Stadt Hoya kauft Schloss für 224.000 Euro / Nutzung bleibt weiter ungewiss

Nach langer, emotionaler Diskussion folgt das „Ja“

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Das Schloss in Hoya: Wenn es nach dem Willen von Bürgermeisterin Anne Wasner geht, wird es zum Mittelpunkt der Stadt und des Umlands.

Hoya - Von Aenne Templin. Die Stadt Hoya kauft das Schloss. Das hat der Stadtrat am Montagabend entschieden. Kaufpreis des Grundstücks inklusive des 800 Jahre alten Gebäudes: 224.000 Euro.

Welche zusätzlichen Sanierungs- und Unterhaltskosten auf die Stadt zukommen, steht noch nicht fest. Deswegen beschäftigte die Mitglieder des Gremiums vor der Abstimmung besonders eine Frage: Entscheide ich mich mit dem Verstand gegen den Kauf oder mit dem Herzen dafür?

Die neun Politiker der Fraktionen der SPD und der CDU stimmten für den Kauf, Martin Claus und Heike Krüger vom Bürgerforum plus 3 (Büfo), Jürgen Schaacke (FDP) sowie die Einzelkandidaten Olaf Heye und Sven Bäuerle waren dagegen. Die Befürchtung der Gegner: Andere Projekte müssen nach dem Erwerb zurückstehen, weil kein Geld mehr dafür da ist.

Ein weiteres Argument gegen den Kauf: Es existiert zurzeit weder ein Nutzungsplan, noch hat die Stadt Kenntnis darüber, welche Baumängel an dem Gebäude bestehen. Selbst die jährlichen Kosten für die Unterhaltung des Schlosses stehen nicht genau fest. Das geht aus der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung hervor. Eine „vorsichtige Schätzung“ für die Instandsetzung des Schlosses liegt demnach bei fünf Millionen Euro.

Olaf Heye kritisierte in der Diskussion vor der Abstimmung die finanzielle Situation: „Noch nicht mal die Kosten einer Versicherung stehen fest. Ich finde das Schloss auch geil, aber es gibt andere Projekte, die einfach Vorrang haben.“ Und Heike Krüger fügte hinzu: „Es muss erst mal etwas gegen den Immobilienleerstand in der Stadt getan werden. Und es sind andere Themen dringender. Ich fordere eine Bürgerbefragung.“ Zweifel brachte auch Martin Claus zum Ausdruck: „Wir finden, dass das Schloss zu Hoya gehört, aber das Risiko ist einfach zu hoch. Wir brauchen einen Investor, dann können wir weiterplanen.“

„Uns sind alle Risiken bewusst, und ich nehme die volle Verantwortung auf mich“, warb hingegen Bürgermeisterin Anne Wasner für die Investition. „Natürlich ist uns die Kassenlage sehr wichtig. Wir wissen, dass keine konkreten Zahlen feststehen.“ Dennoch halte sie den Kauf für sehr wichtig. „Stellen Sie sich vor, es kommt jemand Fremdes und kauft das Schloss, dann haben wir nicht mehr die Hand drauf und können auch nicht mehr in die Geschehnisse eingreifen.“

Land besteht auf Kaufpreis

Der stellvertretende Bürgermeister Arne Henrik Meyer (SPD) sprach von der bedeutendsten Entscheidung des Rats seit 2001. „Wir müssen diese Entscheidung nicht nur mit dem Verstand treffen, sondern mit dem Herzen. Deswegen: Kauft dieses Schloss!“ Jan Witte (CDU) fügte hinzu: „Welche Alternative gibt es zum Kauf?“

Das Land Niedersachsen ist bisher Eigentümerin des Grundstücks und des Gebäudes und hatte der Stadt beides zum Kauf angeboten. Stadtdirektor Detlef Meyer hatte in einer Verhandlung mit dem niedersächsischen Finanzminister Peter-Jürgen Schneider versucht, den vorgeschlagenen Kaufpreis von 224.000 Euro zu reduzieren – ohne Erfolg. Er habe den Wert des Schlosses noch einmal überprüfen lassen, heißt es in einem Schreiben von Schneider. Und weiter: Es hätten sich keine neuen Aspekte gefunden, die eine Reduzierung des Kaufpreises rechtfertigen würden. „Ich gehe davon aus, dass das Land durch die Exklusivverhandlungen mit der Stadt Hoya und durch die letztlich moderate Preisgestaltung einen wichtigen Beitrag zur Realisierung dieses städtischen Vorhabens leisten kann“, teilte Schneider in dem Schreiben zum Thema „Verkauf des Schlosses“ mit.

Detlef Meyer zeigte sich enttäuscht. „Wir hatten 2012 noch das Gefühl, dass sich das Land auch für die weitere Nutzung interessiert und dafür einsetzen würde.“ Was nun mit dem Schloss passiert, steht nicht fest. Studenten aus Hamburg prüften im vergangenen Jahr, ob sich ein Hotelbetrieb in dem denkmalgeschützten Gebäudekomplex lohnen würde. Das Ergebnis: ein klares Nein.

Auch wenn es für die Nutzung des Schlosses bisher keine zündende Idee gibt, war es Detlef Meyer wichtig, dass die Stadt Hoya in dieser Frage selbst die Entscheidung trifft: „Wenn wir das Schloss nicht kaufen, tut es jemand anders“, warnte er und wünschte sich, dass das Gebäude zu einem Leuchtturm für die Stadt und darüber hinaus wird.

„Hoya bekommt mit dem Schloss einen Stadtmittelpunkt“, sagte Anne Wasner nach der Abstimmung. „Und ich hoffe, dass sich diejenigen, die gegen den Kauf waren, trotzdem an den weiteren Planungen beteiligen.“

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