Hoya“, begrüßte Renate Paul die Eltern und ihre drei Kinder und informierte sie über weitere Schritte wie Deutschunterricht, Kindergarten- und Schulbesuch.

Susanne Schumann, die sich als Patin der Flüchtlingsfamilien vorstellte, überreichte das, wofür der Name ihres Vereins steht: Brot und Salz. Dabei zeigte sich, dass dieser Brauch in arabischen Kulturkreisen durchaus bekannt ist. Als Dolmetscherin fungierte Arya Chamdin, die Arabisch und Kurdisch spricht und seit zwei Jahren in Hoya wohnt.

Bei der Betreuung der Neuankömmlinge in dem Haus an der Bücker Straße wird Susanne Schumann von den syrischen Geschwistern Al Khatib unterstützt, die im Gebäude des ehemaligen Sportinstituts wohnen. Schumann ist auch ihre Patin (wir berichteten). Jetzt helfen sich Patin und Patenkinder also gegenseitig.

Auch die sechs bis neun Frauen, die sich in Helzendorf regelmäßig zum Nähen von Kuscheldecken für Flüchtlingskinder treffen, brauchen Unterstützung. „Wir wären sehr dankbar für Geldspenden, weil wir das Inlett für die Decken kaufen müssen“, erläutert Annegret Harms. Seit September haben die Frauen immerhin 120 Decken genäht. Deren farbenfrohe Hüllen bestehen aus gebrauchter Bettwäsche. „Bisher haben wir Inlett und Nähmaterial selbst bezahlt“, sagt Marion Friedrich.

Die libanesische Flüchtlingsfamilie im ersten Stock des Hauses an der Bücker Straße ist aus einem Lager in Libanon über die Türkei und Griechenland nach Deutschland gekommen. Zwischenstationen nach der Bootsüberfahrt in der Ägäis waren Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich. Für die dreiwöchige Reise, so berichtet der Familienvater, habe er insgesamt rund 4000 Euro an einen türkischen und einen syrischen Schlepper gezahlt. Entsprechende Kontakte knüpfe man als Flucht-Interessent auf einem bekannten Platz im türkischen Izmir.

Nach dem Besuch im Obergeschoss ging es ins Erdgeschoss des Hauses, wo die Prozedur drei Mal wiederholt werden musste, weil die einzelnen Gruppierungen der neu angekommenen Flüchtlinge nicht gemeinsam begrüßt und beschenkt werden wollten.

Wohnungen für Flüchtlinge dringend gesucht

Im Namen des Vereins „Brot und Salz“ rufen Renate Paul und Susanne Schumann die Bevölkerung der Samtgemeinde auf, dringend weitere Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls werden weitere Paten für die Betreuung der Immigranten gesucht. Wer sich beteiligen möchte, wird gebeten, sich bei Bianca Meyer im Hoyaer Rathaus zu melden, Telefon 04251/81531.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Israel beschränkt erneut Zugang für Muslime zum Tempelberg

Israel beschränkt erneut Zugang für Muslime zum Tempelberg

„Summer in the City“-Finale auf dem Marktplatz

„Summer in the City“-Finale auf dem Marktplatz

Im Selbstversuch zum Deutschen Sportabzeichen

Im Selbstversuch zum Deutschen Sportabzeichen

Sommerreise: Wanderung am Heiligenberg

Sommerreise: Wanderung am Heiligenberg

Meistgelesene Artikel

Grüße aus Sydney, Ulan Ude und Tirol

Grüße aus Sydney, Ulan Ude und Tirol

Feuerwehrleute aus dem Landkreis unterstützen Hochwasser-Helfer

Feuerwehrleute aus dem Landkreis unterstützen Hochwasser-Helfer

Nienburger Einsatzkräfte in Alfeld atmen auf

Nienburger Einsatzkräfte in Alfeld atmen auf

Sie kam als Au-pair, sie blieb als Ehefrau

Sie kam als Au-pair, sie blieb als Ehefrau

Kommentare