„Schnittwerk“ aus Hassel öffnet wieder – allerdings unter strengen Auflagen

„Ab Montag sind alle wieder hübsch“

Birgit Lühring leidet mit ihren Kunden. Auch sie hat sich seit der Schließung nicht die Haare gefärbt.

Hassel - Von Nala Harries. Durch die Corona-bedingten Maßnahmen leidet nicht nur das soziale Leben vieler, sondern auch die Frisur des ein oder anderen, denn Friseursalons mussten vor rund sechs Wochen ihre Türen schließen. Deswegen griffen einige auch mal selbst zur Schere oder radikal zur Haarschneidemaschine. Doch das lange Warten hat jetzt ein Ende, ab Montag dürfen die Profis wieder ran. Darauf freut sich auch das „Schnittwerk“-Team aus Hassel. Um Kunden wieder in dem Salon an der Hauptstraße 23 empfangen zu können, galt es für die Besitzer Nadia und Birgit Lühring sowie Mario Hollunder jedoch, einige Voraussetzungen zu erfüllen.

„Die Rede von Kanzlerin Angela Merkel, in der sie verkündete, dass wir wieder öffnen dürfen, war noch nicht einmal zu Ende, da klingelte unser Telefon schon heiß“, beschreibt Nadia Lühring den Ansturm auf ihren Salon. „Es gibt jedoch etliche Vorgaben der Berufsgenossenschaft (BG), die wir und die Kunden beachten müssen. Insgesamt rund sechs Seiten mit zu erfüllenden Maßnahmen“, fügt sie hinzu. Um die Abstandsregelungen einhalten zu können, müssten Kunden im Auto oder draußen warten. Auch beim Friseurbesuch gelte – wie in allen anderen Bereichen auch – die Maskenpflicht. Die Händedesinfektion beim Betreten des Ladens sei ein weiterer Punkt. Zudem muss auf die Abstände zwischen den einzelnen Plätzen geachtet werden, weswegen kleine Umbaumaßnahmen im Salon nötig waren: Der gemütliche Wartebereich mit dem roten Sofa und der Kinderecke musste komplett weichen. Zwei Stühle und ein Spiegel, die vorher mit den anderen in einer Reihe standen, finden dort jetzt ihren Platz. Das ist aber noch lange nicht alles.

Bis die Schere überhaupt zum Einsatz kommen darf, muss das Haar erst einmal gewaschen werden, was einen zeitlichen Mehraufwand von 15 bis 20 Minuten mit sich bringe. Darüber hinaus bekomme jeder Kunde einen neuen Umhang, der danach sofort gewaschen werden müsse. „Wir haben deswegen extra noch 30 zusätzliche Umhänge bestellt. Keine Einmal-Umhänge. Uns war der Umwelt-Aspekt wichtig“, sagt Nadia Lühring. Neben dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist auch das Wechseln der Handschuhe verpflichtend. „Drei bis fünf Paar Handschuhe verbrauchen wir so pro Person“, meint Nadia Lühring.

Weiterhin schreibt die BG vor, einmal in der Stunde für mindestens zehn Minuten durchzulüften und nach jedem Kunden die Hände, das Friseurbesteck sowie den Arbeitsplatz zu desinfizieren. Den Kunden selbst seine Haare föhnen zu lassen, ist übrigens ein No-Go. Auch Wimpern färben, Augenbrauen zupfen und eine Bartrasur sind verboten. „Die Kosten für all diese Maßnahmen tragen wir selbst. Hilfe vom Staat gibt es nicht“, berichtet Nadia Lühring. Birgit Lühring fügt hinzu: „Insgesamt können wir unseren Job unter diesen Bedingungen nicht so ausführen wie normalerweise. Es fühlt sich an wie ein kompletter Neustart, weil sich der gesamte Dienstablauf geändert hat. Zudem fällt alles Persönliche weg, worauf wir ansonsten sehr viel Wert legen.“

Das „Schnittwerk“ gelte für viele auch als Treffpunkt. „Die Kunden verabreden sich hier, trinken einen Kaffee und lassen sich hübsch machen. Das wird jedoch alles auseinandergerissen“, sagt Nadia Lühring. Getränke dürfen nämlich nicht ausgeschenkt werden. Ob das Team die Maßnahmen auch wirklich alle strikt einhält, werde regelmäßig durch das Ordnungs- und Gesundheitsamt kontrolliert.

Genau wie viele andere, verzichteten auch Birgit Lühring und Mario Hollunder auf den Friseurbesuch. Letzterer resignierte schon kurz nach der Schließung des Salons und rasierte sich eine Glatze. „Ich wollte das schon immer mal machen, und das war meine Chance. Ein Glück sind sie jetzt nachgewachsen“, meinte er und lacht. Bei Birgit Lühring sieht es mittlerweile grau auf dem Kopf aus. „Ich habe mit unseren Kunden mitgelitten“, sagt sie und verweist auf ihren Ansatz. „Ab Montag werden am Ende des Tages alle wieder hübsch sein“, sagt Nadia Lühring abschließend.

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