Ausnahmemusikerin Chuck SJ Hay übermittelt mit ihren Songs Botschaften

Minimale Verstärkung, maximale Fingertechnik

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Aus dem englischen Seebad Brighton an die Weser: die Folk- und Punksängerin Chuck SJ Hay am Freitagabend auf der Kino-Weserterrasse.

Hoya - Von Horst Friedrichs. Explodierende Akkorde, erdige Stomps, zart perlende Arpeggien – all das und eine Menge mehr zaubert Chuck SJ Hay aus ihrer Akustik-Gitarre mit minimaler Verstärkung und maximaler Fingertechnik. Ihre Stimme, ausdrucksmächtig von sanft bis wild, braucht kein Mikrofon. Wenn die sonst eher zurückhaltend wirkende Engländerin gesanglich aus sich herauskommt, klingt es mühelos weit auf die Weser hinaus.

Unterdessen scheint der Fluss an diesem Abend mit zeitweise spiegelglatter Oberfläche fast seenhaft stillzustehen. Es ist Freitag, und auf der Weserterrasse des Filmhofs Hoya bietet Chuck das erste in der Reihe der Hutkonzerte dieses Jahres.

Chucks Heimatort Brighton liegt ebenfalls am Wasser, ist Englands größtes Seebad. Dort, am Ärmelkanal, begann ihre Europa-Tournee. Nach so klangvollen Städtenamen wie London, Wien und Dresden stand am Freitagabend Hoya auf dem Programm der Vokal- und Instrumentalkünstlerin. Sie hält, was ihre Agentur versprochen hat; ihre außergewöhnliche Gitarrentechnik hat zumindest Seltenheitswert und lässt spanisch-andalusische Elemente durchklingen. Mit beidhändiger Fingerartistik lässt Chuck SJ Hay auf dem Griffbrett die sechs Saiten zum feinsinnigsten Tremolo aufsteigen und macht gleichzeitig den Resonanzkörper mit wirbelnden Fingerknöcheln zum Perkussionsinstrument.

Nichtsdestoweniger ist die 25 Jahre alte Chuck eine Ausnahmemusikerin, die sich als Folk- und Punksängerin titulieren lässt und mit ihren Songtexten dem Publikum eine ganz eigene Botschaft übermittelt. Es ist ihre politische Weltanschauung, die sie durchaus mit den Elementen der Satire würzt. Sie, die sich politisch als „Leftie“ (Linke) versteht, hat kein Problem mit herausfordernden Aussagen zu den Themen Gleichberechtigung, Sexismus, Sexualität, Kapitalismus und Familie. All das breitet sie aus in ihrem Album „Mood Swings“. Und auf einem schlichten und einfachen Wortspiel beruht der Slogan, den sie unerschrocken auf T-Shirts unter die Leute bringt: „Born with a vagina, raised with balls“ (Geboren mit einer Vagina, erzogen mit Eiern).

Die Künstlerin erklärt den Sinn dieser offensiven Wortwahl so: „Als ich 18 geworden war, änderte ich meinen Namen in den Männernamen Chuck, weil mich ohnehin alle so nannten. Ich fühle mich nicht wohl, wenn ich als Frau bezeichnet werde; ich fühle mich aber auch nicht wohl, wenn ich als Mann bezeichnet werde. Aber eine verrückte Socke genannt zu werden – damit kann ich leben.“

Viel von ihrer Lebensart beschreibt Chuck mit ihren ebenso realitäts- wie gefühlsbetonten Liedern auf der Weserterrasse des Filmhofs. Das interessierte Publikum dankt es ihr mit begeistertem Beifall bei stimmungsvoller Abenddämmerung am Fluss. Chuck singt sich in die Herzen ihrer Zuhörer – nicht zuletzt mit ihrer frappierenden Offenheit: „Um es auf den Punkt zu bringen, ich bin ein 25-jähriges Girl aus Brighton, und ich heiße Chuck. Ich bin nicht sehr feminin. Ich bin nicht sehr maskulin. Ich schwimme irgendwo in der Mitte herum und versuche immer noch, mich selbst zu finden.“

Mit ihren inhaltsschwer bedruckten T-Shirts, sagt sie, soll die Gleichberechtigung der Geschlechter gefördert werden. Weiter geht’s für Chuck von Hoya aus mit Auftritten in Bremerhaven, Duisburg und Brüssel.

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