Körperverletzung nach Streit um 200 Euro

Milde Strafe für Schuldeneintreiber

Die Justiz bedachte die Schuldeneintreiber mit einer Bewährungsstrafe. 
Foto: Arne Dedert/Archiv
+
Die Justiz bedachte die Schuldeneintreiber mit einer Bewährungsstrafe. Foto: Arne Dedert/Archiv

Dörverden/Hilgermissen – Eine fast dreieinhalb Jahre zurückliegende Tat in Dörverden, die am Landgericht Verden in einem Strafprozess von der dritten Großen Strafkammer juristisch aufgearbeitet wurde, war keine räuberische Erpressung, nicht mal ein Versuch. Zwei Dörverdener wurden am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu sechs beziehungsweise acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Ein Walsroder muss wegen Nötigung 1 000 Euro zahlen und ein Angeklagter aus Hilgermissen bekam einen Freispruch.

Auslöser waren 200 Euro Schulden, die der Geschädigte bei den beiden 25 Jahre alten Angeklagten aus Dörverden hatte. Erst seien sie immer wieder vertröstet worden, dann sei der Schuldner gar nicht mehr erreichbar gewesen. Im Raum stand der Verdacht, dass es sich um Drogenschulden handelte. Man vermute zumindest, dass es darum gegangen seien könnte, merkte der Vorsitzende Richter Lars Engelke kritisch an. „Die Feststellung haben wir aber nicht treffen können“, betonte er.

Auf Wunsch der beiden Dörverdener, vereinbarte der 29-Jährige aus Hilgermissen, damals Arbeitskollege des Schuldners, ein Treffen mit diesem für den späten Abend des Tattages. „Er hat die Haupttat durch sein Klingeln zur Nachtzeit maßgelblich gefördert“, stellte der Vorsitzende fest und bezeichnete es als „Beihilfe hoch 20“. „Wie es so ist mit jungen Leuten, die nicht allzu viel mit ihrer Freizeit anzufangen wissen“, kommentierte der Vorsitzende.

In der Wohnung eines Mehrfamilienhauses ohrfeigten die Dörverdener den Schuldner. Einer hielt nach den Feststellungen der Kammer dem Opfer einen Elektroschocker vor, der Walsroder führte ein nicht aufgeklapptes Klappmesser in der Hand. Der Hilgermissener hatte daraufhin die Wohnung „erschrocken“ verlassen. Gegangen waren die beiden 25-Jährigen am Ende mit dem Imitat einer Breitling-Uhr und 200 Euro – der Walsroder mit sechs Wii-Spielen. Alles aber nur als Pfand, keine Wegnahme, betonten sie.

Von der Gewaltanwendung habe der Hilgermissener nichts gewusst. Ihm war mitgeteilt worden, dass man „nur reden“ wolle mit dem Geschädigten. Gestützt wurden die Aussagen der geständigen Angeklagten von WhatsApp-Nachrichten. Deshalb der Freispruch. Weil das Ganze keine Verletzungsfolgen hatte, erkannte das Gericht auf einen minderschweren Fall der gemeinsamen Körperverletzung bei den 25-Jährigen. Der 22-Jährige aus Walsrode hatte sich dem Trio spontan angeschlossen, wie im Zuge der Ermittlungen herauskam. Er hatte zuvor mit dem Hilgermissener eine Flasche Whiskey geleert und der Geschädigte schuldete ihm noch 50 Euro. Bei ihm war noch Jugendstrafrecht anzuwenden. Deshalb wurde ihm wegen Nötigung im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit die Zahlung von 1 000 Euro auferlegt.

Den beiden Dörverdenern wurde zusätzlich zur Strafe die Zahlung von jeweils 500 Euro auferlegt. Der Nebenkläger, der nicht mal zur Zeugenaussage erschienen war, muss seine Kosten selber tragen. Profitieren wird die Stiftung Opferhilfe. Ihr wurden die zu zahlenden 2 000 Euro zugesprochen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Wie werde ich Gleisbauer/in?

Wie werde ich Gleisbauer/in?

"Wurm drin": Vettel-Frust bei Neustart - Bottas gewinnt

"Wurm drin": Vettel-Frust bei Neustart - Bottas gewinnt

Wolfsburgerinnen nehmen jetzt das Triple ins Visier

Wolfsburgerinnen nehmen jetzt das Triple ins Visier

Tote und Verwüstungen nach schweren Unwettern in Japan

Tote und Verwüstungen nach schweren Unwettern in Japan

Meistgelesene Artikel

Nienburger Polizei überführt jugendliche Fahrraddiebe

Nienburger Polizei überführt jugendliche Fahrraddiebe

Junge Frau lebend in der Weser versenkt: Polizei sieht Verbindungen zum Rotlichtmilieu - hohe Belohnung ausgesetzt

Junge Frau lebend in der Weser versenkt: Polizei sieht Verbindungen zum Rotlichtmilieu - hohe Belohnung ausgesetzt

Fotosession geht schief: Mercedes landet bei Auto-Selfie in der Weser

Fotosession geht schief: Mercedes landet bei Auto-Selfie in der Weser

„New Way“ geht neue Wege

„New Way“ geht neue Wege

Kommentare