CORONA-KRISE Eystruper Physiotherapie-Praxis erhält endlich Unterstützung

Nach der Schließung jetzt ein Lichtblick

Das Praxisteam um Chefin Petra Wagner (rechts) freut sich über die neuen Masken und das Desinfektionsmittel. Foto: NALA HARRIES

Eystrup –  Für viele Patienten ist die Praxis für Physiotherapie Petra Wagner in Eystrup eine wichtige Anlaufstelle, um beispielsweise nach einer Operation durch regelmäßige Anwendungen wieder beweglich sein zu können. Auch medizinische Massagen gehören in das Leistungsangebot des Unternehmens. Doch in Zeiten von Corona erweisen sich diese Tätigkeiten als schwierig, denn das Ansteckungsrisiko durch den direkten Körperkontakt ist hoch.

Aufgrund dessen ordnete das Land Niedersachsen bereits an, unter anderem Wellness-Massage-Angebote einzustellen. Zwar ist die Eystruper Firma nicht davon betroffen, doch die Krise forderte auch von Chefin Petra Wagner ihren Tribut. Mit was für Problemen das Praxisteam zu kämpfen hat und über welche positiven Nachrichten sich die Physiotherapeuten jetzt freuen dürfen, erzählt Wagner im Gespräch mit der Kreiszeitung.

„Als es mit Corona richtig anfing, waren viele Patienten verängstigt, denn die meisten von ihnen sind ältere und kranke Menschen, die zur Risikogruppe zählen“, erinnert sich Physiotherapeutin Petra Wagner. Dementsprechend viele Terminabsagen habe es gegeben. „Wir standen zu dem Zeitpunkt fast ohne einen Patienten in der Praxis“, fügt sie hinzu. Aufgrund dessen habe Wagner Kurzarbeit anmelden müssen. 

Zudem merkt sie an, dass es Missverständnisse darüber gab, wer in der Krise behandelt werden dürfe beziehungsweise muss und wer nicht: „Es stimmt nicht, dass nur die Patienten von uns Anwendungen erhalten, die es dringend nötig haben. Jeder, der ein vom Arzt ausgestelltes Rezept erhalten hat, kann herkommen“, erklärt sie.

Ein weiteres gravierendes Problem stellten die nicht ausreichend verfügbaren Desinfektionsmittel und Mundschutzmasken dar. „Ich konnte die Sicherheit meiner Mitarbeiter und der Patienten nicht mehr gewährleisten und entschied mich dazu, die Praxis vorübergehend zu schließen“, sagt die Chefin. 

Die Konsequenz: ein Monat lang kein Einkommen. „Die Kosten für Miete, Strom und Versicherungen laufen ja aber trotzdem weiter“, unterstreicht Wagner ihre Bredouille. Als Unternehmerin habe sie Rücklagen für solche Krisenfälle bilden können, mit denen sie den Monat überbrücken könne. Mit der Entscheidung die Praxis zu schließen, habe Wagner den Patienten Erleichterung verschafft, denn viele hätten sich verpflichtet gefühlt, ihren Termin wahrzunehmen.

„Wir hatten die Hoffnung, dass der Staat uns in dieser Zeit finanziell unterstützt. Das war aber erst einmal nicht der Fall. Jetzt hat sich jedoch einiges sehr positiv entwickelt“, meint die Physiotherapeutin. Es habe sich für sie die Möglichkeit ergeben, Zuschüsse zu beantragen. Genauer gesagt handle es sich dabei um 40 Prozent der Einnahmen aus dem vergangenen Quartal. 

„Ich hoffe, dass diese Gelder bald kommen werden“, sagt Wagner. Darüber hinaus würden ihr jetzt die Kosten für die Beschaffung von Desinfektionsmitteln erstattet werden. Der Landfrauenverein Hoya habe der Praxis außerdem mit Stoffmasken ausgeholfen. Positiv sei zudem die Änderung der Heilmittelrichtlinien. 

„Beispielsweise sind die Fristen für das Ablaufen eines Rezepts geändert worden. Dieses läuft also trotz der Nichtwahrnehmung eines Termins aufgrund der Corona-Krise nicht ab. Hinzu kommt noch, dass eine Rezeptverlängerung jetzt auch telefonisch erfolgen kann und die Patienten nicht extra beim Arzt vorstellig sein müssen“, erklärt die Chefin. Durch diese Maßnahmen habe die Praxis für Physiotherapie nun wieder öffnen können.

„Die meisten haben sich mittlerweile an die derzeitige Situation gewöhnt, sodass Zweidrittel der Patienten ihre Termine bei uns wieder wahrnehmen möchten“, berichtet die Chefin freudig. Um die Mitarbeiter und Patienten keinem Ansteckungsrisiko auszusetzen, gibt es in der Praxis einige Veränderungen. Zum einen trennt ein Spuckschutz die ankommenden Patienten von der Mitarbeiterin an der Anmeldung. Der Wartebereich wurde fast vollständig aufgelöst – dort stehen weder viele Stühle, noch liegen Zeitschriften bereit. 

„Wir versuchen, alles so zu organisieren, dass nach der Ankunft eines Patienten, dieser sofort in einen Behandlungsraum geführt wird. So umgehen wir die gemeinsame Wartezeit mit anderen“, erläutert Wagner ihr Sicherheitskonzept. Darüber hinaus würden derzeit insgesamt nur drei Mitarbeiterinnen zeitversetzt arbeiten. Vorteilhaft seien außerdem die großzügigen Praxisräume und die Möglichkeit, intensiv durchlüften zu können.

Wie es zukünftig weitergehen wird, weiß Petra Wagner nicht. Sie rechnet aber weniger mit Folgeverordnungen. „Viele Patienten gehen nicht zum Arzt, da sie Angst haben, sich im Wartezimmer mit dem Virus zu infizieren. So erhalten sie jedoch auch kein Rezept für unsere Behandlungen. Von daher kann ich jetzt noch nicht sagen, ob ich nächsten Monat Rezepte auf dem Tisch liegen habe und dementsprechend Patienten behandeln werde“, sagt sie.

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