Ein ambitioniertes Projekt

Sanierung der Eystruper Senffabrik: Ist es die Mühle wert?

Die Alte Senfmühle ist Teil der Geschichte von Eystrup. Dass sie bis vor wenigen Jahren noch in Betrieb war, ist heute kaum vorstellbar. Wer einen Blick hinter die Fassade wirft, braucht eine hohe Staubtoleranz.
+
Die Alte Senfmühle ist Teil der Geschichte von Eystrup. Dass sie bis vor wenigen Jahren noch in Betrieb war, ist heute kaum vorstellbar. Wer einen Blick hinter die Fassade wirft, braucht eine hohe Staubtoleranz.

Vor Arbeit haben sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft Industriedenkmal Senffabrik Leman noch nie gescheut. Gut so, denn das ambitionierteste Projekt liegt noch vor ihnen: die Sanierung der Senfmühle.

Eystrup – Rohre, überall Rohre. Die Leitungen treten aus den Wänden hervor, verschwinden hinter einer Verkleidung und tauchen unverhofft unter einem Treppenabsatz wieder auf. Auch an der Außenwand der historischen Senfmühle in Eystrup sind sie nicht zu übersehen. Es hat den Anschein, als würden vor allem die Rohre das um 1914 errichtete Baudenkmal zusammenhalten.

Wer ohne Fachkenntnisse einen Blick hinter die Fassade wirft, braucht viel Fantasie und eine ausgeprägte Staubtoleranz, um sich vorzustellen, dass durch die verzweigten Rohrleitungen überhaupt jemals Senfsaat rieselte und riesige Schwungräder über Keilriemen die steinernen Mühlensteine in Bewegung setzten. Dabei ist das noch gar nicht so lange her. Noch im vergangenen Jahrzehnt sei die Mühle zum Teil in Betrieb gewesen, sagt Wolfram-Wernher Köhr von der Interessengemeinschaft Industriedenkmal Senffabrik Leman. Der Eystruper hat es sich in den Kopf gesetzt, die alte Mühle wieder in Schuss zu bringen.

Alleine ist Köhr mit dieser Aufgabe nicht. In der Interessengemeinschaft haben sich 2011 eine ganze Reihe technikbegeisterter Bürger zusammengeschlossen. Treibende Kraft hinter der Idee, die historischen Teile der Eystruper Senffabrik zu einem Industriedenkmal auszubauen, sei von Anfang an Horst Müller-Kuntzer vom Heimatverein gewesen, sagt Köhr. 2009, als das 200. Firmenjubiläum bei Leman anstand, befasste sich Müller-Kuntzer erstmals intensiver mit der Senffabrik. Bis er bei der Firma einen Fuß in die Tür bekam, sollten zwei Jahre vergehen. „Dann nahm das Unglück seinen Lauf“, sagt Köhr und grinst.

Die Senfmühle soll saniert werden: ein ambitioniertes Projekt.

Etwa 13 000 Arbeitsstunden haben die ehrenamtlichen Mitglieder der Interessengemeinschaft seither in das denkmalgeschützte Areal gesteckt. Das meiste davon hätten etwa fünf aktive Mitglieder erledigt, sagt Köhr. Im Krafthaus haben sie die alte Dampfmaschine wieder ans Laufen gebracht. In einem kleinen Ausstellungsraum zeigt der Verein historische Dokumente aus der Firmengeschichte. Er bietet Führungen an, organisiert Veranstaltungen und betreibt ein „Dampfcafé“ – wenn nicht gerade eine Pandemie das öffentliche Leben lähmt.

Doch verglichen mit der Sanierung der Senfmühle wirken die bisher erzielten Erfolge der Interessengemeinschaft fast klein. Zwei, drei Jahre, schätzt Köhr, würde es dauern, Gebäude und Maschinen wieder instandzusetzen. Die Erneuerung der Elektrik in dem imposanten Bauwerk ist dabei das kleinste Problem. Schwieriger werden Arbeiten an Dach und Fassade unter der Einhaltung des Denkmalschutzes. Oder die Gestaltung im Inneren, damit irgendwann einmal Besucher die Senfmühle besichtigen können. Denn Geschossdecken gibt es dort bislang nicht, sondern nur hölzerne Zwischendecken. Zum Teil fehlt jede Absicherung: Wer einen falschen Schritt macht, kann tief fallen.

Die größte Herausforderung wartet jedoch bei den fünf Mahlwerken aus dem Jahr 1935. Funktionieren sie noch? Was ist zu tun, um die Technik wieder zum Leben zu erwecken? Das kann Köhr nicht sagen. Vermutlich kennt niemand die Antwort.

Die Sanierung der Mühle ist eine große Herausforderung.

Bei der Dampfmaschine im Krafthaus gegenüber konnte die Interessengemeinschaft auf das Wissen von Technikfreunden aus ganz Deutschland zurückgreifen. Bei der Mühle wird das schwieriger. Es handele sich um ein bundesweit einmaliges Denkmal. Das habe die Deutsche Stiftung Denkmalschutz der Interessengemeinschaft bestätigt, sagt Köhr.

Die Gemeinde Eystrup unterstützt die Pläne zur Sanierung. Eine halbe Million Euro sind im Haushalt des laufenden Jahres dafür eingeplant. Zwei Drittel davon sollen im Idealfall über Fördermittel von Bund und Land finanziert werden. Der Restbetrag – also rund 167 000 Euro – wollen sich die Kommune und die Firma Leman teilen.

Die Gemeinde verspricht sich viel von dem Vorhaben. Schon die Instandsetzung der Dampfmaschine auf dem Leman-Gelände hat viel Publikum nach Eystrup gebracht. Aus ganz Deutschland, aus Holland und sogar aus England kamen Besucher zu den vom Verein organisierten Dampfmaschinenfesten. Vor Ort sollen auch Schulklassen ein Stück Industriegeschichte erleben können.

Nicht zuletzt ist die Alte Senffabrik Leman seit mehr als 200 Jahren Teil der Geschichte von Eystrup. Eine Geschichte, die nicht verloren gehen, sondern weitergelebt werden soll.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Meistgelesene Artikel

Verkehrsunfall in Steyerberg: Drei Verletzte und hoher Sachschaden

Verkehrsunfall in Steyerberg: Drei Verletzte und hoher Sachschaden

Verkehrsunfall in Steyerberg: Drei Verletzte und hoher Sachschaden
Drei Menschen und ein Hund sterben bei Frontalcrash in Loccum

Drei Menschen und ein Hund sterben bei Frontalcrash in Loccum

Drei Menschen und ein Hund sterben bei Frontalcrash in Loccum
Erweiterung Hof Bünkemühle: Rat Warpe ebnet Weg für weitere Schritte

Erweiterung Hof Bünkemühle: Rat Warpe ebnet Weg für weitere Schritte

Erweiterung Hof Bünkemühle: Rat Warpe ebnet Weg für weitere Schritte

Kommentare