Michael Insinger spricht über seine Musik-Karriere / Samstag Konzert in Wechold

„Ich habe mich am Gitarrenhals festgehalten“

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Michael Insinger präsentiert bei seinem Konzert in Wechold erstmalig eigene Songs.

Wechold/Asendorf - Von Charlotte Reinhard. Michael Insinger aus Asendorf steht am Samstag, 28. Februar, in Wechold auf der Bühne – doch wer ist eigentlich der Mann hinter der wallenden Mähne? Im Interview verrät der 45-jährige Gitarrist, was ihn auszeichnet und was er für seinen Auftritt geplant hat.

Wie sind Sie zum Gitarrenspiel gekommen?

Michael Insinger: Ich war ein orientierungsloser Jugendlicher, das Festhalten an einem Gitarrenhals gab mir Orientierung. Das Spielen habe ich mir als Autodidakt beigebracht. Als ich zum Tod von Jimi Hendrix im Radio seinen Song „Hey Joe“ gehört habe, hat das bei mir richtig gezündelt, da hat irgendwas geknallt. Meine erste Gitarre habe ich allerdings schon mit sieben Jahren zu Weihnachten bekommen. Die hat aber leider nur einen Tag gehalten, weil sich jemand auf sie draufgesetzt hat. Diese Gitarre habe ich für mich als Linkshänder damals noch richtigrum gehalten.

Tun Sie das denn jetzt nicht mehr?

Insinger: Mit 13 Jahren bekam mein Bruder eine Gitarre, die wir uns dann teilten. Ich musste lernen, alles mit rechts zu machen. Das war ein Drama, und ich hatte immer ein schlechtes Gefühl. Aber ich habe mich dann dran gewöhnt.

Schränkt es Sie heute nicht ein, dass Sie als Linkshänder die Gitarre rechts herum halten und spielen?

Insinger: Ich habe alles komplett umgedreht, das hat seine Wege gefunden. Aber das Spielen mit Plektren werde ich nie lernen, das habe ich aufgegeben. Lange habe ich mich gefragt, ob ich zu blöd dafür bin, obwohl ich verbissen geübt habe. Als ich Mitte 20 war, habe ich begriffen, dass es daran liegt, dass ich eigentlich Linkshänder bin. Darum spiele ich nur mit den Fingern. Aber ich habe daraus auch eine Lehre gezogen: Manchmal gewinnt man, indem man aufgibt. Heute ist die Toleranz gegenüber Linkshändern zum Glück größer. Ich muss jetzt aber damit leben, dass ich oft Schwierigkeiten habe, rechts und links zu unterscheiden. Das hat mich schon fast meinen Führerschein gekostet.

Spielen linkshändige Schüler, denen Sie Gitarrenunterricht geben, denn mit links?

Insinger: Ja! Ich schreibe ihnen auch nie vor, wie sie ihr Instrument zu halten haben.

Was erwartet die Zuhörer am Samstag in Wechold?

Insinger: Ich präsentiere in einem bewusst kleinen Rahmen das erste Mal meine eigenen Songs.

Warum tun Sie das erst jetzt?

Insinger: Ich bin jetzt im letzten Drittel meines Lebens. Das Alter bewegt einen dazu, andere Dinge zu probieren. 25 Jahre habe ich gebraucht, um zu begreifen, dass ich bisher kein richtiger Musiker war, sondern nur musizierender Gitarrenlehrer. Denn Musiker wird man nicht, für dieses Leben entscheidet man sich. Das Künstler-Dasein ist mit einem Tabu belegt, weil man von der Kunst meistens nicht leben kann. Aber Musiker-Sein bedeutet auch, sich zu sagen „Ich mache jetzt einfach mal!“. Sicherheitsdenken ist da hinderlich, es ist eine Bremse. Ein echter Musiker ist einer, der von sich erzählt, etwas ausdrückt und eigene Songs schreibt. Meine Idee für das letzte Lebensdrittel ist das des fahrenden Kleinkunstmusikers.

Haben Sie dafür Vorbilder?

Insinger: Liedermacher Tom Kirk zum Beispiel, der in Walsrode aktiv ist.

Und welche Musiker haben Sie noch beeindruckt?

Insinger: Im Gitarrenhandwerk sind das Michael Schenker und, wie bei den meisten Gitarristen, Jimi Hendrix. Bei der Akustik-Gitarre kann ich Peter Finger nennen.

Was für Musik spielen Sie bei dem Konzert in Wechold?

Insinger: Songs mit deutschen Texten, zum Teil lustig, zum Teil ernst. Wobei ich sagen muss, dass Spaß leichter zu schreiben ist als Ernst. Ewiges Thema, auch meiner Songs, wird die Liebe sein. Also genau das, was ich eigentlich nie machen wollte, weil mir das ganze Herzschmerz-Liebe-Leidenschaft-Getue in den Lieblingsliedern meiner Eltern immer auf die Nerven ging. Aber da landet man gezwungenermaßen, weil das das erste ist, was einem einfällt. Schließlich kann man nur über den Horizont schreiben, den man auch besitzt.

Warum gerade deutsche Texte?

Insinger: Englisch ist nicht meine Muttersprache, ich bin dieser Sprache nicht mächtig. Einen Text auf Englisch zu singen, fühlt sich für mich irgendwie gelogen an.

Können Sie Ihre Musik in einem Satz beschreiben?

Insinger: Geschichten aus dem Leben, im Idealfall aus meinem.

Sie treten in Wechold zuerst solo auf, später dann mit Ihrer Bluesband. Wie ist diese entstanden?

Insinger: Gunther Plein kenne ich seit 2006. Wir sind uns immer mal wieder begegnet und haben immer mal wieder Musik zusammen gemacht. Für meine eigenen Songs würde ich keine Mitspieler gewinnen können. Aber da ich wusste, dass Gunther Blues mag und ich selber hinter dieser Musik stehe, habe ich gefragt, ob wir das zusammen spielen wollen. Sven wurde mir dann von einem Mitbewohner empfohlen. Aber die Blues-Sache ist eine Art zweites Standbein, falls das mit der eigenen Geschichte nicht klappt.

Zu einem Doppelkonzert lädt der Kultursalon Hilgermissen für Samstag, 28. Februar, um 20 Uhr in die Kulturscheune des Heimathauses in Wechold ein. Michael Insinger präsentiert dort seine Songs unplugged und mit deutschen Texten. Im zweiten Teil des Abends geht es unplugged weiter mit dem Bandprojekt „M.I.T – Michael Insinger Trio“. Es gibt Blues mit akustischer Verstärkung. Gunther Plein am Bass und Sven Kracke am Schlagzeug sorgen für den nötigen Groove.

Eintritt: fünf Euro.€

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