SERIE „KÜNSTLER IN IHREM REFUGIUM“

Die Magie der Musik: Rahel Katharina Bargholz ist Harfenistin

Die Band „Wildblumen“, die Rahel Katharina Bargholz (Zweite von rechts) 2017 gründete, interpretiert neben mittelalterlicher Musik auch Folk und eine Mischung aus Traditionellem und Neuem.
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Die Band „Wildblumen“, die Rahel Katharina Bargholz (Zweite von rechts) 2017 gründete, interpretiert neben mittelalterlicher Musik auch Folk und eine Mischung aus Traditionellem und Neuem.

Heidhüsen – „Come and be welcome“ – dieses Willkommenslied der kanadischen Sängerin Heather Dale ist ein gern vorgetragenes Stück der Musikerin Rahel Katharina Bargholz aus Heidhüsen. Deren in sich versunkenes, fast mystisches Harfenspiel anlässlich der LiteraTouren-Lesung im Sommer 2018 auf der Fähre in Schweringen, hinterließ bei den Besuchern einen bleibenden und auf mehr neugierig machenden Eindruck, sodass sie in Teil drei der Serie über lokale Künstler näher vorgestellt werden soll.

Der kurze Liedtitel ist auch sonst auf die heute hauptberuflich pädagogisch tätige Künstlerin anwendbar, die in Hamburg als Tochter einer Lehrerin und eines Pastors das Licht der Welt erblickte.

Aufgewachsen ist Rahel Katharina im nordfriesischen Dithmarschen, einem Landstrich, dem sie sich auch heute noch eng verbunden fühlt. Der Wind, die Weite und die Nähe zur Nordsee haben sie ebenso wie der Freiheitsgeist der Dithmarscher geprägt, was sich an durchaus mutigen Entscheidungen in ihrem Leben zeigt.

Ihr Interesse an Musik entwickelte sich früh, bereits mit vier Jahren begann sie, das Klavierspiel zu erlernen. Talentiert wie sie war, kamen im Alter von 12 Jahren Geige und ein Jahr darauf auch noch Gitarre hinzu. Mit 14 Jahren hielt sie schließlich stolz ihre erste eigene Gitarre in Händen, ein Geschenk ihres Vaters. Ganz nebenbei erlernte sie mit 17 innerhalb weniger Wochen das Spiel auf der Posaune.

Nach dem Abitur fasste sie den weitreichenden Entschluss, ihre musikalischen Neigungen in Flensburg mit einem soliden Studium auf Lehramt in den Fächern Deutsch, Geschichte und Musik zu verbinden. Ihren musikalischen Horizont erweiterte Bargholz in dieser Zeit durch das teilweise autodidaktische Erlernen von Akkordeon und Bratsche.

Dem Studium folgte die erste Anstellung als Lehrerin in Ahrensburg. Gewohnt hat Rahel Katharina Bargholz damals zuerst in Hamburg und nach der Eheschließung lange Jahre in Bad Segeberg, wo auch ihre fünf Kinder zur Welt kamen. Nach zwei schweren persönlichen Schicksalsschlägen und Veränderungen im privaten und beruflichen Umfeld, brach sie dort im Jahr 2007 ihre Zelte ab, um in Niedersachsen einen neuen Anfang zu wagen.

Nachdem zunächst eine Anstellung an der Grundschule in Eystrup gefunden worden war, ergab sich 2007 die Möglichkeit, einen Hof in Heidhüsen zu erwerben. „Das im Jahr 1879 gebaute Haus mit seinen Ställen und dem Garten hat mich von Beginn an fasziniert und angezogen. Es war, als ob es regelrecht auf mich gewartet hat, ein bis heute unverändert gebliebener Eindruck. Entsprechend leicht ist mir dann damals auch die Kaufentscheidung gefallen“, resümierte die Eigentümerin rückblickend – come and be welcome.

Die ersten Schritte waren ihren Schilderungen zufolge recht spannend und es hat eine Zeit lang gedauert, bis man das Anwesen wohngerecht gestaltet hatte. „Wir haben im Stall gewohnt, zuerst nur mit kaltem Wasser in der Badewanne“. Inzwischen stelle es aber mit seiner ruhigen Behaglichkeit nicht nur für sie, sondern ebenso für die beiden Töchter, den Schwiegersohn, aber auch für zwei Pferde, mehrere Katzen, einen Hund sowie vier Jakobs- und drei Gotland-Schafe den Lebensmittelpunkt dar.

Zukünftig möchte sie die in den vergangenen Jahren bereits wiederholt zu Hof- und Dielenkonzerten genutzten Räumlichkeiten unter der Bezeichnung „Hof 21“ noch mehr als Begegnungsstätte ausbauen, deren Trägerschaft von einem inzwischen gegründeten Verein übernommen werden soll.

„An Geschichte haben mich seit jeher weniger konkrete Daten und Ereignisse, sondern vielmehr das Leben der Menschen in früheren Zeiten interessiert“, betont die inzwischen an der Grundschule Heemsen unterrichtende Lehrerin. Schon in Bad Segeberg hat sie erste Kontakte zur sogenannten Mittelalterszene aufgenommen, vor allem zu „Fogelvrei“, einer Veranstaltungsgruppe, die in selbst aufgebauten Lagern mittelalterliche Lebensbedingungen nachstellt. In Heidhüsen wurden diese Verbindungen vertieft, zumal mit Johannes Faget der Inhaber und Leiter von „Fogelvrei“ in der Nachbarschaft lebt. So ist Bargolz beispielsweise bei dem unter dem Namen „Ludelike Hoyamannen“ (Mittelniederdeutsch für ehrliche und gerade Leute aus Hoya und umzu) betriebenen Stammlager engagiert und war in der Vergangenheit regelmäßig auch auf den Katharinenmärkten der einstigen Grafenstadt anzutreffen.

Schon zu Schüler- und Studentenzeiten hat Rahel Katharina Bargholz in einer Vielzahl von Chören, Bands und Formationen mitgewirkt. Unvergessen ist ihr die Folkband „Jan Flattermann“ in Bad Segeberg geblieben, in der sie sich als einzige weibliche Vertreterin zu behaupten wusste. Der sich dem Folk widmenden Formation „Kapellis“ aus Hassbergen hat sie lange Jahre angehört. Die 2017 von ihr gegründete Band „Wildblumen“ interpretiert inzwischen in wechselnden Besetzungen neben mittelalterlicher Musik auch Folk und eine Mischung aus Traditionellem und Neuem. Bisweilen tritt sie zusammen mit der Josie-White-Revival-Band aus Bremen auf, mit der sie eine gute Freundschaft verbindet.

Viel Freude hat Bargholz daran, mit dem originell zum Wohnmobil umgebauten Pferdeanhänger als Straßenmusikerin über das Land zu tingeln und spontan Konzerte zu geben. Ob Solo oder in Formation, das Spektrum reicht von kleinen privaten Veranstaltungen bis hin zu vollen Häusern.

Über die Folkmusik ist die Musikerin, die auch über eine gut ausgebildete glockenhelle Stimme verfügt und gern einmal in einem original schottischen Arisaid auftritt, zu ihrer jüngsten Liebe gelangt, der keltischen Harfe. Inzwischen besitzt sie vier dieser sich deutlich von Orchesterharfen unterscheidenden Instrumente, von denen die 2019 erworbene Salvi-Harfe ihr ganzer Stolz ist. Wie gut sie diese inzwischen beherrscht, konnten im vergangenen Sommer Besucher anlässlich des auf „Hof 21“ unter dem Motto „Keltische Musik unter Kletterrosen“ veranstalteten Konzerts erfahren.

Wenngleich ihre Anstellung als Lehrerin sie im Gegensatz zu anderen in ihrer Existenz bedrohten Künstlern wirtschaftlich absichert, stellt die Pandemie doch eine Herausforderung dar: „Einerseits bedeutet die derzeit auf Präsenzunterricht und Home-Schooling aufgeteilte Unterrichtsform mit quasi zwei Klassen für mich eine doppelte Belastung, andererseits fehlt mir einfach die sonst mit den Musik- und Mittelalterveranstaltungen verbundene Erholung.“ Etwas Ausgleich sucht sie daher in kreativen Fortbildungsmaßnahmen. Der schon vor zwei Jahren erworbene Falknerschein rundet das Bild dieser vielseitigen Künstlerin ab, bei der alles, was sie anpackt und umsetzt, durchzogen ist von „come and be welcome“.

Von Uwe Campe

Rahel Katharina Bargholz an der keltischen Harfe: Inzwischen besitzt die Musikerin vier dieser Instrumente.

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